Unser Buchtipp
Karin Reddemann: Gottes kalte Gabe Dr. Ronald Henss Verlag ISBN 3-9809336-3-6
kleine mysteriöse Welten, in denen es sowohl gruselig und unheimlich zugeht als auch ironischwitzig und ein wenig erotisch. Und fast immer raffiniert überraschend.
Westdeutsche Zeitung

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Eingereicht am
02. Juni 2007

Als Gandhis Vater starb

© Josef Kleinmann

Angela steckt mir ihre feucht warme Zunge ins Ohr und ich spüre ihren heißen Atem. Meine halbsteife Morgenlatte beginnt sofort kräftig zu erigieren. Sie lächelt mich an und ich ziehe Angela auf meine Brust und küsse sie leidenschaftlich. So habe ich mir immer schon das Paradies vorgestellt. Von draußen scheint die Sonne in mein Schlafzimmerfenster, eine aufregend schöne Frau weckt mich mit einem Kuss, ich greife nach ihrem Knackarsch und sie reibt ihre prächtigen Brüste zärtlich an meiner Haut. Dann senkt sie ihren Kopf und leckt über meine glatt rasierte Brust woraufhin ich mein Gesicht in ihre blonden Locken grabe. Gerade als ich versuche in Angela einzudringen drückt sie mich zur Seite.

"Warte", sagt sie, springt aus dem Bett und läuft ins Badezimmer. Weiberkram, denke ich mir. Wahrscheinlich muss sie ihre Mädchenblase entwässern, aber nein, sie kommt mit dem Fön zurück. Sie stöpselt das Stromkabel in die Steckdose, reißt mir die Bettdecke weg, kniet sich neben mich und richtet den heißen Luftstrahl auf meine Genitalien. "Was machst Du da?", frage ich überrascht. Sie lächelt mich lustvoll an, schweigt und greift nach meinen Eiern. Sie schwenkt mit ihrer linken Hand den Fön in kleinen kreisenden Bewegungen hin und her, so dass ich an meinem Sack eine angenehme Wärme spüre. Meine Hoden liegen dabei in ihrer rechten Handfläche und ihre Finger massieren sie vorsichtig. Sie fönt mir die Eier heiß. Das habe ich ja noch nie erlebt, aber doch, es gefällt mir. Meine Morgenlatte ist inzwischen in ihrer ganzen Länge entfaltet und ich bin geil wie Lumpi. "Entspann' Dich, diesen Morgen wirst Du nie vergessen, dass verspreche ich Dir."

Obwohl mir die Sache mit dem Fön schon gefällt, merke ich, wie mein Ständer nach zwei, drei Minuten wieder etwas abschwillt. Endlich lässt sie das blöde Ding links liegen und nimmt meinen Hodensack in ihren Mund. Sie lutscht mir die warm gefönten Eier und ich fühle mich wie im siebten Himmel. Ihre Zunge spielt mit ihnen während sie ihre Nase an meinem Rohr reibt. "Los Angela, sei ein braves Mädchen und blas mir einen", sagte ich. Sie zieht mit einem satten Schmatzen meine Hoden aus ihrem Mund und sagt mit einem Lächeln in ihrer Stimme, "Nicht so schnell mein kleiner Freund." Sie leckt mit ihrer rosigen Zunge meinen Schwanz von der Vorhaut runter zum Schaft. Dann hebt sie etwas den Kopf und wiederholt diese Zungenbewegung, diesmal allerdings um eine kleine Drehung versetzt.

"Man darf ihn erst dann in den Mund nehmen, wenn die Zunge vorher überall schon einmal gewesen ist." "Oh Angela, du Biest, wo hast du das gelernt?", frage ich und kann es kaum abwarten bis sie meinen Freudenstab endlich schluckt. Sie lässt sich aber durch mein Drängen nicht von ihrer Gründlichkeit abhalten. Sie dreht ihren Kopf ein wenig weiter und fängt immer wieder an, meine harte Latte von der Vorhaut an nach unten zu lecken. Sie macht ihre Sache sehr gewissenhaft und ich streichle ihr zärtlich über ihren Rücken. Ihr schönes Haar verklebten dann und wann an meinem mundfeuchten Rohr und ihre blonden Locken fallen dabei auf mein dunkles kräftiges Schamhaar und sie greift in die Haarmischung und massiert meinen Schwanz am Schaft, bis sie mich endlich erlöst und meinen Ständer in ihren Mund nimmt. Sie presst ihn kräftig gegen die Innenseite ihrer Wange die von meinem Penis ausgebeult wird. Angelas Zunge tanzt mit meinem Zauberstab und mein Rohr beginnt sofort in ihrem Mund zu pulsieren und Angela presst ihre Lippen fest zusammen und ihre Zunge umkreist meine Eichel und ihre Hände streicheln über die Innenseite meiner muskulösen Oberschenkel und ich massiere kräftig ihren Nacken und drücke ihren Hinterkopf kräftig an mich.

