Ostergeschichten

Ostern - Ostergeschichten - Osterhase - Ostereier - Osterfest

Der Osterhasenschüler

© Barbara Naziri

I. Felix bei der Wurzelmarie

Im dunklen Tann lebte die Wurzelmarie. Sie war ein altes Weiblein, gut in der Pflanzen- und Heilkunde bewandert und beherrschte zudem eine besondere Kunstfertigkeit. Alle Osterhasenkinder gingen bei ihr in die Lehre, denn mit ihrem Malerpinsel zauberte sie die schönsten Muster auf die Eier. Auch für Felix wurde es Zeit, sich darin zu üben. Fröhlich nahm er Abschied von seinen Eltern, schulterte sein Bündel und machte sich auf den Weg zur Wurzelmarie. Der Herbst hatte die letzten Blätter von den Bäumen gepflückt und die gelbblassen Felder von Tiefland lagen öde vor ihm. Den Winter über würde Felix bei der Wurzelmarie bleiben, um die Ostermalerei zu erlernen. Bald erreichte er den Tann, den nie ein Mensch betrat. Dicht standen die Bäume hier beieinander und die Wege konnten nur die Tiere finden. Als Felix sich auf schmalen Pfaden durch das Dickicht kämpfte, fuhr der Wind in die Tannenspitzen und wiegte die Bäume hin und her, so als wollte er sie zum Tanzen bringen. Lachend pfiff er Felix um die Ohren und rief ihm zu: "Lauf, kleiner Hase, bald naht die Nacht! Ich blase Dich voran und halte bei Dir Wacht!"

Mit dem Wind im Rücken kam Felix schneller voran. Immer tiefer drang er in den Tann, bis sich die Dunkelheit wie ein dickes Tuch darüber senkte. Die Vögel schliefen längst in den Zweigen, da leuchteten die Augen des Uhus in der Finsternis auf.

"Schuhu! Schuhu! Wohin des Weges, Hasenkind?"

"Ich will zur Wurzelmarie, um das Eiermalen zu erlernen."

"Schuhu. Nur zu. Der Weg ist weit, ich flieg Dir voran in der Dunkelheit!"

Felix bedankte sich artig. Mit dem Rückenwind und dem Uhu vorweg fühlte er sich in bester Gesellschaft. Als er schon glaubte, auf dem kalten Waldboden schlafen zu müssen, weil seine Füße müde wurden, sah er in der Ferne ein Licht schimmern. Sofort stolperte Felix darauf zu. An eine hohe Tanne, deren Zweige bis auf den Boden reichten, schmiegte sich ein Holzhaus, aus dessen Fenster warmer Lichtschein drang. Draußen bemühte sich ein uraltes Mütterlein, den Fensterladen zu schließen, den der Wind immer wieder hin und her klappern ließ.

"Guten Abend, Wurzelmarie. Ich bin der Felix!", begrüßte er sie schüchtern.

Das Mütterlein, gebeugt durch viele Jahre und in ein graues Tuch gehüllt, drehte sich zu ihm um und musterte ihn mit klugen Augen. "So, so, der Felix", lächelte es. "Ich habe Dich bereits erwartet. Doch bevor wir ins Haus gehen, bitte ich Dich um Deine Hilfe. Ein Brett vom Fensterladen hat sich gelöst. Das muss angenagelt werden, sonst wird es kalt in der Hütte."

Felix pustete in seine kalten Pfötchen und hielt den Nagel, während die Wurzelmarie den Hammer schwang. "Und nun komm herein", lud sie ihn ein. "Du bist ja ganz verkühlt."

Im Hause der Wurzelmarie war es längst nicht so fein wie in seinem Elternhaus. Aber drinnen stand ein riesiger Herd, in dem ein lustiges Feuer brannte. Darauf brodelte es in vielen Töpfen und Krügen, denn die Wurzelmarie war eine weise Frau, die nicht nur gut malen konnte, sondern auch manchen Trank aus Wurzeln und Kräutern braute, um Krankheiten zu vertreiben oder ein Wehwehchen zu lindern. In einigen Tiegeln kochte sie Farben, die sie aus Blumen und Pflanzen gewann. Auf einem Wandbrett neben dem Herd standen Tontöpfe mit den verschiedensten Marmeladen und Honigsorten.

"Setz Dich an den Ofen und wärme Dich, Felix. Ich schmiere Dir derweil ein Honigbrot." Und sie nahm eine ordentliche Portion von der goldgelben Flüssigkeit und schmierte sie auf eine dicke Scheibe Weißbrot. Oh, wie köstlich das schmeckte! Im Nullkommanix hatte Felix das Brot verputzt. Inzwischen bereitete die Wurzelmarie ihm auf der Ofenbank ein Lager.

