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Eingereicht am
13. Oktober 2007

Pfui!: Orales Befriedigen!!

© Markus Kügle

Lieber Leser/ Liebe Leserin!

Wenn Du diese Kurzgeschichte jetzt nur lesen willst, weil Dir der Titel so interessant vorgekommen ist, solltest Du vorher noch ein paar Dinge wissen: Du bist eine perverse Sau! Du wirst enttäuscht!

In der folgenden Kurzgeschichte wird es nicht um "Orales Befriedigen" gehen. Da wird in keinster Weise "befriedigt" und schon gar nicht "oral"! Des Weiteren wird sich der Plot und das Thema auch nicht um Dinge drehen, die dem Titel auch nur ansatzweise gerecht werden könnten (z.B.: Blasen, Lecken, Schlucken, "Deep Throat", "Lesbische Lippenbekenntnisse", Französisch, Cumshots, usw.).

Jetzt kannst Du dich natürlich mit Recht fragen, warum der Autor seinem Werk dann so einen gänzlich unpassenden und deswegen auch so absolut bescheuerten Titel gegeben hat ...

Die Antwort ist ganz einfach: Ich wollte AUFMERKSAMKEIT erregen!

Deswegen: Wenn Du hier aufhören willst, meine Prosa zu lesen, weil Du die Ironie nicht verstanden hast und/oder Dir verarscht vorkommst, beziehungsweise doch vielleicht lieber Schweinskram lesen willst... Alles klar, ich kann Dich verstehen. Mach's gut und einen schönen Tag noch!

Wenn Du aber weiterlesen willst, dann ein herzliches "Schanke Dön" im Voraus! Ich wünsche Dir viel Spaß beim Lesen und hoffe, es gefällt Dir!

Mit freundlichen Grüßen

Markus Kügle

Dieses Schreiben wurde maschinell angefertigt und trägt darum keine Unterschrift.

UND JETZT GEHT's LOS:

Seht euch diese arme Sau da am Straßenrand an. Der Typ, der da vor der Tankstelle steht. Flasche Bier in der einen Hand. Zigarette in der anderen. Diese arme Sau bin ich. Das ist ein ziemlicher Loser, könnte man jetzt vielleicht denken... Ein abgefuckter Penner, der kein Zuhause hat und von Hartz IV. lebt. Das könnte man jetzt durchaus denken, wenn man mich so von außen sieht. Aber: Sooo schlimm ist es nun auch wieder nicht. Beurteilt ein Buch niemals nach seinem Umschlag! Denn, die Frage ist doch: Wie sieht es in mir innen drinnen aus?

Ich habe durchaus ein Zuhause. Und auch einen Job. Mein Äußeres ist momentan nur so, wie das eines abgerissenen Asozialen, weil ich die letzte Nacht auf der Straße verbracht habe. Und das ist auch sonst nicht meine Art. ("Wirklich nicht!") Anlass dafür war ein Streit, der mich regelrecht dazu gezwungen hat, auf der Straße zu nächtigen. Hab' mich halt einfach nicht getraut, nach Hause zu gehen...

ABER, MOMENT MAL! ICH FANGE AM BESTEN GANZ VON VORNE AN:

Wie eigentlich alles begonnen hat? Schuld daran war nur mein Schatzi-Mausi! Sie und nur sie allein ist für den ganzen Ärger verantwortlich! Versteht mich nicht falsch. Ich liebe meine Freundin. Mehr, als jede andere. Sie ist für mich das wichtigste, was ich habe. (Abgesehen von meiner DVD-Sammlung vielleicht ...) Aber manchmal kann es schon schwer mit ihr sein. Sehr schwer sogar.

AUF ALLE FÄLLE ...

Eines schönen Tages ist Schatzi-Mausi zu mir gekommen, hat mir tief in die Augen gesehen und gesagt: "Schnucki! Wir müssen reden!! So geht das nicht mehr weiter!!!" Fragt mich jetzt bitte nicht, warum ich von ihr so einen blöden Spitznamen gekriegt habe. Mir gefällt er überhaupt nicht, aber sie besitzt zumindest soviel Anstand, mich nicht in der Öffentlichkeit und vor anderen Leuten so zu nennen - wenigstens nicht in meiner Gegenwart. "Schnucki" bin ich nur, wenn wir zwei alleine sind.

"Die Sache mit dem Rauchen!"