Dann greife ich an ihre Klit und spreize ihre Schamlippen auseinander, massiere und streichle sie. Meine Finger tauchen in ihren Schlitz ein und streichen von oben nach unten durch ihre offene Klit, berühre ihren Kitzler, streiche durch ihren Schoß bis hinunter zum Poloch und lasse meine Finger wieder nach oben zurück gleiten. Sie lutscht an meiner Eichel wie an einem Speiseeis und beginnt lustvoll zu stöhnen. Meine Finger betasten ihre nasse Möse. Sie kreisen sanft über ihre enge Haut, drücken gegen die Scheidenwände und gleiten dabei immer wieder vor und zurück. Dadurch wird sie so heiß, dass sie beim Blasen - wahrscheinlich aus versehen? - auf meine Eichel beißt, was mich aber nur noch mehr antörnt und ich merke, dass ich ein wildes Zucken meines Freudenspenders nicht unterdrücken kann und ich fürchte, dass ich gleich komme, obwohl ich es gerne noch einen langen Moment herauszögern würde und dann, dann klingelt das Telephon und nun möchte ich möglichst schnell abspritzen, bevor sie aufhört, aber es ist wie in einem schlechten Film, ihre Zungenbewegungen hören auf und sie zieht ihn raus.

"Bitte Angela, mach weiter", flehe ich sie an und sie setzt sich auf meinen muskulösen Bauch und mein Schwanz flutscht wie nichts in ihre feuchte Klit als sie ihren strammen Po kurz anhebt und das blöde Telephon hört einfach nicht auf zu klingeln. Mein Anrufbeantworter ist so eingestellt, dass er erst beim 8.ten Klingeln angeht. Meine Freunde wissen das und lassen es entsprechend lange läuten, wenn sie mir eine Nachricht hinterlassen wollen. Warum steht mein blödes Telephon bloß im Flur? Wäre es hier im Schlafzimmer, könnte ich das scheiß Ding einfach kurzerhand aus der Wand reißen. Sie beugt sich nach vorn und ihre großen Brüste baumeln vor meinem Gesicht wie ein Glockenspiel und ich greife nach einer der beiden schweren Titten und beginne zärtlich an ihrer Brustwarzen zu saugen aber es hilft nicht, sie ist aus dem Rhythmus und verlangsamt ihre Fickbewegungen und das Telephon klingelt als gäbe es kein Morgen. Wer auch immer mich jetzt anruft, kann dieser Idiot nicht einfach auflegen und es später noch einmal probieren? Bisher habe ich nicht gewusst wie lange 8 beschissene Klingellaute dauern, es ist zum kotzen. Endlich hört das Telephon auf und dann nehme ich Angela in der Reiterstellung. Meine Fickbewegungen werden wieder schneller, und sie lässt sich auf mein Tempo ein, mir rinnt der Schweiß übers Gesicht und ich komme - sie nicht.

***

In meiner linken Brusttasche fühle ich die Kassette. Die Kassette habe ich 72 mal gehört - nur heute wohlgemerkt. Insgesamt müssen es weit mehr als dreitausend Mal gewesen sein.

"Der HERR ist mein Hirte. Mir wird nichts mangeln"

Dad und ich haben Mom in unsere Mitte genommen. So können wir sie stützen. Sie zittert am ganzem Körper.

"ER weidet mich auf einer grünen Aue und ER führt mich zu klarem Wasser"

Tränen laufen über ihre Wangen. Rechts neben mir steht Angela. Sie weint.

"ER erquickt meine Seele und ER geleitet mich auf einer gerechten Straße um SEINES Namens willen"

Obwohl ich meinen Vater nicht ansehe, weiß ich trotzdem, dass er den Kampf mit seinen Tränen verloren hat.

"Und wenn ich auch wandere im finsteren Tal, so fürchte ich doch kein Unglück"

Der einzige der nicht weint bin ich. Dad bewundert mich dafür. Für ihn ist das ein Zeichen von Stärke.

"Denn DU bist bei mir und DEIN Stecken und DEIN Stab trösten mich"

Angela verachtet mich dafür. Für sie ist das ein Zeichen von Kälte.

"DU bereitest mir einen Tisch vor dem Angesicht meiner Feinde"

Die Ironie ist, dass ich gerne weinen würde.

"DU hast mein Haupt mit Öl gesalbt und mein Becher fließt über"

Bitte Eric, falls Du jetzt hier unsichtbar über der Szenerie schweben solltest, bitte glaube mir, ich weine nur deshalb nicht, weil ich einfach nicht weinen kann.

"Nur Güte und Gnade werden mir folgen mein Leben lang und ich werde bleiben im Haus des HERRN immerdar"

Zu Anfang glaubte ich, dass sei der Schock, der sich nach ein paar Tagen legen würde aber ich kann bis heute nicht weinen und dabei weiß ich, dass es mir besser ginge, wenn ich endlich weinen könnte, aber ich kann es eben nicht, bitte verzeih mir Eric, ich kann nicht weinen, ich kann es einfach nicht . . .