"So, nun schlaf erst einmal. Du musst vom langen Weg recht müde sein. Morgen beginnen wir mit dem Unterricht. Dann wirst Du auch die Zwerge kennenlernen."

"Die Zwerge?", murmelte Felix und spürte, wie sich der Schlaf auf seine Augen legte.

"Aber natürlich. Hier im Wald helfen wir uns alle gegenseitig", hörte er in weiter Ferne die Wurzelmarie sagen. Dann schlief er fest ein.

Am nächsten Morgen wurde er durch einen fröhlichen Singsang geweckt. Als er sich den Schlafsand aus den Augen rieb, sah er um den großen Küchentisch eine Gruppe von Zwergen sitzen, die vergnügt in Farbtiegeln rührten. Dazu sangen sie:

"Wir sind die Zwerge - Hei-ho,
und schlafen nachts nur auf Stroh,
der Gänsewein hält uns gesund
und ein Laib Brot macht kugelrund.
Hei-ho, Hei-ho,
wir sind vergnügt und froh,
wir mischen Farben kunterbunt,
für schöne Eier prall und rund.
Hei-ho, Hei-ho …"

"Guten Morgen, du Langschläfer!", riefen sie vergnügt. "Früher Vogel fängt den Wurm."

Felix schämte sich ein wenig, dass er verschlafen hatte, aber die Wurzelmarie stellte ihm rasch ein Schälchen Milch hin und holte aus dem Ofen ein frisches Brot. Darauf strich sie duftende Waldbeerenmarmelade, und Felix biss herzhaft hinein.

Jetzt begann sein Unterricht. Als erstes lernte er, die Eier so zu greifen, dass sie nicht zerbrachen. Darüber vergingen einige Tage, denn das ist für ein Hasenkind gar nicht so einfach. Dann erhielt Felix eine Lektion im Muster zeichnen. Es gab so viele Muster, dass ihm ganz schwindelig wurde, doch mit Eifer machte er sich daran, sie zu erlernen. Manchmal saß er noch bis tief in die Nacht, um sich ein neues Muster auszudenken und die Wurzelmarie bedachte ihn mit einem Schmunzeln und stellte ihm so manche Leckerei hin, um ihm die Arbeit zu versüßen. Sie war stolz auf ihren fleißigen Schüler.

Die Wochen vergingen. Draußen schneite es dicke Flocken und es wurde kälter. Väterchen Frost saß auf dem Dach und schmückte die Tannennadeln mit Eiskristallen, die wie gefrorene Tränen aussahen. Die Zwerge kamen nun weniger zu Besuch, denn alle Farben waren gemischt und warteten darauf, auf die Eier gepinselt zu werden. Doch dafür war es noch zu früh. Als sie sich verabschiedeten, riefen sie der Wurzelmarie und Felix fröhlich zu: "Wir sehen uns wieder, wenn der Frühling geweckt wird!"

II. Wie Felix mit der Traumsuse reiste

Felix schwang inzwischen den Pinsel so kunstvoll und malte die schönsten Muster, dass es für ihn nichts mehr zu lernen gab. Eines Tages sagte die Wurzelmarie: "Ich bin sehr zufrieden mit Dir. Du warst mein bester und fleißigster Schüler und bist, obwohl noch jung an Jahren, ein Meister in der Ostermalerei geworden. Nun möchte ich Dir einen Wunsch erfüllen."

Felix wurde rot bis zu den Ohrenspitzen, so sehr freute er sich über das Lob. "Mein größter Wunsch ist es, die Menschenkinder zu sehen", sagte er nach einer Weile.

"Das ist kein leichtes Unterfangen für einen Osterhasen", antwortete die Wurzelmarie. "Osterhasen wirken im Verborgenen und sollten sich vor den Menschen verstecken, denn sie leben in einer anderen Welt als wir Wald- und Wiesenbewohner."

"Ich kann mich gut verstecken", antwortete Felix. "Sie müssen mich ja nicht zu Gesicht bekommen."

"Hm. Lass mich nachdenken. Die Leute aus dem Dorf holen mich hin und wieder zu sich und bitten mich um einen Heiltrank. Das geschieht tagsüber und es ist nicht ratsam für Dich, in die Dörfer zu gehen. Du musst wissen, es gibt Menschen, die essen auch Fleisch, und ein Hasenbraten käme ihnen vielleicht gelegen."

Erschrocken sah Felix sie an. "Sie essen Fleisch wie der Fuchs und der Wolf?"

