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Die Lachmaschine

© Joachim Winsmann


Haben sie sich schon einmal Gedanken darüber gemacht, was mit dieser Welt geschieht, wenn keiner mehr lachen kann? Das Lachen, so heißt es, zeichnet den Menschen vor allen anderen Wesen aus, die wir kennen. Je herzlicher ein Mensch lachen kann, desto intensiver lebt er, desto mehr ist er auch befähigt, Kummer und Schmerz in allen Dimensionen und Tiefen zu erleben. Was Wunder, wenn man um diesen besonderen Schatz der Menschheit besorgt ist. Aus diesem Grunde hat man in den USA die Lachmaschine erfunden. Diese Maschine funktioniert folgendermaßen: man kritzelt einige dumme Bilder auf Papier, schreibt ein paar freche Sprüche dazu, und vom Tonband lässt man immer dann lautes Lachen ertönen, wenn man glaubt, die Menschen, welche sich die Bilder anschauen und welche die Sprüche hören, sollten jetzt darüber lachen. Anstelle der gezeichneten Bilder, die zu sogenannten Animationsfilmen gestaltet werden, kann man auch lebendige Menschen nehmen, die solche Sprüche produzieren - dann nennt man es "Serien". In Amerika sind solche Serienfilme recht beliebt. Ihre Helden nennt man Serienhelden. Es gibt Menschen, die nichts anderes kennen, als diese Serien und deren Helden. Man könnte diese Menschen für Wesen aus einer anderen Welt halten, weil sie eine Fähigkeit besitzen, die sich ein Mitteleuropäer kaum vorstellen kann: Sie können ganze Tage und Wochen vor dem Fernsehapparat verbringen, dabei Unmengen an Chips und Fastfood verschlingen, ohne aggressiv zu werden. Dass es sich dabei um Menschen handelt, erkennt man nur daran, dass sie ab und an laut lachen - immer dann, wenn vom Band des Filmes jenes monotone Lachen ertönt, an das diese menschlichen Wesen gewöhnt sind.
Ich glaube, sie lieben dieses Lachen vom Band, denn es sagt ihnen: "Solange ihr dort sitzt und fresst, solange seid ihr Menschen, denn höret doch - ihr könnt noch lachen...Ha-ha-ha-haaaa!"
In Deutschland liebt man alles, was aus Amerika kommt. Auch ich habe vieles geliebt, was aus den Staaten kam: Micky Maus, Kaugummi und Rock'n Roll, den Kampf der dunkelhäutigen Rasse um ihre Gleichberechtigung, die Bill of Rights, Woodstock und Ernest Hemingway. Als meine Kinder anfingen, sich für Amerika zu erwärmen, hatte ich nichts dagegen. Ich freute mich schon darauf, wie sie sich ähnlich für Dinge und Themen begeistern, die auch ich in meiner Kindheit und Jugend geliebt habe.
Dann habe ich meine Kinder für einen Moment aus den Augen verloren, und neulich, als wir uns wieder trafen, war ich schockiert: meine Kinder saßen vor dem Fernseher, aßen Chips und bestellten sich per Telefon Fastfood, während sie auf die Kiste schauten und darauf warteten, dass die Lachmaschine ihnen den Befehl zum ablachen gibt. Sie reagierten wie gut geschmierte Automaten. Ja, sie hatten etwas programmiertes, etwas roboterhaftes an sich. Können sie sich meinen Schreck vorstellen? Na! Ich schaltete natürlich sofort auf einen anderen Sender und freute mich, als eine alte Sendung mit Emil Steinberger kam. Das war doch auch sehr lustig. Meine Kinder fanden das aber nicht. Sie hockten nur da, als hätte man ihnen den Strom abgestellt und fanden Emils Pointen überhaupt nicht lustig. Ich war entsetzt!
Meine Kinder konnten nicht mehr lachen! Sie waren plötzlich keine Menschen mehr. Oh, je!
Was habe ich da in die Welt gesetzt? Sind das die Protagonisten einer programmierten Welt - oder sind sie abgestumpfte Wesen, die zu keinen menschlichen Empfindungen fähig sind? Ich hatte Angst davor, die Wahrheit zu erfahren. Aber ich konnte sie auch nicht ewig so stumm vor ihren Chips sitzen lassen. Deshalb gab ich es auf und schaltete wieder die Animation mit der Lachmaschine ein. Und siehe da: meine Kinder bekamen wieder Appetit und "lachten!"
Freilich, sie lachten nicht aus sich heraus - immer nur dann, wenn das Lachen vom Band kam - aber sie lachten wenigstens wieder. Und das ist doch schließlich die Hauptsache - oder?


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Eingereicht am 08. Juli 2006.
Herzlichen Dank an die Autorin / den Autor.
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