***

Meine rechte Hand tastet kurz über meine linke Brusttasche. Als ich die Kassette fühle denke ich bei mir - "Hey Bruderherz, den ersten Wüstenneger lege ich für Dich um!", dann tritt Private Andrew Carmack die Tür ein. Er ist über einen Meter 90 groß und von uns allen der kräftigste. Normalerweise benutzt man zum Tür öffnen bei Hausdurchsuchungen einen C4-Sprengsatz, aber bei einer der letzten Aktionen soll unglücklicherweise eine alte Frau, die direkt hinter der Tür stand bei der Sprengung ums Leben gekommen sein. Dies ist mein erster Einsatz im Irak und mein Herz rast wie verrückt. Da ich als Dritter ins Haus gehe, habe ich die zweitgrößte Wahrscheinlichkeit getötet zu werden. Als Dritter gehe ich nach links. Der Zweite der ins Haus geht ist Master Sergeant Ron Mapother, den alle Chief Commander nennen. Er geht nach rechts. Als wir das Haus stürmen sind wir mit Kevlarhelmen, kugelsicheren Westen, M 16-Sturmgewehren und unseren schweren Kampfstiefeln ausgerüstet. Da wir nachts operieren vermuten wir die Bewohner im Schlafzimmer. Dort wollen wir sie im Schlaf überraschen. Alle Männer sollen verhaftet werden. Als Mann gilt jeder, der entweder über 16 Jahre alt ist oder wer größer ist als ein Meter 50. Links neben der Tür ist die Küche. Sie ist leer. Dann schaue ich in Richtung Treppe. Das Schlafzimmer soll laut Plan oben liegen. Ron, der nach rechts gegangen ist kommt ins Wohnzimmer und findet zwei Kinder. Ein Mädchen vielleicht 8 oder 9 Jahre alt und einen Jungen. Er ist etwa 13 oder 14 aber wir schätzen ihn auf über eins 50. Das Mädchen ist mit einem dünnen Hemd bekleidet und schreit sich die Seele aus dem Leib. Der Junge ist offensichtlich geschockt und steht hilflos da. Keine Reaktion. Dies ist wie gesagt mein erster Einsatz, deshalb will Ron mich oben im Dunklen nicht dabei haben. Da zieht er lieber mit Männern los, die er schon seit langem kennt. Meine Aufgabe ist es, den Jungen zu fesseln.

"Runter auf den Boden", schreie ich in ihn an aber natürlich versteht er mich nicht. Deshalb stoße ich ihn mit seinem Gesicht nach unten, kniee mich auf seinen Rücken, ziehe seine Hände nach hinten und fessele sie mit den Kunststofffasern. Dabei packe ich ihn hart an und sehe, wie ihm die Fasern kräftig ins Fleisch schneiden, aber ich will absolut sicher gehen, dass sie fest sitzen, denn ich möchte auf meine Kameraden einen guten Eindruck machen und nichts wäre mir peinlicher, als wenn sich der Junge aus seinen Fesseln befreien könnte auch wenn von ihm keine Gefahr auszugehen scheint. Im Haus sind wir insgesamt zu sechst. Draußen warten noch mehr Männer. Ron, Andrew und Private First Class Clifford Remi sind schon nach oben gegangen. Jetzt führe ich den Jungen und das Mädchen raus. Der Junge wird auf unserem Militär-Pick-up verladen. Das Mädchen muss auf der Straße warten. Dabei wird es von einigen Soldaten bewacht und ich gehe zurück ins Haus. Lance Corporal David Warner durchsucht inzwischen die Küche, Corporal Ernest Kemper das Wohnzimmer. Die Wohnung ist zwar ärmlich möbliert aber sie ist sauber. Ron kommt mit einem gefesselten Mann herunter. Andrew führt eine weinende Frau vor sich her. Als sie im Flur sind reicht Ron der Frau einen Schleier bevor sie das Haus verlassen. Die Frau unterdrückt daraufhin ihre Tränen. Clifford bleibt oben und durchsucht das Schlafzimmer.

Obwohl wir das ganze Haus auf den Kopf stellten finden wir bei unserer Suche nach Waffen oder Beweisstücken für terroristische Aktivitäten nichts - absolut nichts. Der ganze Einsatz scheint mir ein Fehlschlag zu sein. Im Kühlschrank sind neben ein paar Lebensmitteln und einer halbleeren Flasche Saft noch eine Plastiktüte. Darin ist etwas Fleisch eingewickelt. Das Sofapolster im Wohnzimmer ist inzwischen aufgeschlitzt, der Bücherschrank umgeworfen, Lampen zerschlagen, Regale zertrümmert, Bilder aus ihrem Rahmen gedrückt und der Fernseher auf den Fußboden geschleudert. Mit unseren Stiefel latschen wir über die zerstreuten Kleidungsstücke, die mittlerweile überall auf dem Boden verteilt sind. Wir brauchen etwa 20 Minuten um aus der ordentlichen Wohnung ein entsetzliches Chaos anzurichten, dann verlassen wir den Tatort und ich fasse nach der Kassette - "Beim nächsten Mal Eric".

***

Als wir wieder zurück in unserem Stützpunkt sind, frage ich Ron wohin sie die Männer bringen. "Ich weiß es nicht", sagt er kurz.

"Wann werden sie zurück gebracht?"

"Keine Ahnung."

"Was geschieht dort mit ihnen?"

Ron sieht mir streng in die Augen. "Sie werden verhört. Sie werden so lange verhört, bis sie uns endlich die Namen und Adressen von den anderen Terroristen geben und dann fahren wir nachts dahin und verhaften sie."

"Aber sind die Leute nicht unschuldig? Wahrscheinlich kennen sie überhaupt keine Terroristen. Wie können sie uns da Namen und Adressen geben? Woher wissen wir, dass die Aussagen stimmen?"

"Das wissen wir erst nachdem wir sie besucht haben."

"Was? Hör zu Ron, ich bin erst seit 48 Stunden hier im Irak, aber so kann es doch nicht laufen. Das ist Blödsinn! Kein Wunder das wir so auch viele unschuldige verhaften."