"Ja?", frage ich arglos und genehmige mir einen tiefen Zug. "Was is' damit?"

"Das passt mir nicht!" Ihre Stimme duldete keinen Widerspruch. "Nicht mehr."

"Ach?" Jetzt war ich aber baff. Bei näherer Betrachtung hatte es ja irgendwann mal so kommen müssen. Die ganze Zeit hat es wohl wie ein Damoklesschwert über mir geschwebt. Mir ist es bis dato nie aufgefallen. Jetzt war es so weit. Der seidene Faden ist gerissen und das Ding ist auf mich runtergefallen. Es könnte unter Umständen damit zusammen hängen, dass wir seit Kurzem zusammen in einer Wohnung leben. Bis jetzt hat sie auf jeden Fall nichts dagegen gehabt.

ZURÜCK ZUM THEMA:

Argumente contra dem Rauchen ... Klaro! Rauchen schadet der Gesundheit! Es kann tödlich sein! Wer raucht, stirbt früher! Und zwar einen langsamen und schmerzhaften Tod!!! (Das ist zu allem Überfluss auch noch statistisch erwiesen.) Es macht sehr schnell abhängig und man sollte am besten gar nicht erst damit anfangen. Es lässt die Haut vorzeitig altern! Führt zu Durchblutungsstörungen und verursacht Impotenz. ("Das kann ich allerdings nicht bestätigen. Wirklich nicht!") Damit fügen wir uns und Menschen in unserer Umgebung Schaden zu! Ja ja ... Das wissen wir schon. Schließlich steht das inzwischen auch auf jeder Zigarettenschachtel drauf - mit einem schönen Gruß der EG-Gesundheitsminister.

Mein Schatzi-Mausi hatte im Grunde nur ein Argument. Und das war: Es stinkt ihr. Im wahrsten Sinne des Wortes. Und gegen so eine Argumentation kann man nichts mehr sagen. Nicht, wenn es von der Person kommt, die u.a. dafür zu sorgen hat, dass mein Hormonhaushalt in Ordnung gehalten wird.

Wobei ich hier noch anmerken sollte, dass sie früher auch geraucht hat. Zwar nie so viel, wie ich,... Aber ... So ist das nun mal: Die ehemaligen Raucher sind die erbittertsten Gegner von Zigaretten. Ist das Euch auch schon mal aufgefallen? Ein "Normaler Nichtraucher", also, eine Person, die noch nie im Leben gequalmt hat, ist bei dem Thema bei Weitem nicht so ... so intolerant. Ich schätze mal, das ist so, weil die "Anormalen Nichtraucher" ganz genau wissen, was ihnen entgeht, wenn sie sich keinen Blauen Dunst durch die Lunge ziehen ...

Rein hypothetisch wäre es jetzt eine Lösungsmöglichkeit, meinem Schatzi-Mausi vorzuschlagen, selbst einfach wieder mit dem Rauchen anzufangen. Dann stört sie meine Qualmerei und der damit verbundene Gestank garantiert nicht (mehr). Aber ich habe mich nicht getraut, ihr das zu sagen. Es wäre einfach taktisch unklug gewesen. Frei von jeder Art diplomatischen Geschicks ...

Also? Was tun?? Man(n) sagt Dinge, wie: "Ja, Schatzi-Mausi. Ich kann dich verstehen." Und außerdem noch: "Da hast du aber so was von Recht!" Denn, wenn man den Vesuv am Ausbruch hindern kann, dann sollte man das meiner Meinung nach auch tun. (Schatzi-Mausi kann ab und zu sehr impulsiv sein! Darum ist hier Vorsicht geboten!!) Und so kam es zu dem Hochheiligen Schwur von mir, endlich Nichtraucher zu werden und auch unendlich Nichtraucher zu bleiben. Schatzi-Mausi war darüber ganz glücklich. Und infolgedessen ich - irgendwie - auch. Beziehungsweise: Ich hatte gefälligst glücklich zu sein.

Das ist jetzt vor einer Woche gewesen. Und? Wie geht es mir? Wollt ihr eine ehrliche Antwort??

