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Mustafa und die Mäuse im Stall von Bethlehem

© Marlies Woywod


Unter den Mäusefamilien in dem kleinen zugigen Stall neben dem großen Wirtshaus herrschte helle Aufregung. Hatte man bisher in diesem Stall ruhig und unbehelligt leben können so war dieses jetzt auf einmal nicht mehr möglich.
Mustafa, der rot-weiße Wiesen-Wald- und Feldkater hatte sich plötzlich, zu Beginn der kalten Jahreszeit, in dem Stall eingenistet. Er war schon etwas älter und die Furcht vor den kalten Nächten hatte ihn nach einem warmen, gemütlichen Plätzchen suchen lassen. Da war ihm der kleine Stall gerade richtig gekommen. Zumal es hier einen zahlreichen Bestand an Mäuse gab und er sich damit auch um seine Ernährung keine Sorgen mehr zu machen brauchte. Was gab es besseres als in einen Stall auf die Jagd zu gehen und nach Verzehr der Beute sanft um Heu zu schlummern? Vielleicht war der Wirt ihm auch noch dankbar das er die, in Mustafa’s Augen, lästigen Bewohner beseitigte und spendierte ihm ab und an eine Schale warmer Milch.
Den Stallmäusen war dieses nun aber gar nicht recht. Hatten sie bisher frohgemut im Heu und Stroh herumtoben und sich am Futtertrog des Ochsen satt essen können, so mussten sie jetzt immer auf der Hut sein. Denn wie ein roter Blitz kam Mustafa plötzlich aus irgendeiner Ecke herangeschossen und versuchte sie zu fangen. Und wer nicht schnell genug in die eiligst gebauten Verstecke verschwand dem ereilte das Schicksal. Er hauchte unter den scharfen Krallen des Katers sein Leben aus und diente diesem als schmackhafte Nahrung.
Die Mäuse waren verzweifelt und viele, besonders die Ängstlichsten und Ältesten von ihnen, verließen den Stall und suchten sich im nahen Städtchen eine neue, katzenfreie Bleibe. Mustafa aber fühlte sich mehr als wohl im Stall und nahm sich vor diese gastliche Stätte nicht so schnell, zu mindestens nicht in diesem Winter, zu verlassen.
An einem Abend, einem besonders kalten, Mustafa hatte sich gerade nach erfolgreicher Jagd zu einem kleinen Verdauungsschläfchen im warmen Heu zusammen gerollt, geschah etwas seltsames.
Die Stalltüre öffnete sich und herein kam ein Mann welcher an einem Seil einen Esel in den Stall führte. Auf diesen Esel saß, in einem warmen Unhang gehüllt, eine junge Frau. Behutsam führte der Mann den Esel in eine Ecke des Stalles und half dann der Frau liebevoll von diesem herunter. Schnell polsterte er die Stallecke mit Heu und Stroh aus, legte eine Decke darüber und half der Frau sich niederzulegen. Diese seufzte leise und flüsterte den Mann etwas ins Ohr. Und obwohl Mustafa sehr gut hören konnte ( so wie alle Katzen) verstand er nicht was sie ihm sagte. Doch die Wirkung ihrer Worte erstaunte ihm.
Aufgeregt und nervös eilte der Mann durch den Stall. Er schien etwas zu suchen und blieb dann plötzlich vor der Futterkrippe des Ochsen stehen. Nach kurzem Zögern, und einige Worte der Entschuldigung zum erstaunte blickenden Ochsen gemurmelt, trug er diese in die Stallecke zu der Frau, legte etwas Stroh und Heu hinein und darüber dann eine kleine weiße Decke.
Verwundert hatte Mustafa diesem Treiben zugeschaut. Was sollte das den nun werden? Neugierig geworden erhob er sich von seinem warmen Platz und schlich auf leisen Pfoten näher an die Stallecke heran. Doch nicht nur er war auf dieses seltsame Treiben aufmerksam geworden. Auch die Mäuse hatten die ungewohnten Gäste bemerkt und versuchten nun ihrerseits, natürlich unbemerkt von Mustafa, sich der Stallecke zu nähern. Leise huschten sie über den Stallboden, jede Deckung ausnützend. Einige von ihnen kletterten sogar die Holzbalken hoch um vielleicht von oben herab in die Ecke hineinschauen zu können.
Doch noch bevor sie dort angekommen waren erfüllte diese plötzlich ein helles, warmes Leuchten. Zarte, fast unsichtbare Wesen eilten hin und her und sie vernahmen ein leises Wispern und Raunen. Das Leuchten nahm an Stärke zu, blendete sie fast, so das sie nicht erkennen konnten was dort genau vor sich ging. Dann nahm das Leuchten wieder ab, wurde zu einem sanften Schimmern.
