Haarige Geschichten
Kurzgeschichte - Haar, Haare, Frisur, Friseur, Haarfarben, blond, Blondine, Rothaarige, Glatze, Haarausfall, Bart, Rasur, Zöpfe, Locken, Dauerwellen ...

Unser Buchtipp

Abenteuer im Frisiersalon

Abenteuer im Frisiersalon
Hrsg. Ronald Henss
Dr. Ronald Henss Verlag
ISBN 978-3-9809336-0-5

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Dieser Text ist urheberrechtlich geschützt. Nachdruck und Vervielfältigungen, auch auszugsweise, bedürfen der schriftlichen Zustimmung des Autors.

Ob blond, ob braun ...

© Elvira Schlameuß

"Es tut uns leid, Herr Reuter, wir konnten ihrer Frau nicht mehr helfen. Herzstillstand", sagt der Arzt und gibt ihm die Hand, dabei murmelt er noch so was wie "Herzliches Beileid" und eilt mit wehendem Kittel davon.

Gerd Reuter lehnt sich an die Wand. "Ich will auch tot sein, ich will auch tot sein", flüstert er immer wieder.

Ein Jahr ist nun vergangen seitdem seine Frau Ines tot ist. Mit 45 Jahren ist sie gestorben an Herzversagen. Irgendwie ist es für ihn weitergegangen.

Gerd Reuter legt Blumen auf das Grab seiner Frau. "Glaub mir Ines, ich bin durch die Hölle gegangen. Wenn Sandra mir nicht durch diese schwere Zeiten geholfen hätte, ich weiß nicht, was aus mir geworden wäre. Wenn ich dich wieder besuche, bringe ich Sandra mit. Ich glaube, ich habe mich wieder verliebt."

Sandra Kaufmann wartet auf Gerd Reuter im Cafe. Sie steckt sich ihre Zigaretten mit der aufgerauchten an und bestellt einen Kaffee nach dem anderen. Als Gerd kommt, rollt sie mit ihren großen braunen Augen und giftet ihn an: "Wage es nie wieder, mich so lange warten zu lassen."

"Sei nicht böse, mein Liebling", beschwichtigt Gerd.

"Immer, wenn du bei ihr bist, bin ich abgemeldet", jammert Sandra.

Sie nimmt die Puderdose und erneuert ihr Make-up. "Ich habe ihr heute erzählt, dass du mich das nächste Mal begleitest", sagt Gerd.

"Nee, das kannst du dir abschminken. Wie kommst du darauf?"

"Sandra", sagt Gerd mit belegter Stimme, "ich will mit dir meine Zukunft verbringen. Ich will mit dir an ihrem Grab stehen."

"Damit sie mich besser sehen kann. Ines ist tot."

"Du weißt am besten, wie sehr ich sie geliebt habe. Du warst nicht nur ihre Friseuse, du warst auch ihre Freundin. Ich werde auch in Zukunft von ihr sprechen. Was ist nur los mit dir?"

"Vielleicht war ich schon immer neidisch auf Ines. Sie war die Schönere und die Klügere von uns beiden."

"Wenn er nur mal Ines vergessen könnte", denkt Sandra, "dann hätte ich es geschafft. Wenn er mich heiratet, brauche ich nicht mehr von einer Kundin zur anderen zu hetzen. Mich selbstständig zu machen als mobile Friseuse war keine gute Idee. Wenn ich ihm dann noch seinen sehnlichsten Wunsch nach einem Baby erfülle, wird er mich mehr lieben als er je Ines geliebt hat Endlich bin ich dir überlegen Ines."

Sandra bemüht sich weiterhin seine Geliebte und seine Trösterin zu sein. Am Ziel ist sie noch nicht. Gerd spricht nicht vom Heiraten.

"Wir haben ein so großes Haus", sagt Sandra eines Abends zu Gerd. Sie sitzen am Kamin und trinken Rotwein. "Wie wäre es, wenn wir ein Kinderzimmer herrichten würden?"

"Was? Wir haben nie über ein Kind gesprochen. Bist du schwanger?", fragt Gerd.

"Nein, aber wir können ja daran arbeiten", flüstert sie und schmiegt sich an Gerd.

"Nein."

"Wie lange soll ich denn noch die zweite Geige spielen? Ich weiß, dass du mit Ines gern ein Baby haben wolltest. Warum nicht mit mir?"

"Als Ines erfahren hatte, dass sie wegen ihrer Herzkrankheit kein Baby haben durfte, war das Thema für mich erledigt. Der Traum wurde mit ihr begraben. Ich will kein Kind."

Sandra rennt in ihr Zimmer und packt ihren Koffer. Ihre Pläne mit Gerd sind nicht aufgegangen. Sie muss sich ein anderes Ziel suchen.

"Mein Mann ist ein notorischer Fremdgeher, daran habe ich mich gewöhnt. Eine Trennung wird er aber nie wollen, denn allen Luxus, den sie hier sehen, gehört mir. Er ist Direktor in meiner Firma und bei einer Scheidung bliebe ihn nichts", erzählt Frau Sauerbier, während Sandra ihr die grauen Haare färbt.

Sandra schweigt und grinst. Wenn du wüsstest, denkt Sandra, dass dein Mann mit deinem Geld mir teuere Geschenke macht. Weißt du eigentlich wie leidenschaftlich er sein kann?

Fred Sauerbier steht rauchend vor dem Krankenhaus, in das seine Frau mit dem Notarzt gefahren werden musste.

"Herstillstand, wir konnten ihrer Frau nicht mehr helfen. Sie war schon tot, als sie eingeliefert wurde", sagt der Arzt zu Fred.

Sandra tröstet Fred und lenkt ihn ab. Nach und nach nimmt sie den Platz von Freds Frau ein. Als auch sie von ihm belogen und betrogen wird, muss Sandra erkennen, wieder mal ein falsches Ziel verfolgt zu haben.

Sie färbt weiterhin ihren Kundinnen die Haare. Manchmal schmiedet sie wieder Pläne und mischt zu dem Blond, Braun, Rot oder Schwarz giftige Substanzen, die immer wieder tot-chic sind.

Dieser Text ist urheberrechtlich geschützt. Nachdruck und Vervielfältigungen, auch auszugsweise, bedürfen der schriftlichen Zustimmung des Autors.

Eingereicht am
12. Januar 2008

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Ein haariges Lesevergnügen


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