B. Schissen!! Das schlimmste ist nicht der Entzug vom Nikotin. So seltsam es auch klingen mag... Die reine Sucht nach dem Nervengift ist es nicht, die dich wahnsinnig macht, wenn du gerade eben erst aufgehört hast. Was dich beim Rauchen viel mehr entspannt ist die Beschäftigungstherapie für die Hände. Das Ritual. Deshalb funktionieren auch die Kaugummis und Nikotinpflaster aus der Apotheke nicht. Der Ablauf der Handlung ist das Entscheidende: Zigarette aus der Packung zupfen. Zwischen die Lippen klemmen. Nach einem Feuerzeug suchen. (Es ist nie da. Zumindest nicht, wenn man es braucht. Und wenn doch, dann garantiert nicht da, wo es sein soll.) Aber dann, nachdem diese Hürde genommen wurde: Anzünden. Der erste Zug. Tief inhalieren. Dann: Zigarette aus dem Mund und versuchen, die Asche bestenfalls in, oder wenigstens in die Nähe des Aschenbechers zu bringen. Das ist es (!),... unglücklicherweise für mich nicht mehr.

Ich suchte verzweifelt nach einer Lösung. Und ich fand sie. Es war im Grunde ganz einfach! Ich rauchte heimlich!! Hinter dem Rücken von Schatzi-Mausi!! Eine Zeitlang ging alles gut. Man(n) ist halt einfach länger unterwegs, wenn der Müll runtergebracht werden muss. Ein Kaugummi muss auch immer dabei sein, damit der schlechte Atem dich nicht verrät. (Ein Nikotinkaugummi! Hihi!!) Und ich hole seit neuestem jeden Morgen beim Bäcker frische Semmeln und Brezen. Das fällt mir als ausgemachtem Morgenmuffel zwar nicht sonderlich leicht, aber: Was tut man nicht alles für eine intakte Beziehung?

Allerdings muss ich Euch sagen: Sooo blöd ist mein Schatzi-Mausi nun auch wieder nicht. Nee! Sie ist sogar verdammt clever. Manchmal sogar viel zu clever für mich. Lange Rede, kurzer (Un)Sinn. Sie hat's natürlich rausgefunden. Es musste ja soweit kommen.

Ihre Reaktion darauf war nicht so gut. Nee, wirklich nicht. Sie war enttäuscht von mir. Aufs Tiefste in ihrer Ehre gekränkt und in ihrem Stolz verletzt. Was soll man da sagen? Hypothetisch gesehen wäre eine Verteidigung nach dem Motto: "Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach", wohl das Sinnvollste. Aber ich habe mich nicht getraut, ihr das zu sagen. Es wäre einfach taktisch unklug gewesen. Frei von jeder Art diplomatischen Geschicks ...

Also? Was tun? Man(n) sagt Dinge, wie: "Ja, Schatzi-Mausi. Ich kann dich verstehen." Und außerdem noch: "Da hast du aber so was von Recht! Ich bin ein schlechter Mensch." Und im Normalfall hätte mein Schatzi-Mausi mir nach so einer Ansprache auch Liebe und Verständnis entgegen bringen sollen ...

Tat sie aber nicht. Das fand ich wiederrum scheiße! Hat nicht ein weiser Mann in der Bibel mal gesagt: "Wenn ihr eure Sünden zugebt, dann sollen sie euch sofort vergeben werden?" Offenbar hat Schatzi Mausi das nicht gelesen. (Oder "Pulp Fiction" nicht gesehen ...) Na ja, wie dem auch sei ...

Sie hat mir eine Szene gemacht. Aber vom Allerfeinsten! Und dann noch eine. Und noch eine. Am Ende war es eine ausgemachte Tragödie, die sie ohne weiteres am Augsburger Stadttheater hätten spielen können. Das Drama hat begonnen mit dem ersten Akt, unter der Szenenüberschrift "Ich bin so enttäuscht von dir!". Dann hat es sich im zweiten gesteigert zu einem vorwurfsvollem "Wie konntest du nur?". Und dann einen finalen Abschluss gefunden unter der pathetischen Frage "Wie kann ich dir nur jemals wieder vertrauen?" Alles sehr theatralisch. Und nicht ohne Wirkung auf mich. Ich fühlte mich mies. Schäbig. Wie Abschaum. Das Schlechte Gewissen nagte an mir wie ein bösartiger Tumor.

Deswegen bin ich auch gegangen und habe es vorgezogen, die Nacht auswärtig zu verbringen. Allein schon die Gegenwart von Schatzi-Mausi war ein einziger Vorwurf. Erst am Morgen kehrte ich wieder zurück. Wie ein Büßer. Wie der eine Kerl da, der nach Canossa gegangen ist.

