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Eingereicht am
17. April 2007

Knut will das nicht!

© Björn Breitkreuz

Knut. Überall Knut. Knut, the almighty.

Und jeder mag Knut. Es ist unmöglich, Knut nicht in irgendeiner Weise zu begegnen.

Jeden Tag versorgen die Medien den Knut-geilen taff-/, SAM/- oder Explosivzuschauer mit den neuesten gefühlten Werten des kleinen Pelztieres. Akribisch wird über Knuts' Verfassung, sein Mittagessen, Menge, Form und Aussehen seiner Exkremente sowie Spekulationen über die mittlerweile notwendige Applikation von Beruhigungsmitteln bei dem kleinen Landraubtier informiert.

Aber Knut will das nicht.

Sogar über seinen Tierpfleger, dem sogar eine Vaterrolle seines Schützlings angehängt wird, und sich durch seine tierliebe Art bei den Damen größter Bewunderung und möglichen Heirats- und Begattungsnachfragen erfreuen kann, erfährt der entzückte Couchpotato alles.

Den Berliner Zoo erfreut das Alles natürlich sehr. Rekordverdächtige Besucherzahlen spülen reichlich Euros in die Kassen rein. Regelmäßige Berichterstattungen von Zooangestellten vor den laufenden Kameras fast aller TV- Sender über Knuts' Gemütszustand werden bald zusammen mit den Börsenwerten als ständiger Nachrichtenticker bei N24 und EURONEWS laufen

-- CNN überlegt noch. Über die Schaltung einer 24 Stunden- Live- Webcam zu Knuts' Behausung auf Pay-TV wird bereits verhandelt.

Aber Knut will das nicht.

Plüsch- Knuts, T-Shirts, Handyklingeltöne mit original Knut- Bäuerchen,

Bravo- Starschnitte bereichern findige Geschäftemacher. Werdende Eltern wollen ihren Nachwuchs Knut taufen. Erste Prozesse über die rechtliche Schützung des Namens Knut laufen bereits.

Nachfragen des PLAYBOY über eine Fotosession mit Knut, der von einer lasziven Heidi 'Sucht den nächsten Super- Eisbären' - Klum erotisch

Yoghurt- Gums zwischen ihren Zehen herausnascht, wird wegen moralischer Bedenken erst einmal ebenfalls rechtlich geprüft.

Aber Knut will das nicht.

Knut erfreut sich größter Beliebtheit. Er wird bestens versorgt, und alle Welt zeigt Interesse an dem Eisbär. Das Ausland schickt Reporter und Fotografen in den Berliner Zoo. Politiker übernehmen Knut- Patenschaften. Knut- Mania überall.

Aber Knut will das nicht.

Vorbei sind die trüben Gedanken an seinen traurigen Start in dieses glamouröse Leben, als seine Eisbärenmama ihn nicht haben wollte. Vorbei die Diskussionen über das Einschläfern des kleinen Räubers. Und das ist auch gut so. Denn sonst wäre Knut jetzt tot, und vielen Leuten wäre mit dieser Entscheidung ein Batzen Geld durch die Lappen gegangen.

Doch hat irgendjemand mal Knut gefragt, was er von dem ganzen Spektakel hält? Nein! Anwaltlichen Beistand hat man ihm versagt. Er ist nur ein kleiner Eisbär ohne Rechte, auf Gedeih und Verderb seinen Förderern, Fans und den Feuilletons der Zeitungen ausgeliefert. Damit ist Knut überhaupt nicht einverstanden. Und der Schein trügt, wenn man meint, dass der Bär ständig ein beinah schon menschliches Lächeln verstrahlt.

Ein Insider berichtete über regelmäßige Botox-Behandlungen bei dem Tier, damit Knut stets frohgelaunt und lieb und herzig aussieht.

Aber Knut will das nicht.

Vor einigen Tagen konnte Knut zwei Kameramänner belauschen.

Sie scherzten darüber, dass KNUT die Abkürzung für *K*apitaler *N*iedlicher *U*nnützer *T*augenichts wäre. Sie lachten hämisch. Knut ärgerte sich gewaltig, und wünschte den beiden die Pest an den Hals.

