Haarige Geschichten
Kurzgeschichte - Haar, Haare, Frisur, Friseur, Haarfarben, blond, Blondine, Rothaarige, Glatze, Haarausfall, Bart, Rasur, Zöpfe, Locken, Dauerwellen ...

Unser Buchtipp

Abenteuer im Frisiersalon

Abenteuer im Frisiersalon
Hrsg. Ronald Henss
Dr. Ronald Henss Verlag
ISBN 978-3-9809336-0-5

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Dieser Text ist urheberrechtlich geschützt. Nachdruck und Vervielfältigungen, auch auszugsweise, bedürfen der schriftlichen Zustimmung des Autors.

Beim Frisör

© Wildis Streng

Es war ungewohnt. Und sie hatte ein bisschen ein schlechtes Gewissen. Sie mochte Luigi. Und eigentlich war sie schon immer zu ihm gegangen. Schon als Kind mit ihrer Mutter. Als sie das erste Mal beim Frisör war. Das war bei Luigi gewesen. Es hatte immer irgendwie alt gerochen in seinem Laden. Schon immer. Hier war es anders. Es gab Air-Conditioning. Und die Einrichtung war in Chrom und Hellblau gehalten. Es wirkte frisch. Und kühl. Geradezu cool. Bei Luigi war es immer ein wenig zu warm, weil er die Heizung grundsätzlich voll aufdrehte. Hier tönte Technomusik aus den in der Decke versenkten Lautsprechern. Leise. Und stetig. Bei Luigi gab's nur Schlager. Das "Hairstudio Sven S." war gerade schwer angesagt. Luigis Laden hieß einfach nur "Friseur". Sven S., der eigentlich "Sven Schneider" hieß, hatte es erst vor Kurzem eröffnet. Mit dem Kapital seines älteren Freundes, so munkelte man. Seines viel älteren Freundes. Man munkelte weiterhin, dass Sven S. schwul war. Das war irgendwie verrucht. Und stylisch. Die ganzen Designer sind ja auch schwul. Sie beobachtete ihren Frisör im Spiegel. Er war voll auf seine Arbeit konzentriert und sagte kein Wort. Seine Bewegungen wirkten kompetent und sicher. Aber er sagte nichts. Luigi redete ununterbrochen. Sie schätzte, dass ihr Frisör Russe war. Das passte irgendwie gar nicht. Russen waren nicht sinnlich. Ein Frisör musste sinnlich sein, fand sie. Sensibel. Italiener vielleicht, wie Luigi. Die Musik hämmerte. Aber die Inneneinrichtung war sehr stylisch. Nicht diese grauenvollen Fünfziger-Jahre-Möbel wie bei Luigi. Der Russe schnippelte emotionslos auf ihrem Kopf herum. Modern sollte es werden, hatte sie ihm im knappen Anfangsgespräch aufgetragen. Das würde es bestimmt werden. Und wenn sie mal wieder zu Luigi ginge? Mit fachmännischem Blick würde er bestimmt merken, dass sie ihm fremd gegangen war und wäre dann sicher enttäuscht. Nein, das ging nicht. Blieb ja immer noch das "Hairstudio". In Zukunft würde sie dann eben hierher kommen. Der Russe war fertig. Sie betrachtete sich prüfend im Spiegel. Ja. Sah tatsächlich modern aus. Stylisch auch. Trotzdem. Irgendwie behämmert.

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Eingereicht am
09. Dezember 2007

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Ein haariges Lesevergnügen


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