Haarige Geschichten
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Abenteuer im Frisiersalon

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Dieser Text ist urheberrechtlich geschützt. Nachdruck und Vervielfältigungen, auch auszugsweise, bedürfen der schriftlichen Zustimmung des Autors.

Das Zippo

© Britta Lindner

Als Tina rasch in die menschenleere Lücke vor dem Tresen schlüpfte und sich die grünen Augen des feingliedrigen Rotschopfes an einem der beiden Kellner festsaugten, platzte die abgewrackte Kultkneipe an jenem Freitagabend bereits aus allen Nähten. Kein Geschiebe und Gedrängel, kein Geräusch konnte Tinas Blick von dem Kellner loseisen, auch nicht das Klicken eines Zippofeuerzeuges, dessen Deckel hinter ihr metallisch aufschwang.

Ihr Blick riss sich erst vom Kellner los, nachdem das Klicken des Zippos ein zweites Mal ertönt war und Tinas Nebenmann plötzlich schrie: "Junge Frau, Ihre Haare brennen! Ihre Haare!"

Da rasten ihre Augen ins rundliche Gesicht des Nebenmannes, welcher immer noch mit seinem wurstigen Zeigerfinger auf ihren Kopf deutete.

"Ihre Haare brennen!", wiederholte er schrill und noch ehe sich Tinas Gesicht zum Rücken gewandt hatte, ergoss sich bereits das halbvolle Weizenglas des Mannes auf ihrem Haar, floss die Lederjacke hinab und klatschte auf den Boden.

"Was -" Ihre Stimme verstummte. Fassungslosigkeit lenkte das Mienenspiel der attraktiven, jungen Frau. Mit der linken Hand langte Tina nach hinten, suchte den unteren Teil des Rückens nach der Stelle ab, bis zu der ihr die wallende, rote Löwenmähne gewachsen war. Doch - die Hand griff ins Leere.

"Meine Haare. Oh Gott, meine Haare!"

Indes schwebte eine Qualmwolke zur holzvertäfelten Decke, auf das sich die übrigen Gäste sich die Finger unter die Nase hielten, da der penetrante Gestank verbrannten Haars in jeden Winkel der Kneipe kroch.

Tinas Finger griffen in den Nacken, umklammerten das Haar und zogen den Zopf nach vorne. Ein paar Sekunden lang starrte sie auf die bierdurchnässten, tropfenden Strähnen, die auf Schulterlänge abgebrannt waren, dann drehte sie sich um. Sie kniff die Augen leicht zusammen, betrachtete prüfend die Kneipengäste in ihrer unmittelbaren Umgebung, ob nicht jemand noch schnell ein Zippofeuerzeug in einer Tasche verschwinden ließ, oder einer der Gäste an einer frisch angezündeten Zigarette zog.

Aber nichts dergleichen geschah, weshalb der Rotschopf nun erneut den schmerbäuchigen Brandlöscher ins Visier nahm.

"Sehen Sie mich nicht so an! Ich … ich war das nicht! Ich wollte Ihnen bloß helfen!", beteuerte er inbrünstig und fügte hinzu: "Eine so schöne Frau wie Sie sieht man schließlich nicht gerne leiden!" Tina legte die Stirn in Falten. Dem Mann, der mindestens doppelt so alt war wie sie, fielen schon ohne Fremdverschulden die Haare aus und seine Rettungsringe malten sich im eng anliegenden T-Shirt ab.

"Aber haben Sie denn nicht vielleicht irgendwas gesehen? Haben Sie vielleicht gesehen, wer 's war?" Diese Frage verneinte er jedoch mit einem schulterzuckenden Kopfschütteln. "Nein, das tut mir leid. Weil ich noch ein Korn bestellen wollte, hab ich bloß auf den Kellner geachtet! Soll ich Sie vielleicht nach Hause fahren? Sie können ja jetzt unmöglich alleine nach Hause gehen, so aufgewühlt wie Sie sind!" Ein Angebot, das Tina dankend ablehnte. "Nein, ähm … danke … Aber würden Sie mir den Gefallen tun und bitte auf mich hier auf warten? Ich wollte Sie noch etwas fragen. Bin gleich wieder da. Ich geh nur mal schnell zur Toilette." Gesagt, getan. Schnellen Schrittes kämpfte sie sich durch die Menschentraube zum Damen-WC vorkämpfte. Im Vorraum der Toilette angekommen, wusch sie sich über 'm Waschbecken mit der Seife aus dem Seifenspender die verrußten, miefenden Haarspitzen aus, unentwegt in den Spiegel stierend. "Scheiße!", schluchzte sie leise. Tränen liefen ihre blassen Wangen herunter.

Just in diesem Augenblick trat eine Frau mittleren Alters an das Waschbecken heran und legte Tina die Hand auf ihre Schulter. "Alles in Ordnung mit Ihnen? Sie haben doch irgendwas!? Was ist denn geschehen?", erkundigte sich die Frau mittleren Alters. Da platzte es aus Tina heraus uns sie erzählte der Frau, was ihr soeben widerfahren war.

"Oh weh. Die schönen Haare. Es gibt Leute, die verrückter sind, als man es sich je ausmalen könnte! Haben Sie denn schon die Polizei benachrichtigt? Falls nicht, sollten Sie sofort die Polizei verständigen. Jemandem die Haare anzuzünden ist keine Lappalie. So etwas fällt unter schwere Körperverletzung. Das müssen Sie anzeigen! Haben Sie ein Handy dabei? Sonst leihe ich Ihnen gerne meins!"

