Haarige Geschichten
Kurzgeschichte - Haar, Haare, Frisur, Friseur, Haarfarben, blond, Blondine, Rothaarige, Glatze, Haarausfall, Bart, Rasur, Zöpfe, Locken, Dauerwellen ...

Unser Buchtipp

Abenteuer im Frisiersalon

Abenteuer im Frisiersalon
Hrsg. Ronald Henss
Dr. Ronald Henss Verlag
ISBN 978-3-9809336-0-5

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Dieser Text ist urheberrechtlich geschützt. Nachdruck und Vervielfältigungen, auch auszugsweise, bedürfen der schriftlichen Zustimmung des Autors.

Haargenau beobachtet

© Manuela Zips

Endlich war es so weit. Ich hatte meinen ersten Urlaubstag. Zwei Wochen Sommerurlaub, die ich vollen Zügen genießen wollte. Es sollte ein ganz erholsamer, aber auch kreativer Urlaub werden. Erholsam, weil ich durch meinen Beruf als Bäckerin jede Nacht so früh aufstehen musste und kreativ, weil ich als Hobbyautor einmal herausfinden wollte, was Haare in unseren heutigen Gesellschaft bedeuten.

Aber erst einmal wollte ich, um meiner Kreativität einen gesunden Nährboden zu liefern, in aller Ruhe frühstücken. Das heißt schnell frisch machen, anziehen und beim Kiosk gegenüber ein leckeres Brötchen besorgen. Ein kurzer Blick in den Spiegel verriet mir: "Laura Schmitz, deine Haare sehen schrecklich aus." In alle Richtungen standen sie ab und von Glanz und Fülle war keine Spur. Das wird mich doch nicht gleich aus der Bahn werfen. Oder doch? An gut, das Frühstück fällt aus, ein Friseurbesuch hat heute Priorität. Nun stellte sich nur die Frage: Zu welchem Friseur sollte ich gehen? In unserer Stadt gibt es an jeder Ecke einen, aber bei der Hälfte war ich schon gewesen und hatte da so meine haarsträubenden Erfahrungen gemacht. Z.B. Meine Haarverlängerung bei Georg. Ich habe grauenvoll ausgesehen. Oder meine Abschlussballfrisur (ist zwar schon etwas her, aber es hat tiefe Wunden in meinem Ego hinterlassen). Die Friseurin machte mir einen Haarknoten. Ich kam mir vor wie meine Oma Rosalinde höchstpersönlich. Und da war da noch Emilio. Eigentlich der Lieblingsfriseur aller Damen der Stadt. Aber mir raubte er mit seiner Haarspalterei die letzten Nerven. So jemanden konnte ich bei meinen Friseurbesuchen nicht gebrauchen. Ich brauche, während man mir das Haarshampoo einmassiert, meine Ruhe und keinen Besserwisser hinter mir, der mich jedes Mal ganz nervös macht, wenn er nur den Mund aufmacht. Leider machte mich sein Aussehen so gar nicht nervös. Emilio spricht zwar mit einem tollen italienischen Akzent, aber er trägt ein Toupet. Ja, Sie haben richtig gelesen - ein Haarteil.

Nun ja, ich entschied mich für einen neuen Salon direkt um die Ecke. Noch etwas unentschlossen trat ich vor der Tür von einem Bein auf das andere. Sollte ich es mal wieder wagen, in der Hoffnung heute nicht mit Tränen in den Augen den Salon zu verlassen? Ich gab mir einen Ruck und schon stand ich inmitten einer Duftwolke aus Haarspray und Haarwasser. Fünf Friseurinnen strahlten mich an, eine schöner als die andere. Fünf Friseurinnen, die darauf warteten mich mit meinem wüsten Aussehen in die nächste Vorher-Nachher-Show zu schleppen. Aber da musste ich jetzt durch. Stella legte mir erst einen Umhang um und dann sprudelte sie auch schon los. "Tönung, Strähnen, Kurzhaarschnitt, Haarverlängerung oder Färben? Was hätten Sie denn gerne aus unserem umfangreichen Sortiment?" Fragte sie mit einem Zahnpastalächeln. Jetzt war ich komplett überfordert. Ich wollte doch einfach nur meine abstehenden Haare loswerden und nicht den ganzen Tag hier verbringen. Schon eilte Stella mit einem Frisuren- und Farbkatalog herbei. In Sekundenschnelle suchte sie Frisur und Farbe heraus und legte Hand an. Ich traute mich gar nicht in den Spiegel zu schauen. Konnte man ihn nicht mit einer Decke abhängen? Sollte ich nach meinem heutigen Friseurbesuch am besten nie wieder in den Spiegel schauen und besser noch, die Spiegelherstellung gerichtlich verbieten lassen? Warum tat ich mir das jedes Mal wieder an? "Laura, lass sie doch wachsen und versuche ins Guinness-Buch der Rekorde zu kommen." Mittlerweile war Stella schon beim Fönen angelangt. Sie strahlte: "Sieht doch klasse aus, Frau Schmitz." Die Freude war allerdings sehr einseitig. Ich blickte in den Spiegel und fragte vorsichtig ob denn schon Halloween sei. Die eine Seite war so lang wie vorher, die rechte Seite streichholzkurz und ein Feuermelder hätte nicht knalliger leuchten können. Was sollen dazu noch grüne Strähnen im Haar? Wollte man, dass ich meinen Arbeitsplatz verliere? Mein Chef würde entweder einen Tobsuchtsanfall oder einen Lachkrampf bekommen. Konnte ich so etwas verantworten? Wieder einmal verließ ich mit Krokodilstränen den Friseursalon.

Nun musste ich den Schaden irgendwie begrenzen, indem ich mir eine Tönung kaufte, um wenigstens farblich meinem Chef unter die Augen treten zu können. An der Haarlänge konnte ich zwar nichts ändern, aber eines weiß ich sicher: "Vor meinem nächsten Friseurbesuch wird erst gefrühstückt:"

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Eingereicht am
31. Dezember 2007

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Ein haariges Lesevergnügen


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