Verwundert kam der Ochse, der sich bisher in seiner Stallecke still verhalten hatte, heran und näherte sich vorsichtig seiner ehemaligen Futterkrippe. Von dieser ging jenes seltsame Leuchten aus und erfüllte die Stallecke mit warmen Glanz.
Vorsichtig und ganz langsam schlich sich auch Mustafa noch näher an die Futterkrippe heran. Vor lauter Neugierde herauszufinden was dieses Leuchten ausmachte bemerkte er noch nicht einmal die Mäuse, welche sich nun ebenfalls, ihre Angst vor Mustafa vergessend, wieder dieser näherten.
Mustafa war ein stattlicher Kater und konnte, wenn er sich auf seine Hinterbeine stellte und den Hals ein wenig reckte, genau in die Futterkrippe hinein sehen. Der Ochse hatte es noch leichter, denn schon allein seine Größe ermöglichte es ihm ohne Mühe in sie hinein zusehen. Verwundert schauten beide Tiere in die Krippe.
Lag da doch ein in weiße Tücher gewickeltes neugeborenes Kind in der mit duftendem Heu ausgepolsterten Futterkrippe. Es hatte die Augen weit geöffnet und schaute sie mit sanftem Blick an. Von jenem Kind ging das Leuchten aus welches nun auch auf die Köpfe der beiden Tiere fiel. Sie mit seinem warmen Glanz einhüllte.
Mustafa wusste nicht was mit ihm geschah. Tief in ihm breitete sich ein großes Glücksgefühl und gleichzeitig ein tiefer Frieden aus. In ihm begann es zu vibrieren und ein erst leises und dann immer lauter werdendes Schnurren drang aus ihm heraus. Er rieb seinen Kopf an der Futterkrippe und fühlte sich so wohl wie schon lange nicht mehr.
Erschreckt waren die Mäuse zurück gewichen als sie Mustafas lautes Schnurren vernahmen. Doch ihre Neugier trieb sie wieder zur Futterkrippe hin. Sie wollten wissen, was Mustafa zu diesen seltsamen Lauten verleitete. Eines der kleinen Nagetiere kletterte wieder die Holzbalken hoch, wollte von oben in die Futterkrippe hineinschauen. Doch es war zu aufgeregt, passte nicht auf und fiel vom Balken herab. Es streifte im Fallen Mustafas Fell und landete genau vor seinen Pfoten.
Fast starr vor Schreck hielt es den Atem an und blieb bewegungslos dort liegen. War jetzt sein letztes Stündlein gekommen? Würde sich der gefürchtete Mäusejäger jetzt auf ihn stürzen um es genussvoll zu verspeisen?
Mustafa hatte die Fellberührung gespürt, wandte sich von der Krippe weg und schaute verwundert zu seinen Pfoten herab. Hob eine von diesen hoch und legte sie auf die kleine Maus. Schon vermeinte dieses die scharfen Krallen des Katers zu spüren, doch der Schmerz blieb aus. Stattdessen senkte sich nun der Kopf des Katers herab. Er öffnete die Schnauze und seine Fangzähne leuchteten weiß auf.
Die übrigen Mäuse, welche sich vor Angst schnell wieder ins Heu verkrochen hatten hielten vor lauter Aufregung den Atem an. Nun war es um die kleine Maus geschehen. Jetzt würde Mustafa seine Zähne in ihr Fell schlagen und sie zerreißen.
Doch Mustafa dachte gar nicht daran.
Ganz vorsichtig senkte er seine Zähne, aber so das er die kleine Maus nicht verletzte, in deren Nackenfell. Hob dann den Kopf an und wandte sich, mit der nun wieder vor Angst zappelnden Maus in der Schnauze, der Futterkrippe zu. Dort setzte er die Maus auf den breiten Holzrand ab. Leckte ihr sogar noch sorgsam mit seiner Zunge übers Nackenfell, um die Transportspuren zu verwischen.
Erstaunt hatten die übrigen Mäuse diesen Vorgang verfolgt. Einige sehr mutige Mäuse wagten sich aus dem Heu hervor und näherten sich vorsichtig Mustafa. Dieser bemerkte das Rascheln im Heu und schaute wieder zu Boden. Fast sah es so aus als würde er beim Anblick der kleinen Mäuseschar lächeln. Und ohne zu zögern nahm er eines nach den anderen von ihnen in seine Schnauze und transportierte sie ebenfalls zur Krippe empor. Zum Schluss saßen zehn kleine Mäuslein am Rande der Futterkrippe, schauten auf das Jesuskind und freuten sich über dessen Geburt.
Kater Mustafa aber hockte zufrieden schnurrend neben der Krippe. Und solange das Kind im Stall beherbergt wurde blieb auch der Friede zwischen dem Kater Mustafa und den Mäusen bestehen.



Eingereicht am 15. April 2006.
Herzlichen Dank an die Autorin / den Autor.
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