Haarige Geschichten
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Abenteuer im Frisiersalon

Abenteuer im Frisiersalon
Hrsg. Ronald Henss
Dr. Ronald Henss Verlag
ISBN 978-3-9809336-0-5

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Dieser Text ist urheberrechtlich geschützt. Nachdruck und Vervielfältigungen, auch auszugsweise, bedürfen der schriftlichen Zustimmung des Autors.

Der Gutschein

© Anna Müller

Für meine Mama habe ich neulich einen Gutschein bei "ihrem" Friseur besorgt. Die nette Friseurin "Chantal", Mitte 20, todschick schwarz gefärbte Haare mit pinkfarbenen Farbklecksen, bat mich, in einer halben Stunde wieder zu kommen, sie müsse sich erst schlau machen, wie das mit den Gutscheinen denn funktioniere.

Nach der halben Stunde erschien ich wieder und Chantal wusste nun, wie man einen Gutschein ausstellt. Das vorgefertigte, bunte, wunderschöne Hochglanzgutscheinblatt wird mit dem Namen ausgefüllt, gefaltet und dann in einen Umschlag gesteckt, der bezahlte Betrag wird im Computer mit dem Namen gespeichert.

Mit viel Liebe zum Detail und dem Satz "leider habe ich keine sehr schöne Schrift aber dafür wird es schon gehen" schrieb sie den Geldbetrag in ca. 5 cm Größe auf den Gutschein, so sicher gut sichtbar auch für meine 85jährige Mama.

Aufgrund meiner Frage, ob da nicht der NAME hin sollte und es sähe doch ein wenig unschön aus, wenn da der Geldbetrag auf dem "Geschenk" so groß leuchte statt dem Namen, schlug sie sich wissend an die Stirn, natürlich, "Sie haben vollkommen Recht". Der Gutschein wurde zerrissen und entsorgt.

Chantal stöckelt auf ihren mindestens 10cm Highheels hinter einen Vorhang und erscheint sofort wieder freudestrahlend mit einer neuen Gutscheinvorlage und beschriftet sie nun mit dem Namen meiner Mama. Auf meinen dezenten Hinweis, dass der Name falsch geschrieben wurde (4 Buchstaben waren die Vorgabe), verglich sie das noch mal gewissenhaft mit den Unterlagen im PC.

Kichernd gab sie mir recht, das müssen wir (wir!!!) noch mal machen. Chantal stöckelt wieder hinter den Vorhang, auch von hinten ein hübsches Mädel, der kurze Pulli über der tiefsitzenden hautengen Hüftjeans lässt den Blick auf ihr Arschgeweihtattoo zu, lauter Sternchen in vielen verschiedenen Größen ... richtig schick ...

WIR basteln an unserem 3. Gutschein, Chantal schreibt den Namen richtig, auch Waschen und Legen passt, allerdings würde ich "Haarkuhr" ohne h schreiben. Wir einigen uns auf einen weiteren Versuch und es reicht ja auch vollkommen, wenn nur der Name meiner Mama drauf steht, der Rest ist sowieso im PC gespeichert. Ich bin erleichtert, gleich habe ich den Gutschein.

Da Chantal nicht so schön schreiben kann, schreibt sie den Namen nun mit Bleistift vor und fährt ihn mit einem schwarzen Filzstift nach. Ich wollte nicht kleinlich wirken und biss mir auf die Zunge (wer mich kennt weiß, welch äußerst ähm verständnisvoller und geduldiger Mensch ich bin), als ich sah, dass sie nach dem Radiergummi griff. Als sie mit dem Radiergummi die Bleistiftreste entfernen wollte, verschmierte dabei die schwarze Schrift.

Aber Chantal ist ein ganz pfiffiges Mädel, nach einigen Minuten Schubladekramen lagen Uhu und Goldsternchen auf dem Tisch "die Sternchen kleben wir über die Schmierflecken (natürlich wir - wer sonst). Die Uhutube war eingetrocknet, aber Friseurinnen können alles, die haben da so ein Gerät für ihre Farbtuben, die wickelt man da auf wie eine Sardinendose, das klappt auch mit Uhutuben. Blitzschnell war beim Wickeln ein riesiger Klecks Uhu auf den Gutschein geflutscht. So geschickt, wie man nur mit ca. 3 cm langen wunderschön weihnachtlich manikürten glitzernden Fingernägeln winzige Goldsternchen in Uhu tauchen und aufkleben kann, meisterte sie mit Bravour auch diese schwierige Aufgabe.

Die Klebstoffreste auf dem Gutschein wurden - mit dem Ärmel des Pullis über die Hand gezogen - so gut es ging, wegpoliert und geschickt wurde das Blatt noch in der Mitte gefaltet. Dass die Faltung einige mm schief sitzt, ist sicher künstlerische Freiheit und persönliche Auslegungssache, genauso wie der optisch wirklich perfekt passende weiße Briefumschlag mit dem Sichtfenster.

Mit einem strahlenden Lächeln und den Worten "Da wird sich ihre Mama aber sicher sehr freuen" überreichte Chantal mir den fertigen Gutschein.

Ich verließ den Friseursalon mit der Gewissheit, das war mein Highlight des Tages und ich überlege nun, ob ich meinen Friseur wechsle und mich in Zukunft auch in die liebevollen Hände von Chantal begebe.

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Eingereicht am
15. Januar 2008

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Ein haariges Lesevergnügen


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