"Ja, Felix, wie der Fuchs und der Wolf. Und die Menschen im Dorf sind arm."

"Und die Kinder? Würden die mich auch essen?"

"Eher nicht. Sie sehen die Welt mit anderen Augen."

Ein lautes Klopfen unterbrach sie. Als Wurzelmarie die Holztür knarrend aufschob, zog ein eisiger Wind in die warme Hütte. Wie ein Schatten schlüpfte eine schmale Gestalt herein und stellte sich sofort an den Ofen.

"Hui, ist das kalt!", stieß sie hervor und man hörte deutlich die Zähne aufeinander schlagen.

"Willkommen, Traumsuse!", rief die Wurzelmarie. "Dich habe ich ja lange nicht gesehen."

"Ja, bei diesem Wetter jagt man auch keine Maus vor die Tür. Aber ich muss meine Arbeit machen und den Kindern nachts schöne Träume schenken. Heute war ich in der Gegend und dachte, ich schaue mal vorbei."

Die Traumsuse war dünn wie ein Stock. Sie hatte lange rote Haare und Augen so grün wie Smaragde. Auf dem Kopf trug sie einen bunten Hut und ebenso schimmerte ihr Gewand in allen Farben des Regenbogens. Wurzelmarie brachte ihr eine dampfende Tasse Waldkräutertee. Traumsuse wärmte sich daran die Hände und schlürfte behaglich die gelbgrüne Flüssigkeit. Während Wurzelmarie ihr lächelnd zusah, kam ihr eine Idee.

"Sag mal, Traumsuse, wenn Du heute Nacht die Kinder besuchst, kannst Du Felix auf die Traumreise mitnehmen? Es ist sein größter Wunsch, Menschenkinder zu sehen und da er mein bester Schüler ist, hat er sich eine Belohnung verdient."

Die Traumsuse betrachtete Felix lange und in ihren Augen spiegelten sich viele Geschichten. "Warum nicht?", lächelte sie. "Aber Du musst hübsch leise sein und darfst mir die Kinder nicht wecken."

Felix machte einen großen Hüpfer vor Freude und tanzte ausgelassen um den großen Küchentisch. "Juhu! Ich werde Menschen sehen!", rief er ein ums andere Mal.

"Nun, dann zieh Dich schon mal dick an. Es geht gleich los."

Kurz darauf standen sie vor der Tür. Mittlerweile war es stockfinster. Gerade als Felix überlegte, wie sie in dieser Dunkelheit vorankommen würden, ohne zu stolpern, zog die Traumsuse einen großen Schirm hervor, spannte ihn auf und stellte ihn umgedreht auf den Boden.

"Komm setz Dich hinein", sagte sie zu ihm. "Dieser Schirm wird uns fliegen."

Kreisend berührte sie den Griff und murmelte:

"Hört mich, ihr Geister der Winde,
kommt zu mir aus Meeren und Bäumen,
hebt mich in die Lüfte geschwinde,
denn ich bringe Kinder zum Träumen."

Wie von Zauberhand erhob sich der Schirm und bald schwebten sie über dem Wald. Nie war Felix dem Himmel so nahe gewesen. Die Sterne blinkten staunend auf die seltsamen Reisenden und Vater Mond nahm überrascht seine Pfeife aus dem Mund. Einen fliegenden Hasen hatte er auf seine alten Tage noch nicht erlebt.

"Seit wann reist Du mit einem Hasen?", fragte er die Traumsuse.

"Das ist Felix, ein neuer Osterhase, Vater Mond! Er ist sehr fleißig und wünscht sich, die Menschenkinder zu besuchen."

"Dann werden wir euch leuchten", lächelte der Mond und rief die Sternenkinder herbei, damit auch sie den Reisenden ihr Licht schenkten. Bald tauchte in der Ferne eine Stadt auf und die Traumsuse lenkte den Schirm auf ein Haus. Wie von selbst öffnete sich ein Fenster und sie schwebten hinein. Der Mond lenkte seinen Schein zu einem Bett, in dem ein schlafendes Mädchen lag, das einen Stoffbären fest umschlungen hielt. Die Traumsuse stellte sich an das Kopfende und drehte ihren Schirm, auf dem viele Bilder zum Leben erwachten und sprach:

"Bunte Kinder schwarzer Nacht,
die den Schlaf beleben,
gebt mir auf den Schläfer Acht,
lasst uns Träume weben."

Da sah Felix ein Lächeln auf dem Gesicht des schlafenden Mädchens.

"Was träumt sie gerade?", fragte er leise.

"Oh, sie ist heute Nacht im Feenland zu Besuch. Dort streift sie mit den Waldelfen über eine Wiesen und windet sich einen Blumenkranz. - Nun komm, lieber Felix, wir müssen weiter. Ich muss noch viele Kinder besuchen."