Schatzi-Mausi hat mich schon erwartet. Am Küchentisch. "Schnucki, wir müssen reden!" Das kennen wir ja bereits! Diesmal hat sie sich allerdings sehr müde und sehr traurig angehört. Es schien fast so, als wäre ich in dieser Nacht nicht der einzige gewesen, der kein Auge zugebracht hat.

"Lass' es sein!", hat sie gesagt. Gemeint hat sie das Nichtrauchen! Erschöpfte Resignation war in ihrer Stimme zu hören. "Wenn du das Rauchen nicht aufgeben kannst, dann lass' es sein." Ihrer Meinung zufolge wäre das immer noch besser, als heimlich zu rauchen. Sie steht nun mal sehr auf Ehrlichkeit in unserer Beziehung.

Tja, was soll man(n) da nur sagen? Einerseits bin ich in diesem Moment am Ziel. Ich habe es geschafft, auf Umwegen, meinen Willen durchzusetzen! Wenn das kein Grund zum Glückseligsein ist ... Ich habe Schatzi-Mausis Absolution und Segen erhalten. Ich darf mir offiziell wieder eine Kippe anstecken. Aber: Andererseits, ... Für welchen Preis habe ich das bekommen? Wir wissen ja: Nichts auf der Welt ist umsonst. (Nur der Tod, doch der kostet bei näherer Überlegung schließlich nicht weniger, als das Leben!)

Die Antwort ist einfach: Schatzi-Mausis Bild von mir hat Risse bekommen. Für sie bin ich nun nicht mehr der Mann, der ich einmal für sie war. Ich bin in ihren Augen nunmehr ein Abhängiger. Ein Süchtiger. Ein Sklave des Nikotins. Ein Stiefelknecht des Glimmstängels.

Und je mehr ich darüber nachdachte, während ich da herumstand und sie mich so furchtbar enttäuscht ansah ... Je mehr ich mir diese Tatsache bewußt machte, während sie sich abwandte und den Kopf schütttelte, umso mehr wurde mir klar, so glasklar, dass ich auf diese Weise vor meinem Schatzi-Mausi nicht dastehen wollte. Mein Ego hatte einen Knacks bekommen! Komplexe begannen, in meinem Inneren zu wuchern. Sie glaubte nicht, dass ich Manns genug bin, mit der Qualmerei aufzuhören. Sie traute es mir nicht zu. Sie hielt mich insgeheim für einen Versager!! (à So ist es doch!)

Sollte ich mich etwa hinstellen lassen, wie eine Memme? Von und vor Schatzi-Mausi?? Nee! Niemals!! Nicht mit mir!! Wie sollte ich mir jemals wieder beim Rasieren im Spiegel ins Gesicht sehen können? Wie sollte ich jemals wieder vor, auf und hinter ihr einen Ständer ausfahren können, wenn ich weiß, dass sie insgeheim denkt, dass ich es nicht bringe???

"Schatzi-Mausi!", sagte ich. Meine Stimme klang wahnsinnig nach Entschlossenheit. "Es war falsch von mir! Ich habe einen Fehler gemacht!! Gib' mir eine zweite Chance..." Sie sah mich an. Tränen standen ihr in den Augen. Es war sehr emotional.

"Nein ...", hauchte Schatzi-Mausi. Sie versuchte, meinem festen Blick auszuweichen.

"Doch!", bestimmte ich und zwang sie, mir ins Gesicht zu sehen. Schließlich sollte sie ruhig mitkriegen, wie hart und kraftvoll ich aussehen konnte, wenn ich einen wichtigen Entschluss gefasst hatte. "Diesmal werde ich es schaffen!!"

"Oh, Schnucki!!", schluchzte sie dann und fiel mir in den Arm. Schwer zu sagen, was sie damit zum Ausdruck bringen wollte. Ich hoffe mal, dass sie ganz einfach unheimlich gerührt war von meiner pathetischen Ansprache ...

KAMPF DER ELENDEN SUCHT:

Du kannst alles erreichen, was du willst. Du musst es nur wirklich wollen. So sieht die Sache aus. Mit Eiserner Willenskraft! Kampf der Sucht. Nieder mit dem Inneren Schweinehund. Und: Ich bin stolz, es sagen zu können. Ich schaffte es!!!!

