Haarige Geschichten
Kurzgeschichte - Haar, Haare, Frisur, Friseur, Haarfarben, blond, Blondine, Rothaarige, Glatze, Haarausfall, Bart, Rasur, Zöpfe, Locken, Dauerwellen ...

Unser Buchtipp

Abenteuer im Frisiersalon

Abenteuer im Frisiersalon
Hrsg. Ronald Henss
Dr. Ronald Henss Verlag
ISBN 978-3-9809336-0-5

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Dieser Text ist urheberrechtlich geschützt. Nachdruck und Vervielfältigungen, auch auszugsweise, bedürfen der schriftlichen Zustimmung des Autors.

Haarspalterei

© Bärbel Schaar-Funck

Szene: Großvater im Lehnstuhl. Enkelsohn kniend zu seinen Füßen.

"Opa, warum hast du kaum noch Haare?"

"Tja, mein Junge, sie sind mir ausgegangen."

"Warum Opa?"

"Ich wollte sie nicht mehr, sie haben mich stets verraten."

"Sie haben dich verraten? Aber sie können doch nicht sprechen."

"Nein, die Sprache fehlt ihnen, aber sie können sich anders äußern, siehst du, als ich geboren wurde, hatte ich noch nicht so viele Haare und die vereinzelten, die vorhanden waren, traten bündelweise auf. Meine Mutter sah darin eine Krankheit, eine sehr seltene weil kein Arzt etwas finden konnte. Wir unternahmen stets Ausflüge zu Kliniken in entfernten Orten, bis alle meinten, dass niemand etwas tun könne, ich würde sicherlich nicht sehr alt werden."

"Aber Opa du bist doch älter geworden!"

"Ja zunächst wurde ich erst einmal sechs Jahre alt, ich wurde eingeschult. Stell dir vor, meine Haare wuchsen jetzt und meine Mutter meinte, das wäre ein göttliches Zeichen und ich würde jetzt geheilt sein."

"Na dann war doch alles in Ordnung Opa."

"Nicht ganz, mein Junge, meine Mutter ließ mir die Haare nicht schneiden, weil sie meinte es würde Unglück bringen nach der Wunderheilung."

"Was passierte dann?"

"Es kam zu Verwechslungen, ich durfte nicht am Werkunterricht teilnehmen, sie steckten mich in die Mädchengruppe, erst war alles gut, aber als wir dann unter der Dusche standen, na ja, ich galt dann als psychisch geschädigt. Mutter meinte das wären noch Auswirkungen der Krankheit, die ich von Geburt aus hatte, sie ließ sich dann doch darauf ein mein Haar zu kürzen, denn die Pädagogen mussten mich ja unterscheiden können."

" Dann war aber alles geklärt oder Opa?"

"Nicht ganz, in der Pubertät bekamen meine Haare eine andere Farbe sie wurden rötlich. Alle, mit Ausnahme meiner Mutter, meinten, das wäre eine klare Aussage, ich hätte einen anderen Vater, der Jetzige hatte keine roten Haare."

"Oh je."

"Mein Vater ließ sich scheiden mein Junge und enterbte mich. Meine Mutter hatte nicht viel Geld. Mein Studium aber kostete viel und so konnten wir uns den Friseur nicht leisten. Meine Mutter färbte mir die Haare schwarz, damit alle zu der Überzeugung gelangen würden, dass ich doch der leibliche Sohn meines Vaters sei, und da ich auch keine Rasierklingen kaufen konnte, galt ich schnell als einer von den Sympathisanten der aggressiven Palästinenser. Viele nahmen sogar an, ich wäre aus den Reihen der Terroristen, die grade das Land verunsicherten, so genau wollte es mir keiner erklären. Nur wenige hielten mich für Jesus. Der Direktor hielt vor dem Untersuchungskomitee eine Rede, in der er den Vorfall mit meiner schlechten Kindheit zu entschuldigen versuchte, ich kannte ja meinen Vater nicht und war in frühster Kindheit schon unheilbar krank."

"Hat er etwas erreichen können Opa?"

"Nein! Ich bin der Universität verwiesen worden aber fand sehr schnell Arbeit als Bauhelfer, so konnte ich dann endlich zum Friseur gehen."

"Ja Opa dann wurde doch bestimmt endlich alles gut, oder?"

"Nicht ganz mein Junge, meine Freundin, sie war damals sehr stark engagiert in der Bewegung" Freies Land und lange Haare", hat mich dann verlassen. Sie meinte ich hätte mich zum spießigen Proleten entwickelt und das würde nicht in ihr Weltbild passen."

"Aber dann hast du ja Oma kennen gelernt."

"Ja, mein Junge, aber sie fing an zu glauben ich sei krank und fuhr mit mir in entfernte Kliniken, weil meine Haare nur noch büschelweise wuchsen. Ich bekam starke Medikamente zumal ich den Ärzten erklärte, dass ich so etwas schon einmal durchgemacht habe, kurz nach der Geburt."

"War dann endlich alles gut?"

"Ja nach der Chemotherapie, es waren nun keine Haare mehr da. Sie sollten wieder wachsen wurde Oma versichert, aber sie wuchsen nicht mehr, weil ich sie nicht mehr wollte, das waren wohl wieder diese psychischen Störungen."

"Aber Opa! Da hast du einen großen Fehler gemacht, das ist dein Ende, alle sagen wenn man keine Haare mehr hat ist man alt geworden und wer alt ist weilt nicht mehr lange unter uns. Das ist der Lauf der Dinge. Soll Oma den Bestatter rufen?"

"Oh, mein Junge, gut dass du mich erinnert hast, ich vergaß doch fast zu sterben."

Dieser Text ist urheberrechtlich geschützt. Nachdruck und Vervielfältigungen, auch auszugsweise, bedürfen der schriftlichen Zustimmung des Autors.

Eingereicht am
18. November 2007

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Ein haariges Lesevergnügen


Noch mehr haarige Geschichten finden Sie in dem Buch, das aus unserem Wettbewerb "Abenteuer im Frisiersalon" hervorgegangen ist.

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Hrsg. Ronald Henss
Dr. Ronald Henss Verlag
ISBN 978-3-9809336-0-5

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