In dieser Nacht sah Felix viele Menschenkinder und eine große Sehnsucht überkam ihn. Auch er wollte sie glücklich machen, wie es die Traumsuse tat. Als sie das letzte Kind mit einem Traum beschenkt hatte, machten sie sich auf den Rückflug.

"Du schaust so nachdenklich, Felix", sagte die Traumsuse.

"Ach, ich würde den Menschenkindern auch so gern etwas schenken", seufzte er.

"Aber das kannst Du doch", lächelte sie. "Bald ist Ostern. Das ist Deine Zeit. Dann versteckst Du die bemalten Eier. Während ich die Kinder im Traum beglücke, tust Du es, wenn sie wach sind. Du machst sie gleich doppelt glücklich, zum einen durch die Freude am Versteckspiel und zum anderen mit der Belohnung, die sie dann finden."

"Oh, ich kann es kaum erwarten!", jubelte Felix

III. Wie Felix den Frühling beschenkte

Zurück bei der Wurzelmarie setzte er sich an den Ofen und machte sich ans Eiermalen, denn der Frühling sollte bald Einzug halten. Erst bemalte Felix die Eier mit fröhlichen Mustern, dann mit bunten Blumen. Da kam ihm die Idee, die Bewohner des Waldes darauf zu verewigen. Und so malte er Meister Uhu, die Rehe, die Zwerge, ja sogar das Häuschen von der Wurzelmarie und die Traumsuse. Am Ende malte er seinen Vater Kasimir und seine Mutter Betsy und sich selbst als kleinen Hasen. Plötzlich überkam ihn großes Heimweh. Unter Tränen begann er, Geschichten auf die Eier zu malen, nämlich wie ein Osterhase sich auf den Weg machte, um das Osterhasenhandwerk zu erlernen und die Kinder zu beschenken. Bald sprach es sich im Wald herum, welch wunderschöne Ostereier er geschaffen hatte und jeder kam einmal vorbei gehuscht, um sie zu bestaunen. Aber der Frühling ließ auf sich warten und der Schnee wollte nicht weichen.

Eines Tages kamen die Zwerge durch den Schnee gestapft.

"Wurzelmarie!", riefen sie. "Der Südwind ist schon unterwegs, aber der Frühling will einfach nicht erwachen. Wir müssen uns aufmachen, um ihn zu wecken."

"Zieh Dich warm an, Felix", sagte die Wurzelmarie, "wir werden wohl länger unterwegs sein." Felix steckte schnell das schönste Ei ein, das er hatte. Die Zwerge warteten schon ungeduldig auf ihn. Zuerst ging es zum Zwergenhaus, in dessen Mitte auf einem blank gescheuerten Holztisch eine Krone lag, die mit bunten Blumen geschmückt war. Als Felix näher trat, sah er dass die Blumen aus Edelsteinen waren. Auch ein silbernes Zepter lag daneben, kunstvoll mit einer Blumenranke aus Mondstein verziert. "Beides gehört dem Frühling", sagte Graubart, der älteste Zwerg. Nun betteten sie Krone und Zepter auf einem Kissen aus weißer Blütenseide und trugen den Schatz vorsichtig hinaus. Draußen hatten sich inzwischen viele Tiere versammelt, allen voran die Hirsche, die einen Holzwagen hinter sich herzogen. Die Zwerge und die Wurzelmarie stiegen ein. "Komm schon, Felix, worauf wartest Du?", riefen sie und Felix kletterte eilig in die Kutsche.

Es dauerte nicht lange, da langten sie bei einer Höhle an. Das Gespann blieb stehen. Die Zwerge entzündeten ihre Laternen und die Wurzelmarie nahm Felix an die Hand. Sie schritten einen langen Gang abwärts und alle Bewohner des Waldes folgten ihnen. Endlich kamen sie in einen großen Saal, in dessen Mitte ein großes Lager stand, das mit Blütenseide bespannt war. Darauf lag ein schöner Knabe in tiefem Schlaf. Ringsherum hockten die Blumenelfen, die Köpfe in die Arme vergraben, und in ihrer Traumwelt gefangen.

Plötzlich hörte man Flügelrauschen, gleißendes Licht füllte den Raum und ein leuchtender Vogel, der alle Farben in seinem Gefieder vereinte, umkreiste dreimal den Saal. Ein Aufatmen ging durch den Saal und der Knabe auf seinem seidenen Lager dehnte die Arme im Schlafe und die Blumenelfen hoben die Köpfchen. Da ließ sich der seltsame Vogel neben dem Knaben nieder und begann, ein Lied zu singen. Dieses Lied war so schön, dass allen das Herz weh tat und sie tiefe Sehnsucht erfasste. Felix meinte, er müsse sich aufmachen und immer weiter gehen bis zu dem Garten, aus dem der fremde schöne Vogel das Lied gebracht hatte.