Seit diesem Vorfall hat Knut absolut kein Interesse mehr an dem ganzen Rummel um seine Person. Er war doch mehr, als das, oder? Er hat nie darum gebeten Liebling der Menschen zu werden. Anfangs war es ja auch ganz nett, aber jetzt... die anderen Zootiere meiden den Kontakt zu ihm- ja sie verachten ihn, weil er der Liebling der Besucher ist.

Außerdem- was soll aus ihm werden, wenn er größer wird? Dann hat niemand mehr Interesse an ihm. Er würde wie all die anderen Tiere hier einsam vor sich hin vegetieren. Und irgendwann würde man ihm aus Mitleid und Verzweiflung ein völlig fremdes Eisbären- Weibchen in sein Gehege bringen. So läuft das bei den Pandabären auch. Und weil sie nur in Gefangenschaft leben, wissen sie dann nicht, was sie miteinander anstellen sollen. All das nur, weil man Knut hier nun humanisiert.

Aber Knut will das nicht.

Am liebsten möchte Knut in der so genannten Natur, der Wildnis leben. Am Polar. Er weiß zwar nicht so richtig, wie es da ist, aber es muss besser sein als hier.

Neulich hörte er aus dem tragbaren Radio des Tierpflegers, der Knuts' Gehege säuberte, das Lied "Eisbär" von der Gruppe Grauzone. Das gefiel Knut. Auch er möchte ein Eisbär sein am kalten Polar. Ja- das würde ihm gefallen. Aber mit seiner Vorgeschichte würde daraus nichts werden. Wie sollte er auch vom Berliner Zoo an den Polar gelangen? Er könnte sich nicht einmal ein One- Way -- Ticket kaufen. Er hat nicht einen Cent aus den Einnahmen der Zoobesucher, der Fotos und dem Merchandising gesehen.

Nicht mal ein Sparbuch hatte man für ihn angelegt.

Doch Knut hat einen perfiden Plan.

Nachdem, was er so gehört hat, soll er als Attraktion beim G8- Treffen in Heiligendamm gezeigt werden. Das ist seine Chance. Wenn all die Mächtigen den süßen Eisbären streicheln und sich mit ihm ablichten lassen, um sich mit diesen Bildern Stimmen für die nächsten Wahlen zu sichern, wird Knut dann endlich seine Raubtier- Instinkte einsetzen. Er wird George W. Bush auffressen. Das ist natürlich eine gewagte Aktion, aber Knut vertraut auf die Unterstützung der G8- Gegner, der Tierschützer und der Bush- Hasser. Alle zusammen bilden eine ziemlich große Lobby. Sie würden nicht zulassen, dass man Knut erschießt. (Im Fall von George W. Bush würde man ihn sogar frenetisch feiern.) Er würde nicht so schäbig verrecken wie Kollege Bruno bei den Bajuwaren. Dann wird man ihn wahrscheinlich erst mal wieder hinter Gitter bringen und wieder würden Diskussionen um das weitere Schicksal des Bären entbrennen. Wieder hätten die Medien wochenlang Stoff für neue Berichte a'la ?Wie konnte aus dem süßen Knuddelbären so eine Bestie werden?' und ähnliche boulevardeske Reißer in dieser Richtung. Wieder wird es Stimmen geben, die den Tod eines solchen wilden Tieres fordern. Aber Knut werden auch Fürsprecher zur Seite stehen, die sein Verhalten als natürliche Instinkthandlung erklären.

Dann, wenn etwas Gras über die Sache gewachsen ist, werden- so sieht es Knuts' Plan vor- die Leute von PETA sich für seine Begnadigung einsetzten. Natürlich nicht ohne einen gewissen Eigennutz. Man wird Fotoshootings für PETA- Kampagnen mit ihm veranstalten. Und mit etwas Glück geht es ihm Rahmen einer solchen Kampagne zu Außenaufnahmen in die Arktis. Dort angekommen, wird sich Knut dann heimlich nachts aus dem Staub machen.

Dann ist der Knut dort, wo er hingehört: In der Natur!

Dort wird er dann so leben können, wie der von Grauzone besungene Eisbär im kalten Polar.

DAS will Knut !

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