Haarige Geschichten
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Abenteuer im Frisiersalon

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Dieser Text ist urheberrechtlich geschützt. Nachdruck und Vervielfältigungen, auch auszugsweise, bedürfen der schriftlichen Zustimmung des Autors.

Mystic Black und die Wunderfriseure

© Anninka Enseroth

Maggie war dreizehn. Dreizehn Jahre alt und wie viele dreizehnjährige Mädchen war Maggie nicht mit sich zufrieden. Bei anderen waren es die Nase oder die Figur und Maggie mochte eben ihre Haare nicht. Sie fand sie sogar abscheulich. Ihre blonden Haare mit den langweiligen Schnittlauchwellen, die nicht länger als bis etwas unters Schulterblatt gehen wollten. Immer wenn sie in den Spiegel sah schienen die Biester an ihrem Selbstbewusstsein zu kratzen. Deshalb fasste sie eines Tages den Entschluss etwas zu verändern. Irgendwas. Hauptsache anders! Dass Dauerwellen für die Haare ganz schädlich waren, hatte sie gelesen und entschied sich deshalb fürs Färben. Noch am selben Tag ging sie in den Supermarkt und besorgte sich wild entschlossen die Farbe Mystic Black, doch als sie abends mit der Packung auf der eine Frau mit schwarzen Haaren, in welchen ein kühler Blaustich zu erkennen war, lächelte, vor dem Spiegel stand, verließ sie doch der Mut. Morgen ist Samstag, dachte sie, morgen werde ich es tun. Doch es kam alles ganz anders.

Maggie wachte von Scherenklappern auf. Sie blinzelte. Um sie herum war es rot. Ein Mann mit schwarzem Kittel ging vorbei. Sie riss die Augen auf, starrte an eine rote Decke. Sie setzte sich senkrecht auf, starrte einem Friseur, der einer hübschen Brünetten einen tollen Kurzhaarschnitt verpasste direkt ins Gesicht. Sie musste wohl recht benommen ausgesehen haben, denn der Friseur lachte. Die Brünette, die wohl etwa zwanzig war lächelte schüchtern. "Guten Tag, Maggie", sagte eine Stimme hinter ihr, "Wir haben Dich bereits erwartet." Jetzt erkannte sie erst, dass um sie herum noch weitere Frauen frisiert wurden. Eine Chinesin, deren nachtschwarzes Haar gewaschen wurde, eine wild gelockte Rothaarige mit grünen Haaren, die ein Pflegeserum zwischen die Löwenmähne bekam, eine Punkerin, die blaue Strähnchen in die grünen Haare bekam und noch weitere. Jede saß in einem roten Ledersessel und wurde von einem freundlichen Friseur mit schwarzem Kittel frisiert. "Bin ich ... in einem Frisiersalon?", fragte sie verdattert. Da trat aus einer ebenfalls roten Tür ein braunhaariger Mann in den Raum. Auch er sagte: "Hallo Maggie" und schon fand sich Maggie mit einem rotem Satinkimono in einem der Sessel wieder. Der Mann kam auf sie zu. Er trug einen Koffer aus dem er eine edle Frisierschere holte. Maggie erstarrte doch es war zu spät. Da fiel ihre blonde Pracht, die sie so gehasst hatte. Aber jetzt wo sie weg war standen ihr doch Tränen in den Augen. Was würde ihre Mutter sagen und was war überhaupt hier los? Wie war sie hierher gekommen? Hilflos blickte sie in die Runde. Eine Blondine, etwa neunzehn, zuckte mit den Achseln. Die anderen hatten also auch keine Ahnung. Die Friseure lächelten wissend. Weil niemand etwas sagte schwieg auch Maggie, aber wohl fühlte sie sich nicht. Als die Männer endlich fertig waren, kam ein Dutzend hübscher Frauen in grünen Kostümen und sammelten von allen Frauen deren Haare geschnitten worden waren die einzelnen Strähnen auf, legten sie in grüne Boxen und gaben diese den verdutzten Frauen in die Hand. Dann wurden Maggie und die anderen in einen langen Gang gescheucht. Die Chinesin ging neben ihr: "Hast Du eine Ahnung was hier gespielt wird? Mir haben sie auch die Haare geschnitten. Die waren vorher viel länger und das Mädel mit den grünen Haaren hatte vorher gerade mal grüne Strähnen. Aber toll sieht's schon aus. Ich mag deine Frisur. Wie meine ist weiß ich nicht, die scheinen hier ja keine Spiegel zu haben." Der Gang war zu Ende und die Frauen wurden, eingeteilt in die mit geschnittenen und die mit gefärbten Haaren, in zwei verschiedene Räume geschickt. Nun saßen sie wieder in roten Sesseln aber diesmal in einer Reihe vor großen, blitzblank geputzten Spiegeln. Eine Frau mit kinnlangem, blondem Bob starrte Maggie aus dem Spiegel heraus an. Das war nicht die dreizehnjährige Maggie, die war mindestens zwanzig. Maggie ließ die Schachtel mit ihren Haaren entsetzt fallen und sah sich entgeistert an. Ein grauhaariger Mann mit weißem Kittel rief: "Haarverlängerung für alle!" Eine von den Frauen mit den grünen Kostümen hob sie lächelnd wieder auf und gab sie einem anderen Friseur mit weißem Kittel. Verwirrt sah Maggie in den Spiegel. Bald waren ihre Haare wieder da wo sie hingehörten. Wenn ihr Zeitgefühl sie nicht täuschte war jetzt eine Stunde vergangen. Eine Stunde, in der diese merkwürdigen Friseure ihr die Haare erst geschnitten und dann mittels Air-Pressure-System wieder angebracht hatten.