"Nein, ein Wunder wäre es, wenn wir auf diese Weise tatsächlich einmal einen Terroristen fänden, aber wenn wir so weiter machen, wird früher oder später sowieso jeder Iraker zum Terrorismus überlaufen."

"Das verstehe ich nicht. Ist es denn schlau so vorzugehen wie wir es jetzt hier machen?"

Ron lacht mich aus. "Ach Joshua, Du bist so herzerfrischend naiv. Bitte bleib so. Unsere Army hat schon genug Zyniker wie mich. Mein Vater hat damals in Vietnam gekämpft. Da lief es ähnlich ab. Sie gingen in ein Dorf der befreundeten Südvietnamesen. Denen sagte man, dass man sie nicht 24 Stunden rund um die Uhr vor den bösen Nordvietnamesen beschützen könne. Wenn die bösen Nordvietnamesen kämen und ihnen ihre Ernte raubten, dann hätten die bösen Nordvietnamesen wieder satt zu Essen. Das wollen wir, die guten amerikanischen Onkels aber nicht, denn ein satter böser Nordvietnamese kämpfe nun einmal besser als ein halbverhungerter. Deshalb seien wir, die guten amerikanischen Onkels jetzt hier, um ihre Ernte zu verbrennen. Einige befreundete Südvietnamesen wurden dann erschossen, weil sie das Verbrennen ihrer Ernte verhindern wollten.

Wir wusste schon damals, wie wir uns Freunde machen und die Menschen, die uns freundlich gesonnen sind auch als Freunde erhalten.

Nachdem die Ernte unserer Freunde verbrannt war, liefen diejenigen, die schlau genug waren, ihre Ernte nicht mit ihrem Leben zu verteidigen, zum Feind über und auf diese Weise verloren wir erst die Herzen der Menschen und später den Krieg.

Es ist von je her eine Schwäche des amerikanischen Systems, dass wir einfach nicht in der Lage sind aus Fehlern zu lernen. Nur wer andere respektiert wird auch selbst respektiert."

"Aber jetzt bitte einmal ohne Ironie", frage ich nach, "Warum versuchen wir nicht mal ganz im Ernst die Herzen und Köpfe der Menschen zu gewinnen? Welche Taktik verbirgt sich hinter unserer Vorgehensweise wirklich?"

"Die Taktik des body counts . Präsident Bush liest in der Zeitung, dass gestern zwei von unseren Männer gefallen sind und vorgestern auch. Das macht ihn wütend oder traurig oder was auch immer und nun fragt er seine Generäle wie viele wir von denen abgeschossen haben. Na und jetzt können ihn unsere Generäle stolz berichten, wie toll es hier im Irak voran geht, dass wir schon wieder so und so viele Terroristen getötet oder verhaftet haben und dann sagt Bush zu seinen Generälen - gut so, weiter so! Und dann sagen die Generäle zu unseren Offizieren, wie sehr Präsident Bush mit unserer Arbeit zufrieden ist und so nimmt der Irrsinn seinen Lauf. Früher habe ich auch geglaubt, wir würden für eine gute Sache kämpfen.

Als Powell dem Sicherheitsrat der Vereinten Nationen die Beweise dafür vorlegte, dass der Irak über Massenvernichtungswaffen verfüge, glaubte ich ihm.

Als Präsident Bush sagte, er wisse, dass der Irak den Terroristen Unterschlupf gewähre, die für den 11. September verantwortlich sind, glaubte ich ihm.

Der Irak solle ein Muterbeispiel für den Aufbau einer gerechten Gesellschaft werden. Das klang gut. Dafür lohnte es sich zu kämpfen."

"Ron Du sprichst in der Vergangenheit. Du hast gesagt - lohnte es sich zu kämpfen - lohnt es sich denn jetzt nicht mehr dafür zu kämpfen?"

"Dieser Krieg endete für mich am 19. Juni 2003."

"Ach ich weiß, da wurde Euer Kumpel Brian Judge erschossen richtig? Andrew und Clifford haben mir schon davon erzählt. Sie mochten ihn sehr. Friendly fire, dass war bitter."

"Nein Josh, am 19. Juni war Brian schon drei Wochen tot. Er fiel bereits Ende Mai. An diesem Tag erschoss ich ein irakisches Mädchen."

Ron macht eine Pause und ich weiß nicht, ob ich ihn fragen darf was gesehen ist also halte ich lieber meine Klappe. Nach einer Minute des Schweigens erzählt er mir auch ohne eine Nachfrage seine Geschichte.

"Wir waren in Sabah Qusur unterwegs, einem Armenviertel im Norden Bagdads. Auf uns wurde geschossen, aber wir konnte nicht klar erkennen, von wo aus das Feuer kam. Wir stürmten ein Haus. Hinter einer verschlossenen Tür hörten wir ein Geräusch. Glas fiel zu Boden. Wir klopften an, aber niemand machte auf. Dann drang ich mit Gewalt ein. Das Zimmer war leer. Draußen fielen weiter Schüsse. In meinem Augenwinkel sah ich einen Schatten nach hinten rechts verschwinden. Reflexartig drehte ich mich um und schoss. Das kleine Mädchen war sofort tot. Wir waren in ihrem Kinderzimmer und wahrscheinlich wollte sie sich gerade unter ihrem Bett verstecken. Auf dem Fußboden sah ich ein zerbrochenes Milchglas. Das Weiß der Milch und ihr rotes Blut mischten sich zu einem zarten Rosa. An der Wand hand hing ein kleiner Teppich daneben stand ein Spruch aus dem Koran: "Gott ist das Licht der Himmel und der Erde."(1)

Als ich 16 Jahre alt war ging ich auf die Highschool. Eines Tages überfuhr ein Betrunkener Lupo, meinen Dobermann. Dafür erhielt ich später vor Gericht 2.500 Dollar Entschädigung. Die Eltern des Mädchens bekamen von der US-Army 2.000 Dollar. Mir ist nichts passiert. Keine Anklage, keine Degradierung - nichts. Den Angehörigen der Opfer vom 11. September wurden durchschnittlich 3,1 Millionen Dollar bezahlt."

