Haarige Geschichten
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Dieser Text ist urheberrechtlich geschützt. Nachdruck und Vervielfältigungen, auch auszugsweise, bedürfen der schriftlichen Zustimmung des Autors.

Purpurne Stunden

© Greta Schnall

Der Raum befand sich im hinteren Bereich seines Ladens. Dieser beherbergte ein kleines, jedoch in einer Großstadt wie dieser florierendes Geschäft, mit dem er sich seinen bescheidenen Lebensunterhalt recht gut finanzierte.

Es war ein Zimmer ganz in purpurn gehalten mit duftigen transparenten Vorhängen, welche die grauen Rollladen verdeckten, einem flauschigen, purpurn gemusterten Teppich, und Wänden, bespannt mit purpurfarbenem Samt. Purpurrot war seine Lieblingsfarbe. Dass hier einst Lagerbestände untergebracht gewesen waren, konnte man kaum noch erahnen.

Jenes kleine Refugium besuchte er zwar regelmäßig zu bestimmten Gelegenheiten, aber nicht täglich. Es musste sich einfach ergeben. Sein Alltag spielte sich vorn im Laden ab. So auch heute.

Das silberne Glöckchen an der Eingangstür klingelte leise und im selben Augenblick betrat eine junge Frau das Geschäft.

Sie war sehr attraktiv und bewegte sich in ebensolcher Weise. Groß und etwas vollschlank, mit roter schulterlanger Haarmähne hatte sie eine gewisse Ähnlichkeit mit Sophia Loren. Mit einer geschmeidigen Bewegung schloss sie die Tür hinter sich.

Jedoch trat sie für eine Kundin etwas zu zögerlich an den Verkaufstresen. Mit leiser, aber wohlklingender Stimme sprach sie ihn an.

Nach einer knappen Vorstellung, kam sie auf ihr Anliegen zu sprechen, und das war, wie er richtig vermutete, nicht der Wunsch nach seinen Waren.

Sie hätte die Anzeige gelesen und wäre an dem Job als Fachverkäuferin interessiert, sagte sie. Ihre Bewerbungsunterlagen habe sie natürlich dabei und deutete auf ihre große Umhängetasche.

Im ersten Moment war er überrascht, denn er hatte nicht mehr geglaubt, dass sich eine Woche nach Erscheinen der Anzeige noch jemand melden würde. Er hatte bereits über andere Maßnahmen nachgedacht …

Er mutmaßte, dass die junge Dame bereits mehrere Bewerbungen hinter sich hatte, denn ihr Blick drückte unterschwellig Verzweiflung aus. "Gar nicht schlecht", dachte er.

Also reichte er ihr väterlich lächelnd die Hand und stellte sich ebenfalls vor. Dann bat er sie, während er rasch das "Geöffnet"-Schild und den Schlüssel der Ladentür umdrehte, zu einem Gespräch in sein "Büro" …

Als er sie dann dort aufforderte, Platz zu nehmen, amüsierte ihn der erstaunte, beinahe ängstliche Ausdruck in ihren Augen. Sie nahm sich merklich zusammen und begann, ihm die Gründe aufzuzählen, warum sie den Job wollte. Danach schilderte sie ihm ihren Ausbildungsweg. Demnach war sie heillos überqualifiziert. Diese Tatsache war jedoch für ihn (und anscheinend auch für sie) vollkommen unwichtig.

Hin und wieder warf er die eine oder andere Bemerkung ein. Mit leicht fahrigen Bewegungen breitete sie ihre Unterlagen auf dem Schreibtisch, der zwischen ihnen stand, aus.

Nachdem er anstandshalber einen Blick darauf geworfen und zustimmend genickt hatte, bot er ihr Kaffee an.

"Sie hat wundervolles Haar ...", dachte er sehnsüchtig, als er an ihr vorbeiging und in seinen Fingern begann es zu jucken. "Dieses Rot, es leuchtete auf eine bestimmte Art, ja, es leuchtete beinahe purpurrot!"

Widerstrebend wandte er sich von ihr ab und konzentrierte sich auf die Zubereitung des Getränkes.

Sie hielt ihre Tasse elegant, trank mit großen, optimistischen Schlucken und wartete offensichtlich auf eine Stellungnahme bezüglich ihrer Papiere.

Er beobachtete sie mit heimlichen Vergnügen, weidete sich ein wenig an den Vertuschungsversuchen ihrer Unsicherheit. Leider würde es nicht mehr sehr lange dauern …

Plötzlich bemerkte er, wie ihre Augen einen glasigen Glanz annahmen. Fast schien es, als würde auch sie ihn begehrlich ansehen. Dann beugte sie sich vor und er konnte in ihren kleinen Blusenausschnitt spähen.

Zwei etwas zu große, aber deswegen nicht weniger erotische Halbkugeln lugten daraus hervor. Sofort fühlte er ein angenehmes Ziehen in seinen Lenden … Doch auch dieser Anblick war für ihn jetzt nicht wirklich relevant.