Der Frühling schlug die Augen auf und blickte verwundert um sich. Als er den singenden Vogel erkannte, richtete er sich auf und der Vogel verstummte. "Vogel des Paradieses", sprach der Frühling und streichelte sanft dessen Kopf, "habe Dank, dass Du mich geweckt hast."

Da eilten die Zwerge herbei, hielten ihm Krone und Zepter entgegen und sprachen:

"Vorbei ist nun des Winters Macht
der junge Frühling ist erwacht!"

Da erhob er sich. "Ich danke euch, ihr lieben Zwerge, für eure Treue und euren Fleiß." Dann setzte er sich die Krone auf das Haupt und die Elfen eilten herbei, um ihm seinen Blütenmantel umzulegen. Kaum war das geschehen, da wandelten sich die Edelsteine in der Krone zu lebendigen Blumen und um das Zepter rankte sich eine Lilie.

Felix trat schüchtern auf ihn zu. "Ich habe ein Geschenk für Dich, lieber Frühling", flüsterte er und reichte ihm ein Ei, auf das er einen bunten Garten gemalt hatte. Da beugte sich der Frühling zu ihm hinab und küsste ihn auf die Stirn. "Ich danke Dir, kleiner Felix. Das ist ein wunderbares Geschenk und ich werde es in Ehren halten. Wir sehen uns wieder!"

Dann rief er allen zu:

"Kommt mit mir hinaus in Garten und Flur,
die Bächlein und Bäume zu wecken,
Kommt mit auf die Wiesen und lobt die Natur,
dort, wo sich die Blumen verstecken."

Sobald sein Blütenmantel den Boden berührte, schmolz der Schnee und wo sein Fuß stand, blühten die ersten Schneeglöckchen und läuteten fröhlich im sanften Wind. Als er über die Waldwiese schritt, schossen die Krokusse aus dem Boden und öffneten ihre Kelche. Wie er die Weide berührte, streckte sie ihm ihre seidigen Pfötchen entgegen, um seine Liebe zu empfangen. Die Amseln jubilierten im Chor Kwitt-Kwitt und selbst der träge Maulwurf kam ans Licht gekrochen und wühlte in der frischen Erde. Höher und höher stieg der Frühling, um Leben zu erwecken.

Felix blickte dem Paradiesvogel lange hinterher, der geradewegs in die Sonne flog. Auch für ihn hieß es Abschiednehmen.

"Vielen Dank für alles, liebe Wurzelmarie", sagte er und schnürte sein Bündel.

"Es hat mir Spaß gemacht. Ostern ist nah. Ich habe die Hirsche gebeten, Dich mit ihrer Kutsche nach Hause zu geleiten, denn die vielen Eier kannst Du unmöglich allein schleppen. Komm gut heim und besuch mich mal wieder."

"Das werde ich gewiss tun!", rief Felix und umarmte sie stürmisch.

Schnell ist ein Schritt gemacht, doch ein Gedanke kann fliegen. Endlich war Felix wieder zu Hause und die Menschenkinder erwarteten sehnsüchtig das Osterfest. Felix machte sich in der Früh auf den Weg und huschte durch Wald und Feld und in viele Gärten, um seine Eier zu verstecken. Würden sich die Kinder darüber freuen? Verborgen in einem dichten Gebüsch wartete er.

Da kam ein kleiner Junge mit einem Körbchen im Arm. "Schau, Mama", rief er ganz aufgeregt, "der Osterhase war da! So schöne Eier habe ich noch nie gefunden!"

Und nichts konnte Felix glücklicher machen als die Freude dieses Kindes.

Buchtipp - Lesetipp - Buchempfehlung
Patricia Koelle: Die Füße der Sterne
Patricia Koelle
Die Füße der Sterne
ISBN 978-3-939937-04-3

Geschichten von Himmel, Meer und Erde.
Geschichten zum Lächeln, zum Nachdenken, zum Gesundwerden, zum Verschenken, voller Hoffnung und realistischem Zauber.

Die Zeischrift bella meint in ihrer Ausgabe 2/2010:
Glück zum Lesen
Stichwörter: Ostern, Osterfest, Ostergeschichten, Osterhase, Osterhasengeschichten, Ostereier, Hasengeschichte, Kindergeschichte, Hasen, Eier, ...