Ron sieht ins Leere und sagt, "Seit diesem Tag, habe ich nie wieder einen Schuss abgefeuert".

Jetzt stehe ich ziemlich blöd da und weiß nicht was ich Ron sagen soll.

"Am liebsten hätte ich losgeheult, aber ich konnte einfach nicht", fährt Ron fort. "Anfangs dachte ich, das sei der Schock, aber auch in den nächsten Tagen konnte ich nicht um dieses kleine unschuldige Mädchen weinen und das machte mir schwer zu schaffen. Hätte ich weinen können wäre es mir bestimmt besser gegangen aber ich konnte einfach nicht, verstehst Du?"

Die Frage war rhetorisch und so dachte ich nur, ja lieber Ron, ich verstehe, ich verstehe genau was Du meinst. Du ahnst ja gar nicht wie sehr ich es verstehe und greife nach der Kassette.

"Hast Du bis heute nicht geweint?", wage ich zu fragen.

Er sieht mich lange an und sagt, "Doch".

"Wie hast Du es geschafft? Hat es geholfen?", die Fragen schießen aus mir nur so heraus, ohne dass ich darüber nachdenke.

"Es war ein Zufall. In einem Radio spielten sie den alten Song "The Universal Soldier" von Donovan. Als die Stelle kam . . . And he's fighting for Democracy - he' s fighting for the Reds - He says it's for the peace of all - He's the one who must decide - who's to live and who's to die - and he never sees the writing on the walls . . . (2) da überkam es mich und ich heulte los wie ein Schlosshund.

***

Die Langeweile ist neben der Hitze, dass, was mir am meisten zu schaffen macht. Ron liest ein Buch nach dem anderem. Gerade hat er die Biographie von John Forbes Nash beendet, dem Mathematiker, aus dem Film "A Beautiful Mind". Jetzt liest er die Biographie von Mohandas Karamchand Gandhi, besser bekannt unter seinem Spitzamen "Mahatma" - was so viel bedeutet, wie: die große Seele.

"Na Jungs, wie sieht's aus? Wer hat Lust auf ein kleines Spielchen?", fragt Ron in die Runde. Dann fährt er fort uns ein ziemlich seltsames Auktionsspiel zu erklären.

"Hier habe ich einen guten amerikanischen Dollar." Er schwenkt ihn vor unseren Augen hin und her wie eine Fahne.

"Den Dollar könnt ihr mir abkaufen. Er ist nicht teuer. Er kostet nur einen Cent"

"Wo ist der Hacken?", fragt Ernest.

"Es gibt keinen", erklärt Ron. "Es ist wie bei einer richtigen Auktion. Derjenige, der am Meisten für den Dollar bietet, bekommt ihn für sein Gebot."

Ein Raunen geht durch die Runde.

"Okay", lässt Ron endlich die Katze aus dem Sack. "Der jenige, der das zweithöchste Gebot abgibt, der muss die Summe, die er geboten hat, an mich bezahlen und bekommt nichts dafür. Also was ist? Bietet mir jemand einen Cent für meinen Dollar?"

Was kann schon passieren denke ich mir und biete einen Cent. Andrew ist der Nächste und bietet zwei Cent. Wir sitzen alle im Kreis und nun schauen alle auf Clifford.

"Klar", sagt er. "Drei Cent für den Dollar, wenn das kein gutes Geschäft ist, dann weiß ich auch nicht."

"Und Ernest? Höre ich vier?", provoziert ihn Ron.

"Ja, ja, von mir aus."

"Andrew, gibst Du mir fünf Cent oder bist Du raus?", fragt Ron.

"Ich bin dabei Chief."

"Sechs", sagt Clifford von sich aus.

"Keine Ahnung worauf das ganze hinaus läuft, aber ich will kein Spielverderber sein", sagt David und bietet sieben Cent für Rons Dollar.

Ernest sieht mich an, denn irgendwie wurde ich übersprungen und ich nicke - acht Cent, warum nicht? Ernest bietet neun und Andrew zehn.

"15", kontert Clifford. "Jetzt mal runter mit den Hosen", lacht er uns aus.

"Gut, endlich kommt die Sache in Fahrt", freut sich Ron. "Höre ich 20?"

Der Sprung um 5 Cent lässt uns zögern. Der Dollar wir immer teurer und der mögliche Gewinn schmilzt langsam dahin, wie ein Eiswürfel im Whiskyglas. Keiner sagt etwas.

"Hey Andrew, Du wirst doch jetzt nicht aussteigen? Dann zahlst Du mir 10 Cent für nichts, wenn Du mir 20 bietest, dann gewinnst Du jedoch 80 Cents, also was überlegst Du noch?"

"Ja Du hast recht", stimmt er Ron zu.