Sie deutete auf ihre Tasse. "War das "Beruhigungs-Kaffee", oder haben Sie Valium hineingekippt, ich fühle mich jetzt ein bisschen zu entspannt", fragte sie ihn mit angestrengtem Lächeln und bereits leicht müder Zunge.

Er gab einen erstaunten Laut von sich. "Nicht, dass ich wüsste", verteidigte er sich. "Nun reden wir mal über Ihre Arbeitszeiten und das Gehalt", gab er ihr scheinbar aufmunternd ein Stichwort.

Sie stimmte mit schwacher Begeisterung zu.

Eine Minute später stöhnte sie leise und fasste sich an die Stirn. Dann ließ sie ihren Kopf auf die Rückenlehne des Stuhls sinken und schloss die Augen.

In diesem Moment stieg heftige Vorfreude in ihm auf. Das ging ja reibungsloser als gedacht! Außerdem verführte ihre Körperhaltung ihn geradewegs zu seinem Vorhaben.

Auf seiner Oberlippe bildeten sich kleine Schweißperlen. Die Erregung ließ ihn erschauern. Jetzt musste es schnell gehen …

Seinen Bürostuhl vorsichtig zurückrollend stand er auf. Doch er hätte sich nicht so verhalten bewegen müssen, denn schon vernahm er tiefe Atmengeräusche aus ihrem leicht geöffneten Mund. Sie war trotzdem noch schön.

Nun stand er direkt hinter ihr.

Unter der weißen Haut konnte er die stetig pochende Halsschlagader erkennen. Sein Blick wurde wieder von ihrem auffallenden Kopfschmuck angezogen. Wie eine Kaskade rotgoldener Lava umschmeichelte das Haar den Nacken und fiel an der Rückenlehne des Stuhls herab.

Er bückte sich und roch daran, ließ eine glänzende Strähne durch seine Finger gleiten … Die Halsschlagader, nun direkt vor seinen Augen, pochte schneller. Ihre Augenlider flatterten leicht.

Panik erfasste ihn. War die Dosis der K.O.-Tropfen doch zu niedrig gewesen?

Nein, im nächsten Augenblick fiel ihr Kopf zur Seite und sie atmete wieder flacher.

Bis jetzt war alles in Ordnung.

Er tastete seine Hose ab. An der einen Seite fühlte er plötzlich kaltes Metall unter dem rauen Stoff.

Ja, er hatte sich auf das nun kommende Geschehen vorbereitet - bereits als er sie durchs Fenster gesehen hatte.

Mit schweißnassen Fingern zog er behutsam das vertraute Instrument aus der Hosentasche. Seine andere Hand drückte er auf ihre Stirn und somit den Kopf noch weiter nach hinten. Ihre Kehle streckte sich ihm nun regelrecht entgegen.

Doch die Kehle interessierte ihn nicht.

Mit geübtem Griff packte er ihre Haarmähne und versenkte genüsslich seufzend die scharfen Klingen der Schere in die rote Pracht.

Es waren einige kräftige Schnitte nötig, um die dicken Strähnen abzutrennen.

Mit einem tiefen Stöhnen, als habe er sich gerade in den Leib einer Frau ergossen (er war heterosexuell) vollendete er sein Werk.

Danach verstaute er seinen Schatz liebevoll in einem Plastikbeutel und legte diesen bis zu einem geeigneten Zeitpunkt in das Schließfach seines Schreibtisches.

Das immer noch weggetretene Mädchen packte er unter den Schultern, hievte es vom Stuhl herunter und schleifte es zur Hintertür.

Auf der anderen Seite der Tür begann praktischerweise der Stadtpark. Ächzend ließ er die junge Frau ins Gras sinken. Dann holte er ihre Tasche und legte sie daneben. Im nicht mehr allzu fernen Winter würde er sich wieder eine andere Möglichkeit überlegen müssen.

Doch momentan war alles noch ziemlich unkompliziert.

Wenn sie später inmitten der Gänseblümchen aufwachte, würde sie sich an die vergangenen Stunden nicht mehr erinnern können.

Erleichtert wandte er sich um und ging wieder ins Haus. Nachdem er sorgfältig beide Türen des purpurnen Zimmers verschlossen hatte, kehrte er in den Verkaufsraum zurück.

Zufrieden betrachtete er die großen Regale mit den wenigen noch leeren Plätzen darin. Dann drehte er das "Geschlossen"-Schild und den Schlüssel an der Eingangstür wieder herum.

Schließlich setzte er sich auf den Stuhl hinter dem Verkaufstresen seines gut sortierten Perückengeschäftes und wartete entspannt auf den nächsten Besucher.

Dieser Text ist urheberrechtlich geschützt. Nachdruck und Vervielfältigungen, auch auszugsweise, bedürfen der schriftlichen Zustimmung des Autors.

Eingereicht am
02. März 2008

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Ein haariges Lesevergnügen


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