"Nein, ich hab noch nicht die Polizei gerufen. Ich … also … das ging alles so schnell. Ich musste selbst erst mal begreifen, was da gerade passiert ist. Ist ja erst drei Minuten her, das Ganze. Ich habe ein Handy dabei. Aber danke. Und danke für den Rat. Ich hätte jetzt noch überhaupt nicht dran gedacht die Polizei anzurufen! Ich bin nämlich noch irgendwie noch total konfus."

"Na, dann schnell. Vielleicht treibt sich dieser Spinner ja noch irgendwo hier rum! Ich werde mal vorsorglich dem Türsteher Bescheid geben, dass er niemandem raus lassen soll, bis die Polizei eintrifft und Sie rufen inzwischen dort an. Einverstanden?"

"Ja, danke. Nett von Ihnen. Vielen, vielen Dank. Ich ruf gleich an."

"Nichts zu danken!", antwortete die Frau und entschwand ins Kneipengetümmel.

Hektisch kramte Tina ihr Handy aus der Seitentasche der Lederjacke. Ihre Hände zittern dermaßen, dass sie sich fast vertippt hätte, doch ihre Hände beruhigten sich und sie informierte die Beamten. Anschließend verließ sie die Toilette und stellte sich zu dem Brandlöscher, der tatsächlich auf sie gewartet hatte.

"So, da bin ich wieder."

"Haben Sie sich etwas beruhigt? Soll ich Sie vielleicht jetzt nach Hause fahren?"

"Nee, ich muss eh noch hier bleiben. Ich hab die Polizei gerufen. Die müssten bald eintreffen!"

"Die Polizei? Meinen Sie nicht, der Täter oder die Täterin ist schon über alle Berge?"

"Hm, weiß nicht!? Ein Versuch ist es jedenfalls wert! Ach, was ich Sie noch fragen wollte: haben Sie auch dieses metallische Geräusch gehört, bevor meine Haare brannten?"

"Nein. Tut mir leid. Bei dem Gegröle hat man ja Mühe sein eigenes Wort zu verstehen! So, ich wird dann wohl auch mal in Richtung Klo verschwinden!"

Tinas Augen folgten dem Glatzkopf durch die Menge, bis sie ihn hinter ein paar großen Kerlen verloren und jemand ihr von hinten auf die Schulter tippte. Und als sie sich umdrehte, stand die Frau, die ihr geraten hatte, den Beamten Bescheid zu geben, vor ihr.

"Hallo. Ich wollte bloß sagen, dass ich dem Türsteher Bescheid gegeben hab. Glauben Se mir. Der lässt keinen mehr raus. Mit dem Erwin bin ich nämlich per du, wenn Sie wissen, was ich meine!", grinste die Frau.

Und im selben Moment, in dem sie Tina zuzwinkerte und in den hinteren Teil der Kneipe schlenderte, rückten zwei Gesetzeshüter an, denen Tina prompt entgegeneilte.

"Hallo. Gut, dass Sie da sind. Irgendjemand hat mir meine Haare angezündet. Ich glaube ja, es war ein Zippofeuerzeug. Das macht so ein ganz individuelles, unverwechselbares Geräusch. Sie müssen die Leute befragen. Vielleicht ist der -"

Doch der jüngere Polizist fuhr Tina über den Mund. "Nicht so hastig. Der Türsteher hat uns schon das Nötigste erzählt. Eine andere Frau hat in wohl über die Sachlage informiert und wir haben sogar schon einen Tatverdächtigen."

"Sie - was? Ich meine, wer?"

Da winkte der ältere Polizist den Türsteher heran, der den schmerbäuchigen Brandlöscher im Schlepptau hatte und der jüngere Schutzmann sagte: "Dieser Bursche dort wollte sich eben klammheimlich aus dem Staub machen. Haben Sie der anderen Frau zu verdanken, dass der Türsteher alarmiert war und ihn festhielt. Wir haben gerade seine Taschen durchsucht und voilà." Mit diesen Worten zog der Polizist ein Tütchen aus der Jacke, in dem sich ein silbern schimmerndes Zippofeuerzeug befand.

Mittlerweile war der Türsteher mit dem Verdächtigen bei Tina und den Gandarmen eingetroffen. Tina sah dem Glatzkopf in die Augen. "Sagen Sie mir, dass die Polizisten sich irren. Wieso? Was hab ich Ihnen denn getan?"

"Sie haben mir nichts getan. Ich … ich wollte doch … eine so schöne Frau wie Sie würde ich doch sonst nicht mal bemerken!"

"Ach, und deshalb geht man hin und zündet fremden Frauen die Haare an, damit man sich dann als großer Retter aufspielen kann und vielleicht auch mal Mitleidssex kriegt, ja?! Sie sind doch krank, Sie!"

Der jüngere Polizist hielt Tina mit Mühe und Not davon ab, auf den Tatverdächtigen loszugehen, während der ältere Polizist ihn vor Tina in Sicherheit brachte.

Dieser Text ist urheberrechtlich geschützt. Nachdruck und Vervielfältigungen, auch auszugsweise, bedürfen der schriftlichen Zustimmung des Autors.

Eingereicht am
15. Januar 2008

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