Unser Buchtipp
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Darf es noch etwas Haar sein?© Jennifer Marie SuckowMein Freund hat nicht mehr viel Haar auf seinem Kopf. Der Arme hat von Natur aus sehr dünnes Haupthaar, was an seinen Genen liegt, vermuten wir. Ich finde das nicht so schlimm, aber er hat Probleme damit. Das männliche Haar demonstriert Stärke, Männlichkeit und sexuelle Aktivität sowie Vitalität. Ihm ist es wichtig, gut auszusehen, oben genauso wie am Rest des Körpers. Leider ist der Rest des Körpers weniger betroffen, denn ihm sprießen sogar am Rücken kleine, aber starke Härchen, die nur mit einer Pinzette entfernt werden können. An der Wurzel muss man jedes Problemchen packen, um es zu lösen. Leider kann man diese Haare nicht in die Kopfhaut verpflanzen, was mir sinnvoll erscheint in manchen Momenten, in denen ich darüber intensiver nachdenke. Irgendwann kommt mir die Idee, mich in der Gesellschaft umzusehen und genau zu prüfen, wer wie viel Haar auf dem Haupt zu verzeichnen hat. Frauen sind ausgenommen von meinen Beobachtungen, denn die meisten besitzen wie ich dickes, volles Haar das glänzt, wenn man es mit den richtigen Pflegeprodukten behandelt. Da sitz ich also in der Bahn, es steigen Fahrgäste ein, drängeln sich in der engen, voll besetzten Bahn zusammen und ich schaue auf ihre Köpfe als sei es das Normalste auf der Welt. Ist es auch, denn wer schaut sich nicht einmal gern die Haarpracht der Mitmenschen in seiner Stadt an?! Irgendwie ist da tatsächlich nicht mehr viel, auf den Häuptern der Männer dieser Welt. Vielleicht liegt es am Großstadtstress? Schließlich sind wir in Köln und hier kann man so gut wie nie rasten und dem Überfluss der Eindrücke entfliehen. Eventuell haben auch alle der Haarlosen die "Glatzen-Gene" in sich. Doch was kann man dagegen tun? Ein Mittel gibt es noch nicht gegen die haarlose Pracht auf den Köpfen der Männer. Dabei hat der Mensch doch schon so vieles erforscht, er kann Schafe klonen, Krebs heilen, er kann die Leiden von HIV mit Hilfe von Medikamenten mindern und das Leben enorm verlängern. Sind eine Glatze oder die dafür verantwortlichen Gene aggressiver als die Symptome von HI-Viren? Ich stocke einen Moment und staune weiter über die vielen Gesichter in der Bahn, die sich angestrengt an jedem freien Griff festhalten, um nicht das Bremsen der Bahn zu verpassen und umzukippen. Fast so wie Vieh auf dem Weg zur Schlachtbank. Ich schmunzele noch einen Moment, denn meine Gedanken schweifen weiter aus. Was wäre, wenn einer der männlichen Fahrgäste nun bei einem harten Bremsen der Bahn sein teures, handselektiertes Echthaartoupet verlieren würde? Zum Totlachen komisch. Lustig wäre auch, wenn das haarprächtige Teil einem Glatzköpfigen auf den blanken Schädel fallen würde. Es gibt Geschichten über Geschichten, die mir da einfallen würden. Aber wir sind da, die Bahn hält an meiner Station. Schlapp steige ich an meiner Haltestelle aus und trabe müde zur Universität. Wieder denke ich nach: warum hat die Uni noch kein Heilmittel erfunden? Immerhin forschen doch alle so wild vor sich hin. Und wenn die Forscher die Gene entschlüsseln können, warum finden sie dann nicht endlich dieses Haarausfall-Gen und lösen das Problem vieler eitler und von Natur aus haarloser Männer?! Shampoos und Heilwässerchen werden von haarlosen Herren der modernen Zeit magisch in den Bann gezogen, dazu kommen noch Pillen, die den Markt überschwemmen und haarige Zeiten versprechen - die Slogans in der Werbebranche werden immer prägnanter. Warum hilft denn nichts von alldem Angepriesenen, um die Haarpracht zum Sprießen zu bringen? Meine Überlegungen von Weltverbesserungsvorstellungen der Häupter der Männer werden just in diesem Moment gestoppt, mein neuer Professor betritt den Raum und ich muss ungewollt vor mich hin lächeln. Denn das, was ich zu sehen bekomme, ist ein Hauch von zartem aber sinnlichen Nichts! Gut, er hätte sorgfältiger sein sollen und sich seine letzten Härchen an den Schläfen und hinter den Ohren ebenfalls abrasieren sollen. Dann wäre der Kopf zwar vollends blank, aber ansehnlicher als das, was er uns jetzt in diesen frühen Morgenstunden bietet. Typisch, denn welcher Mann Mitte 30 hat heute in diesem Alter noch volles oder überhaupt Haar? Man kann ja schon froh sein, wenn sie mit 30 Jahren noch keinen Hängebauch vom Bierchen haben. Männer haben es schon sehr schwer im Leben. Die Armen. ![]() Dieser Text ist urheberrechtlich geschützt. Nachdruck und Vervielfältigungen, auch auszugsweise, bedürfen der schriftlichen Zustimmung des Autors.
Eingereicht am ![]() Ein haariges Lesevergnügen
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