Nun richten sich alle Augen auf Clifford. Er hat mit 15 Cent das zweithöchste Gebot abgegeben. Er ist im Zugzwang. Die Argumentation ist im Prinzip die gleiche wie bei Andrew, entweder verliert er 15 oder er gewinnt 75 Cent, wenn er 25 bietet. Nach wenigen Sekunden kommt er zu der gleichen Einsicht und bietet 25 Cent für Rons Dollar, was nun wieder Andrew in Bedrängnis bringt.

"Ja, ja, ist ja schon gut, ich biete 30", raunt uns Andrew an.

"Und Clifford? Höre ich 40?", fragt ihn Ron. Rons Grinsen wird immer breiter und ich bin heil froh, dass ich aus der Kiste raus bin.

"Besser 60 Cent Gewinn als 40 Verlust, okay, ich bin dabei."

"50", sagt Andrew kurz.

Wenn Clifford jetzt aussteigt hat Ron 90 Cent sicher, wenn er 60 bietet hat Ron sogar 10 Cent gewonnen.

"Tja Chief, Du hast Dir da ein feines Spielchen ausgedacht. Wenn ich 60 biete bist Du schön raus, aber was soll's? So gewinne ich immer noch 40 Cent und das ist alle mal besser als 40 zu verlieren."

"70. Egal, ist doch nur ein Spiel oder?", gibt sich Andrew selbstbewusst.

Ganz langsam verstehe ich worauf das ganze hinaus läuft. Clifford muss 80 bieten, weil er sonst 60 verliert. Aber wo soll das enden? Clifford scheint sich dieselben Gedanken zu machen aber hat er eine Wahl?

"80", sagt Clifford. Sein Gesichtausdruck wirkt jetzt etwas gereizt.

"Okay, machen wir diesem Spielchen ein Ende", sagt Andrew, legt eine gedankenschwere Pause ein und bietet 99 Cent. Das war ein raffinierter Schachzug. So hat er zwar nur den kleinstmöglichen Gewinn erzielt, aber immerhin. Clifford verliert 80 Cent und muss unseren Spott ertragen. David und Ernest gratulieren Andrew schon als Clifford plötzlich sagt, "Einen Dollar".

Stille. Andrew reist seine Augen auf. Damit hatte er offensichtlich nicht gerechnet.

"Hey! Was soll das? Es macht keinen Sinn einen Dollar für einen Dollar zu bieten", blafft ihn Andrew an.

"Macht es doch. Du verlierst 99 Cent und ich bin fein raus", dann lacht ihn Clifford aus.

David und Ernest gratulieren nun Clifford zu seinem brillanten Schachzug und man sieht wie Andrew wütend wird.

"Augenblick mal", schreit er in die Runde. "Es ist erst vorbei, wenn es vorbei ist."

"Du kann unmöglich mehr als einen Dollar für einen Dollar bieten, das ist Unsinn", warnt ihn Clifford.

Ja, es ist irrational mehr als einen Dollar für den Dollar zu zahlen, aber ist es dumm?

"Einen Dollar und einen Cent", sagt Andrew augenblicklich.

"Was soll das?", schreit ihn Clifford an?

Aber so verliert Andrew eben nur einen Cent, sonst verlöre er 99. So gesehen macht es für Andrew eben durchaus einen Sinn mehr als einen Dollar für den Dollar zu zahlen. Nun geht ein johlen durch die Runde. Allmählich wird den Jungs klar, dass das Spiel noch lange nicht vorbei ist. Ging es vor einer Minute noch darum einen - wenn auch kleinen - Gewinn zu erzielen, so geht es jetzt nur noch darum, seinen Verlust zu minimieren und dieses Minimum kann verdammt groß werden. Wenn Clifford jetzt aufhört verliert er einen ganzen Dollar. Macht er jedoch weiter und bietet einen Dollar und 2 Cent, dann verliert er eben nur 2 Cent. Mathematisch gesehen ist es also gar nicht so dumm weiter zu bieten.

"Einen Dollar zwei Cent", sagt Clifford nach einem kurzen Zögern.

Man kann sehen wie Andrews Halsadern anschwellen. Sein Gesicht wird rot.

"Du willst Krieg? Na bitte, den kannst Du haben. Einen Dollar und 5 Cent."

Ein Grölen und Gelächter geht durch den Raum. David und Ernest klatschen sich gegenseitig in die Hände. Sie haben mächtig Spaß dabei.

"Los Clifford, lass Dich nicht unterkriegen, gib uns eins 10", feuert ihn David lachend an.

Clifford ist unser Scharfschütze. Er hat eine Spezialausbildung hinter sich. Er ist es gewöhnt sich in einer Konkurrenzsituation als Sieger durchzusetzen. Andrew ist ein muskulöser Muskelprotz er hat das Herz eines Kämpfers. Das Wort "aufgeben" gehört nicht zu seinem Vokabular. Hier haben sich zwei Kampfhähne gefunden die sich in einem entzückenden Dilemma befinden. Es ist eben besser 10 Cent zu verlieren als einen Dollar und 2 Cent und so bietet Clifford notgedrungen einen Dollar und 10 Cent. Alles schaut auf Andrew. Dem geht es schon lange nur noch ums Prinzip. Er will gewinnen, koste es was es wolle. Unseren Spott bekommt er ja sowieso, da will er wenigstens den Platz als Sieger verlassen.

