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Eingereicht am
24. Februar 2007

Hat wirklich jeder Topf seinen Deckel?

© Angelina de Satura

Auf der Suche nach dem Richtigen, habe ich ein paar seltsame Exemplare entdeckt. Nehmen wir meinen einzigen Angetrauten als Beispiel. Er wuchs in einem sehr anständigen Elternhaus auf. Das ganze Leben meiner Schwiegermutter richtete sich nach ihrem Ehemann. Er bestand auf festgesetzte Essenzeiten, alle Mahlzeiten selbstverständlich frisch gekocht.

Er sprach, sie gehorchte - oder treffender, ließ ihn in diesem Glauben.

Sein Leibgericht war Linsensuppe, weil sie besser schmecke als bei Mutter. In Wirklichkeit war es ein Fertiggericht, dessen Inhalt sie raffiniert verfeinerte. Der selbstgebackene Sonntagskuchen wurde meistens heimlich gekauft. Sie war so perfekt, dass ihr Mann verzweifelt nach Fehlern suchen musste, um mal auf den Tisch hauen zu können. Wie das eine Mal, als er seine bessere Hälfte heftig rügte weil sie Salzkartoffeln in zu großen Stücken servierte. Diese Lebenslustige und sehr liebe Frau - Gott hat sie selig - hatte nur einen Ziel und zwar, wie sie es nannte, auf der Schnörr zu gehen, Dialekt-Ausdruck für Ausgehen. In ihrem Fall mit Freundinnen etwas zu unternehmen. Das durfte sie, vorausgesetzt, sie erledigte zuvor ihren Abwasch. Die vier Männer im Haushalt waren auf keinen Fall dafür zuständig. Also sammelte die gute Seele das unreine Geschirr und versteckte es für eine Weile unter der Spüle. Schaute im Spiegel nach der Frisur, die übrigens zu jeder Tag- und Nachtzeit gepflegt aussah, malte ihre immer lächelnden Lippen rot an - und fort war sie. Der Göttergatte traf sich mit seinen Rentnerkameraden zu täglichen Spaziergängen und war zufrieden, ein Mann zu sein.

Ich heiratete ihren zweitgeborenen Sohn, der knapp zehn Jahre älter war.

Er setzte natürlich auf Tradition, sobald ich seinen Namen trug und verlangte Unmögliches, bis ich mich entschloss zu rebellieren. Immerhin bin ich in den 60iger Jahren geboren, damals wurden symbolisch BHs verbrannt!

Meine Seelenfreundinnen gaben einst einem Wort, das bis heute von der Männerwelt verpönt wird, eine sehr große Bedeutung: EMANZIPATION!

Wir sind jetzt fast zwanzig Jahre glücklich geschieden.

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