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Ronald Henss: Doppelgänger

Ronald Henss
Doppelgänger
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Kurzkrimi um zwei Schriftsteller, Doppelgänger und eine geheimnisvolle Domina ...

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Eingereicht am
20. September 2007

Der Latte Macchiato, die Schläger und ich

© Karsten Gebhardt

Ich saß in dem Café, unweit vom Markt. Eine Terrasse, voll mit Gästen an den Tischen.

Die Sonnenstrahlen blendeten, doch ich hielt tapfer durch. Ohne Sonnenbrille.

Erste Reihe, rechts. Der beste Tisch, um den mich alle beneideten.

Ja, heute war mein Glückstag und ich der Auserwählte. Eine Art Lottogewinn, den ich auskostete mit der simplen Bestellung eines Latte macchiato. Später noch einen. Dass billigste Getränk hier. Das Einzige, das ich mir leisten konnte.

Ein Genießer, mochten sie denken, die an meinem Tisch vorbeiflanierten. Neidische Blicke, verborgen unter modernen Hüten und hinter Sonnenbrillen, so cool, dass es mich fröstelte.

Mit finsteren Blicken verteilte ich denen Absagen, die an meinen Tisch drängten.

Drei freie Sitzplätze. Das lud freilich ein.

Doch ich wollte keine Gesellschaft. Keine geschwätzigen Hutdamen und keine Jungfamilien mit kindlichem Spross. Ganz allein genießen, das war mein Sinn. Der Tisch, meine Hall of Fame, in deren Zenit ich stand.

Dann verdunkelte sich das Licht. Schatten gierten nach meinem Rang. Dunkle Silhouetten, die mir den Spaß vergällten. Die Sorte von Mensch, die ich für gewöhnlich mied.

Ein Tätowierter mit gestählten Muskeln, die Haare final rasiert. Ohrringe, die klirrend aneinander schlugen mit Motiven aus Edelstahl. Totenköpfe und Waffenminiaturen, die im Sonnenschein blitzten. Bedrohlich wie der Blick des Halters. Ein Dampfer, der Treibgut mit sich schleppte. Zwei Mal Abschaum, genauso anzusehen wie der Erste. Alphamenschen mit Anspruch auf die freien Plätze.

Ich akzeptierte mit Ignoranz. Lässiges Wegschauen, obwohl ich bibberte vor Angst.

Sie fläzten, als gehöre ihnen der Tisch. Ich war nicht dagegen, duckte mich hinter meinem Latte macchiato, Bastion der Sicherheit, und glänzte mit Unauffälligkeit. Mein blasses Gesicht passte. Ein Freund hatte mal gesagt, dass es ihm deuchte, man hätte bei meiner Schöpfung die Farbe vergessen.

Der Anführer rülpste, laut und vernehmlich. Reviermarkierung oder Drohung? Ich sank in mich zusammen mit dem Wunsch, so grau wie die Wand des Cafés hinter mir zu sein. Oder unsichtbar. Das wäre die beste Lösung.

Solche Typen waren mir bekannt. Stänkerfritze, die auf irgendeine Bewegung hofften, um zuzuschlagen.

Ich wollte nicht das Opfer sein, nippte an meinem Caféglas, als wäre es der Heilige Gral mit dem Wasser, das unsterblich machte.

Solche schlügen sofort zu, schon bei geringster Gefahr. Lauerten ja nur darauf, dass etwas geschah.

Mit denen wollte ich nichts zu tun haben. Sollten sie sich doch ein anderes Opfer suchen. Ich würde kein Ziel bieten. Mein Aussehen sollte nicht inspirieren. Zu gern vergrüben sie ihre Fäuste in meinem unscheinbaren Leib, meinem Gesicht, bis ich blutverschmiert vor ihnen läge. Kanonenfutter für den Frust.

Nein, ganz still verhielt ich mich. Unauffällig und ohne Anlass für Gewalt.

Vielleicht könnte aber genau das der Auslöser sein? Mein Nichtstun eventuell als Arroganz bewertet? Denken vielleicht, dass ich meine, was Besseres zu sein?

Wieso war ich überhaupt in dieses beknackte Café gegangen? Ein Idiot auf dem besten Platz, das könnte freilich wütend machen.

Ich musste weg hier, raus aus der Gefahrenzone, bevor Schlimmes geschähe.

Mit kurzen Blicken streifte ich die drei Kerle. Der Moment war günstig. Alle schauten sie nach einem zarten Teen, dessen Kleid zu kurz oder die Beine zu lang waren.

Jetzt.

Hastig sprang ich hoch, verhakte mich unglücklich an dem Rundtisch. Im Stoß fiel mein Latte macchiato um. Die braune Soße ergoss sich über den Oberschenkel des Anführers, tropfte auf die Schuhe des Kumpels zu seiner Rechten.

Der Schreck lähmte mich und der Griff nach dem Glas war zu unsicher. Es rutschte nur weg, bekam Schwung, bevor es in hohem Bogen gegen den Kopf des Kumpels zur Linken knallte.

Ich rutschte aus, suchte im Fall Halt am Tisch, riss ihn um, so dass die Kante gegen das Kinn des Anführers knallte. Dann lag ich auf dem Boden. Der Sturz zu gering, um tödlich zu sein.

Das würden sie erledigen.

Drei Augenpaare starrten mich an, in denen ich Mordlust sah. Hier gab es nichts mehr zu entschuldigen. Vorbei, alles.

Man soll gehen, wenn es am schönsten ist. Gut, ich war noch Jungfrau, kannte das Schönste vielleicht noch nicht ...

Sie standen auf, schüttelten sich und rieben ihre Blessuren, putschten sich hoch mit Zornesröte im Gesicht, schüttelten ihre Gliedmaßen, wohl um sich zu erwärmen. Von unten gesehen sahen sie riesig aus. Chancenlos.

Anderthalb Meter vielleicht, die mich vom Schafott trennten.

Mit zwei Schritten waren sie bei mir, beugten sich herunter. Hände wie Hämmer, die nach mir griffen. Ein Gefühl wie Kettenkarussell, der Schwung, mit dem sie mich hochrissen, bis ich wieder auf den Füßen stand.

Adé, du herrliches Leben.

"Mann, hast du dich verletzt?"

"So ein Pech aber auch."

"Ey, was da hätte passieren können."

"Hast du noch mal Schwein gehabt."

"Der schöne Latte macchiato."

Vorsichtig klopften sie meine Hose ab, stellten den Tisch auf und entschuldigten mich bei den Nachbarn.

Ich konnte es nicht fassen. Die grausame Fassade nur eine Farce? Sie brachen ein Tabu, ohne es anscheinend zu wissen. Grausam sollten sie sein und keine Lämmer. Was für ein Mummenschanz.

Verächtlich wandte ich mich ab. Weicheier, alle miteinander. Zum Glück.

Dann tippte es sachte auf meiner Schulter.

Im Herumdrehen traf mich der erste Hieb.

"Hast wohl gedacht, dass wir Weicheier sind, was?"

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