"Ein Dollar 20", sagt Andrew.

"Was soll das? Glaubst Du ich habe Angst vor Dir? Ein Dollar 30", bellt ihm Clifford entgegen.

"Ein Dollar 40", legt Andrew nach.

"Eins 50", kommt sofort von Clifford.

"Zwei Dollar". Andrew will dem Spaß mit großen Schritten offenbar endlich ein Ende setzen. Die Sache ändert sich dadurch aber nicht. Hört Clifford jetzt auf verliert er einen Dollar 50 Cent, bietet er dagegen zwei Dollar 10 Cent, dann verliert er 40 Cent weniger.

"Zwei Dollar 10", raunt Clifford.

"Drei Dollar". Andrew scheint nun alles egal zu sein. Er wird Rons Dollar am ende bekommen, daran lässt er jetzt keinen Zweifel mehr. Damit provoziert er natürlich Cliffords Sturheit heraus und der nimmt den Federhandschuh sofort auf und bietet drei 50. Die nächsten Schritte - jeweils in Stufen von 50 Cent - gehen jetzt von beiden Seiten sehr schnell. Als Andrew die Marke von 10 Dollar erklimmt ruft David, der sich vor Lachen kaum halten kann, "Doggy", das ist der Spitzname von Clifford, "gib uns 11".

Clifford spielt nervös mit seinen Fingern. Ein Verhalten das er im Gefecht nie zeigt. Es ist unglaublich unter welchem Stress die beiden stehen. Jeder will sein Gesicht wahren. Was sind da schon 11 Dollar, wenn es um den Stolz eines Mannes geht? So bietet er nach kurzem Zögern tatsächlich 11 amerikanische Dollar um einen einzigen Dollar zu ersteigern. Der Irrsinn nimmt seinen Lauf und nichts und niemand scheint die beiden noch stoppen zu können - mal davon abgesehen, dass das ja auch keiner will und so geht die Sache munter weiter. Als Andrew 20 Dollar bietet hat Ron endlich Mitleid mit den traurigen Helden und sagt, "Hör zu Clifford, wenn Du jetzt aussteigst, dann verlierst Du 19 Dollar, aber das ist genau die gleiche Summe, die auch Andrew verliert. Ihr habt Euch beide gleich doll zum Affen gemacht und ich gehe rüber zum Drag Store und kaufe für uns alle für 38 Dollar Bier und schmeiß ne Runde? Na was meinst Du?"

Clifford hadert. Er weiß, dass Andrew auch 100 Dollar und mehr zahlen würde. Jetzt bietet ihm Ron eine Möglichkeit noch halbwegs anständig aus der Kiste rauszukommen.

"Einverstanden Chief, ich höre auf."

"Gut Jungs und jetzt reicht Euch die Hände", sagt Ron.

Andrew und Clifford sehen sich hilflos an.

"Ihr sollt Euch die Hand reichen. Das ist ein Befehl!", schreit sie Ron an.

Ron nimmt die 39 Dollar entgegen, gibt Andrew seinen Schein, der ihn in seiner Hand zerdrückt und schnell in seine Hosentasche steckt. Der Dollar ist keine Trophäe des Sieges, sondern das Zeichen einer peinlichen Niederlage. Dann dreht sich Ron zu mir und sagt, "Los Josh, komm mit und hilf mir beim Bier holen."

Als wir aus dem Zimmer sind und um eine Ecke biegen frage ich ihn, was da gerade los war.

"Das war der Macbeth-Effekt aus der Spieltheorie"

"Spieltheorie? Ist die von Deinem Beautiful-Mind-Mathematiker entwickelt worden?"

"Er hat sie nicht erfunden, aber später Beiträge dazu entwickelt"

"Und was hat Macbeth mit der Spieltheorie zu schaffen?"

"Der schottische König Macbeth in Shakespeares Stück sagt, er sei nun einmal so tief in Blut gestiegen, dass die Rückkehr genauso schwierig sei, als wenn er nun gleich ganz hinüber auf die andere Seite geht.

Also in anderen Worten gesagt, wenn man erst einmal eine gewisse Grenze überschritten hat, dann gibt es kein Halten mehr.

Was Du da gerade gesehen hast geschieht auch im großen Maßstab. Als die Franzosen und die Engländer damals die Concorde bauten wurde schnell klar, dass die Entwicklungs- und Betriebskosten des Überschallfliegers nie und nimmer wieder eingenommen werden können aber beide Seiten hatten einfach schon zu viel investiert. Wie könnten sie jetzt aussteigen und mit leeren Händen dastehen?(3)

Diese Antilogik - wir können nicht aufhören, weil wir schon zu viel bezahlt haben - ersetzt das Denken auch im Krieg. Da sagt man eben: es sind zu viele Soldaten gestorben, als das wir den Krieg jetzt einfach so beenden könnten. Das Leiden der Opfer kann und darf doch nicht umsonst gewesen sein. Jetzt müssen wir weiter machen bis zum Endsieg - und koste der auch was er wolle."

***

Als Ron die X-te Dose Bier auf macht erzählt er von Gandhi.

"Die Hindus und die Moslems haben sich in einem fürchterlichen Bürgerkrieg gegenseitig die Köpfe eingeschlagen und wisst ihr was Gandhi daraufhin unternahm?"

Wir zucken unwissend die Achsel.