Und es wäre schön gewesen, wenn ich jetzt hätte sagen können, dass die ganze Geschichte hier und an dieser Stelle HAPPY geENDet hätte. Und Schatzi-Mausi mit mir glücklich bis, ... Na ja, Ihr wisst ja: Wenn sie nicht gestorben sind und so ...

LEIDER WAR ES NICHT SO! SONDERN ANDERS ...

Die ganze Sache hatte nämlich eine unangenehme Nebenwirkung: Ich wurde nervös. Ich wurde leicht reizbar. Ich wurde, wie es mein Schatzi-Mausi ausgedrückt hatte: "Un-Aus-Steh-Lich!" Ein "ekelhafter Kotzbrocken", um noch ein Originalzitat von ihr zu verwenden. Es war mir mit einem Mal tatsächlich möglich, mich über Dinge aufzuregen, die mich bis dahin sonst nur peripher, wenn überhaupt, tangiert hatten. Mit anderen Worten: Dinge, die mir sonst aber so was von am Arsch vorbei gegangen waren, entwickeln urplötzlich einen komplett anderen, ungleich höheren Stellenwert. Beispiel gefällig? Bitte sehr:

Mein Schatzi-Mausi hat, wie viele andere Menschen auch, nun mal so ihre Angewohnheiten. Darunter sind auch ein paar dumme. Eine davon ist dieser verrückte Spleen, abends im Bett, beim Lesen von einem Buch, die Lippen zu bewegen. Sie liest quasi lautlos mit - sehr strange, wenn ihr mich fragt. Dass sie so was macht, ist mir früher nie aufgefallen. Und wohl deshalb hat es mich bis dato auch nicht gestört. Aber das gehörte nun der Vergangenheit an.

Ständig hab ich neben ihr, aus den Augenwinkeln gesehen, wie sich ihre Lippen bewegt haben. Das hat mich regelrecht wahnsinnig gemacht. Mich total abgelenkt, von dem, was ich gerade tat. Und auch wenn man bei der Lektüre der BILD-Zeitung nicht sonderlich viel Aufmerksamkeit braucht (Ich gebe es ja zu!), ein gewisses Mindestmaß sollte schon vorhanden sein. Und das war es nun mal nicht.

Worauf alles hinaus gelaufen ist, war die Frage, was man(n) da tun kann. Darüber reden? Vergesst es! Ich hab's versucht und gebracht hat's nix. Eine dumme Angewohnheit kann niemandem abgewöhnt werden. Versuch zwecklos. Ich habe es dann vorgezogen, nichts mehr zu sagen und meine BILD in der Küche zu Ende zu lesen. Das hat sie geärgert. Und schwupps hatten wir, infolge einer komplizierten Kette von verschiedensten Ursachen und Wirkungen den schönsten Streit. Zuerst wollte sie wissen, warum ich mich in letzter Zeit so komisch aufführe. Dann, als ich es ihr gesagt habe, wollte sie mir nicht glauben, dass das "der wahre Grund sein soll." Das Ende vom Lied: Sie war beleidigt und ich habe auf der Couch im Wohnzimmer genächtigt.

Ach, ja und außerdem kam mein Geruchs- und Geschmackssinn verstärkt zurück. Aber das war nicht so toll. Denn so musste ich zu meinem Entsetzen erkennen, dass mein Schatzi-Mausi, die ich bis dahin für eine gute Köchin gehalten hatte, in Wahrheit keine war. Warum? Nun, ja ... Sie ist viel zu großzügig in der Anwendung von Salz und Pfeffer beim Abschmecken der Gerichte. Und hieraus entwickelte sich dann auch schon das nächste Problem. Ein Konflikt von wahrhaft biblischen Ausmaßen. Denn: Sagt' mal einer/Eurer Frau, dass Euch ihr Essen nicht schmeckt! Wenn Ihr es noch nicht getan habt, probiert es aus. Ihr werdet unangenehm überrascht sein. Selbst der leiseste Hauch einer kleinsten Kritik ("Mein liebes Schatzi-Mausi, könnte es eventuell möglich sein, dass du ein klein wenig zuviel Salz in der Suppe hast?") kann eine Tragödie entfachen, wogegen die größten Werke Shakespeares, der reinste Dreck sind. ("WAS? Sag' mal spinnst du? Wenn's dir nicht passt, dann hol' dir was vom Onkel Döner! Das ist doch wohl die Höhe!! Ich steh' den ganzen Tag in der Küche und du kannst nur meckern. Du bist doch wohl das Allerletzte!".. usw.) Wohl deswegen ist mir eine andere weit verbreitete Nebenwirkung des Nichtrauchens (rapide Gewichtszunahme) erspart geblieben.

