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Eingereicht am
24. Februar 2007

Sie sucht Er

© Angelina de Satura

Es war kurz vor Heiligabend. Irgendwie bin ich mir sehr einsam vorgekommen. Vereinzelt prächtig geschmückte Häuser. Geruch von Zimt in der Bäckerei. Weihnachtslieder, die nervtötend durch Medien und Geschäfte liefen. Egal was oder wer daran schuld war. Ich wollte einen Partner! Um sicher zu sein, dass mein Traummann sich auch angesprochen fühlt, gab ich folgende Annonce auf:

Suche Kumpel, Vater mit Kind, Liebhaber für ein gemeinsames Stück Lebensweg. Biete Freundschaft. Mutter, Französin 45J. 1,62 55kg Dunkelblond, blaue Augen. Heirat oder zusammenwohnen ausgeschlossen!

Es kamen sagenhafte 24 Briefe mit der Post. Nachdem einige sortiert werden mussten, darunter ein Stapel Werbung von Partnervermittlungen plus Heiratsinstituten, blieb nur ein einziger Brief übrig.

Treffpunkt bestimmte ich in einer weit entfernten Bahnhofskneipe aus zwei wohl überlegten Gründen.

Erstens: Ich gelte in meinem Dorf als eingefleischte Junggesellin, möchte diesen Ruf nicht verlieren.

Zweitens: Sollte es für Mann gut zu finden sein, da Mann sich niemals nach dem Weg erkundigt.

Ich bestellte einen Kaffee und schaute erwartungsvoll aus dem Fenster. Wenig später kam ein rotes Auto an. Ein älterer Herr mit lustigem Gesicht stieg endlich aus, nachdem er mühevoll nahe der Eingangstür zu parken versuchte. Er trat ein und fragte eine am Tisch sitzende Dame mit fettigem blondiertem Haar: "Bist du es?" Die Frau hob ihren Kopf, sah ihn an, nickte. Er begrüßte sie und setzte sich hin. Plötzlich verließ dieser Herr der Schöpfung seinen Platz, schien verzweifelt nach was zu suchen. Als ich begriff, was passiert war, gab es kein Entkommen mehr. Da stand er vor mir, mit leeren Händen und gefüllte Glatze. Er freute sich sichtlich, unser Erkennungszeichen zu sehen, rief peinlich laut: "Ich habe zehn Jahre auf dich gewartet, endlich bist du da! Oh, du rauchst? Das gewöhne ich dir ab!"

Mittlerweile habe ich zwei Heiligabende solo verbracht, ist gar nicht so schlimm!

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