"Er sagte, wenn dieser Bürgerkrieg nicht sofort aufhöre, dann tritt er in den Hungerstreik. Und wisst ihr, was das phantastische war?", frag Ron. "Die Jungs haben damals tatsächlich mit dem Morden aufgehört. Ist das nicht völlig irre?", fährt er fragend fort. "Man muss sich einmal vorstellen, unser Präsident sagt, er werde nichts mehr essen, solange die Schiiten und die Sunniten sich gegenseitig umbringen."

"Bush würde verhungern, so viel ist sicher", ruft Ernest.

"Und wisst ihr wie Gandhi dazu kam, sich für die Menschen einzusetzen und den ganzen Tag von Gewaltfreiheit und Liebe zu sprechen?", fragt Ron weiter.

"Na warum", frage ich nach.

"Er hatte Schuldgefühle und die versuchte er durch gute Taten zu kompensieren."

"Wessen könnte sich Gandhi wohl schuldig fühlen?", möchte ich neugierig wissen.

"Als sein Vater im Sterben lag war Gandhi gerade mal 16 und frisch verheiratet. Er hielt Nachts am Bett seines Vaters Wache, als sein Onkel zu ihm trat und Gandhi ablöste und der geile Gandhi hatte nicht besseres zu tun, als seine Frau zu wecken und erst mal schön ne Nummer mit ihr zu schieben.

Plötzlich klopfte es an die Tür. Sein Onkel stand da und sagte, dass es seinem Vater sehr schlecht gehe. Na ja, sein Vater lag im Sterben, natürlich geht es ihm da sehr schlecht. Also rannte Gandhi zu ihm rüber und stellte entsetzt fest, dass sein alter Herr inzwischen tot war. Gestorben während Sohnemann seine Alte im neben Zimmer beglückte."

Alle lachen. Alle nur ich nicht. Mir schießen Tränen in die Augen und ich renne raus, greife nach der Kassette und spiele sie ab.

***

"Hallo Josh, bist Du zu Hause?"

Schweigen.

"Ach bitte Josh, geh doch ran wenn du da bist."

Kurze Pause.

"Na ja wahrscheinlich bist Du gerade mit Angela unterwegs. Ich weiß nicht was ich sagen soll. Auf jeden Fall möchte ich Dir sagen, dass ich Dich Liebe und das ich mächtig stolz auf Dich bin kleiner Bruder. Ich werde wohl gleich sterben und dabei hätte ich Dich so gern noch einmal fest in meine Arme genommen.

Ich habe auch schon versucht Mom und Dad anzurufen, aber sie sind leider nicht zu Hause und ihr Anrufbeantworter geht nicht ran. Bitte sage ihnen, dass ich sie liebe ja?

Dad vielleicht hörst Du diese Worte ja später. Du bist der großartigste Mann, den ich je getroffen habe. Ich habe Dich immer bewundert. Du hast mir den Unterschied zwischen Gut und Böse beigebracht. Du hast immer ein Auge auf mich gehabt und ich möchte mich dafür entschuldigen, dass ich Dir das Leben als Kind oft so schwer gemacht habe. Alles was ich geworden verdanke ich doch nur Euch beiden, Dir und Mom.

Mom, Du weißt, ich bin nicht gut in Worten."

Stille.

"Aber ich möchte Dir trotzdem etwas sagen. Du bist immer die gute Seele in unserer Familie gewesen. Du hast Weihnachten immer den Baum so schön geschmückt. Du gabst uns allen ein wundervolles Heim voller Geborgenheit und Nestwärme. Als Kind habe ich es so geliebt, wenn Du mich mit Deinen warmen Händen gestreichelt hast. Ich bin dankbar für all die Güte und Liebe die ich von Euch erfahren durfte. Warum habe ich Dir, Euch das bloß nie früher gesagt?"

Seine Stimme bricht ab. Er versucht seine Tränen in der Stimme zu unterdrücken.

"Die Leute springen hier aus dem Fenster und der blaue Himmel strahlt so schön. Ist es dumm wenn ich sage, dass das Wetter gut ist? Wahrscheinlich sollten die letzten Worte etwas Schlaueres aussagen, als das gerade die Sonne scheint oder? Bitte verzeiht.

Was kann ich noch sagen? Ich wünsche Euch von ganzem Herzen Glück. Ich liebe Euch. Mom und Dad und Dich mein kleiner Bruder. Jetzt kann ich nicht mehr für Dich da sein um Dich ab und zu mal aus der Patsche zu holen, aber Du schaffst das natürlich auch ohne mich. Schade dass ich nicht mehr dabei sein kann. Ich hätte so gern gesehen wie Du Deinen Weg machst. Hoffentlich klappt das mit Angela. Ich glaube sie ist eine gute Frau. Leider habe ich mich damals von Rigolette getrennt. Sie wollte Kinder und ich dachte, dafür sei ich noch zu jung, ich glaubte, ich hätte noch viel Zeit. Man weiß einfach nicht was die Zukunft bringt. Nun musst Du Mom und Dad einen Enkel schenken und . . . "

Husten, seine Stimme Bricht ab.

"Der Rauch wird stärker, ich glaube es ist gleich vorbei" - TÜÜÜÜT

(1) Sure 24 Vers 36
(2) http://www.youtube.com/watch?v=ohXsdbF-7jc
(3) Die Dollar - Auktion wird in dem Buch "Die Logik der Unvernunft" von Laszlo Merö ab Seite 13 beschrieben.

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