Sie hatte es schon geahnt: Die Damen in den grünen Kostümen kamen wieder. Und noch einmal mussten sie durch einen langen Gang. In den nächsten zwei Stunden wurden Maggies Haare schwarz und wieder blond gefärbt, dauergewellt und geglättet, mit roten Strähnen versehen, die dann übergefärbt wurden und immer machten die Männer in den weißen Kitteln das wieder weg was die Männer in den schwarzen Kittel verändert hatten. Als Maggie schließlich zu einer rot glitzernden Tür geschubst wurde war ihre Geduld endgültig am Ende. "Was ist hier eigentlich los?", schrie sie einen Mann in feinem Anzug an. Dieser lächelte. Dann sagte er: "Maggie. Du warst mit Deinen Haaren nie zufrieden. Deshalb haben die Männer mit den schwarzen Kitteln sie verändert. Dann haben Dich unsere Gehilfinnen in den grünen Kostümen zu den Männern mit den weißen Kitteln gebracht. Ihre Aufgabe war es Dich so schön zu machen wie sie nur konnten. Nun sind Deine Haare wieder so wie vorher aber ich hoffe Du hast Dich verändert. Hör endlich auf Dir einzubilden Du wärst hässlich. Maggie, Du bist wunderschön." Wieder lächelte er. Freundlich und ehrlich. "Wenn Du magst darfst Du einmal über unseren Laufsteg gehen und deine Haare bewundern lassen." Natürlich wollte Maggie. Sie wurde in eine Kabine gewiesen, in der ein schwarzes Satinkleid hing. Maggie sah in den Spiegel. Zum ersten Mal seit langem gefiel sie sich so richtig. Als sie aus der Kabine kam, strahlte die Chinesin, die ein hellgrünes Kleid trug, sie an. Die rote Tür öffnete sich vor der staunenden Maggie. Der Raum dahinter war riesig. Eine jubelnde Menge selbstbewusster Frauen erwartete sie rechts und links von einem weiß lackierten Catwalk. "Na los", forderte der freundliche Mann sie auf. Maggie war glücklich. Strahlend stolzierte sie durch die Menge. Jeder in diesem Raum war irgendwie froh. So etwas passierte nicht sehr oft und deshalb genoss Maggie es noch mehr. All die Frauen waren begeistert und mit jedem Schritt, den sie tat wurde sie selbstbewusster. Am Ende des Laufstegs wurde sie an einer Treppe von den anderen empfangen. Als sie aufsah erblickte sie die Chinesin. Begeistert stimmte sie in den Jubel ein. Alle selbstbewusst und dadurch hübsch. Ja, sie hatten sich verändert. Auch Maggie.

Maggie wachte von Scherenklappern auf. In der Küche saß ihre Schwester und schnippelte an buntem Papier. Sie setzte sich auf. Der Friseursalon, die Chinesin, die Show - alles ein Traum? Ja. Alles ein Traum. Da entdeckte sie neben sich einen Zettel. Vielleicht von dem Mann mit dem Anzug? Sie hob ihn auf und las: Ich danke Dir dafür, dass ich wunderbar gemacht bin; wunderbar sind Deine Werke; das erkennt meine Seele. Die Bibel; Psalm 139,14. Maggie stand auf, sah in den Spiegel, lächelte und kämmte sich ihre goldblonden, leicht gewellten Haare.

Dieser Text ist urheberrechtlich geschützt. Nachdruck und Vervielfältigungen, auch auszugsweise, bedürfen der schriftlichen Zustimmung des Autors.

Eingereicht am
15. Januar 2008

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