EIN HÖHEPUNKT UND KEINER

Negative Schwingungen in der Beziehung wirken sich zweifellos auch aufs Sexleben aus. Irgendwann war es dann soweit, dass Schatzi-Mausi hinten und vorne keine Lust mehr darauf hatte. Für mich absolut unbegreiflich und überhaupt nicht nachvollziehbar. Auf jeden Fall wurde ich dann zur Abwechslung mal so richtig sauer. Schließlich kann es ja wohl nicht sein, dass man(n) ganze zwei Wochen im Zölibat lebt, obwohl man(n) mit seiner Freundin zusammen wohnt! "Das ist seelische Grausamkeit!!", habe ich ihr erklärt. Schatzi-Mausi hat dann sehr böse und verletztende Dinge gesagt. Sowas ähnliches wie: "Du befriedigst mich einfach nicht mehr!" Und: "Sex mit einem ekelhaften Kotzbrocken, wie dir, macht mir keinen Spaß!" Außerdem noch: "Du bist "Un-Aus-Steh-Lich", da kann ich einfach nicht kommen!"

Hätte Schatzi-Mausi mir mit Anlauf in die Weichteile getreten, es hätte nicht schlimmer sein können. Ich war aufs Tiefste in meiner Ehre gekränkt und in meinem Stolz verletzt. Deshalb habe ich ihr eine Szene gemacht. Aber vom Allerfeinsten! Und dann noch eine. Und noch eine. Am Ende war es eine ausgemachte Tragödie, die sie ohne weiteres am Augsburger Stadttheater hätten spielen können. Das Drama hat begonnen mit dem ersten Akt, unter der Szenenüberschrift "Ich bin so enttäuscht von dir!". Dann hat es sich im zweiten gesteigert zu einem vorwurfsvollen "Wie kannst du nur?". Und dann einen finalen Abschluss gefunden unter der pathetischen Frage "Wie kann ich dir nur jemals wieder vertrauen?" Alles sehr theatralisch. Und nicht ohne Wirkung auf sie. Schatzi-Mausi fühlte sich mies. Schäbig. Wie Abschaum. Das Schlechte Gewissen nagte an ihr wie ein bösartiger Tumor - So ist es mir zumindest vorgekommen.

Dann nahm sie ihre Schlüssel, ihren Geldbeutel und ging ...

Für einen Moment lang dachte ich, sie wäre weg. Hätte mich verlassen. Für immer und immer. Endgültig. Unwiderruflich. Und das war der schlimmste Moment in meinem Leben. Obwohl ich schon eine Menge schlimmer Momente in meinem Leben gehabt hatte. Aber das war, mit Abstand, der schlimmste.

Dann kam sie wieder. Ich konnte es kaum glauben. Sie kam rein, knallte mir eine Schachtel Zigaretten auf den Tisch und sagte:

"Tu' mir den Gefallen und fang' wieder an zu rauchen!"

Ich sah sie vorsichtig an. Langsam griff ich nach der Schachtel, zog mir eine Zigarette heraus. Das Verlangen wurde übermenschlich. Meine Hand zitterte. Sollte ich wirklich? Schatzi-Mausi sah mir zu, nickte aufmunternd. Es konnte keinen Zweifel geben. Ich hatte ihren Segen. Die Suche nach einem Feuerzeug gestaltete sich, wie immer schwierig. (Es ist halt einfach nie da. Zumindest nicht, wenn man es braucht. Und wenn doch, dann garantiert nicht da, wo es sein soll.) Aber dann, nachdem diese Hürde genommen wurde: Anzünden. Der erste Zug. Tief inhalieren. Das ist es!

Mit einem Mal kehrte die Entspannung zurück in meinen Körper. Ich nahm den Glimmstängel aus dem Mund, drehte ihn zwischen meinen Fingern und lehnte mich zurück. Ah, Blauer Dunst. Die Welt war wieder in Ordnung!

Schatzi-Mausi setzte sich zu mir, nahm mir die Kippe aus den Mund und genehmigte sich selbst einen Zug. Danach küssten wir uns ...

Und da war er wieder: So ein Moment, in dem ich mein Schatzi-Mausi über alles auf der Welt liebte. Ganz einfach nur, weil sie so ist, wie sie eben ist ...

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