Haarige Geschichten
Kurzgeschichte - Haar, Haare, Frisur, Friseur, Haarfarben, blond, Blondine, Rothaarige, Glatze, Haarausfall, Bart, Rasur, Zöpfe, Locken, Dauerwellen ...

Unser Buchtipp

Abenteuer im Frisiersalon

Abenteuer im Frisiersalon
Hrsg. Ronald Henss
Dr. Ronald Henss Verlag
ISBN 978-3-9809336-0-5

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Dieser Text ist urheberrechtlich geschützt. Nachdruck und Vervielfältigungen, auch auszugsweise, bedürfen der schriftlichen Zustimmung des Autors.

Haare machen Leute

© Karl März

"Das ist kinderleicht, desto mehr du falsch machst, desto besser sieht es nachher aus." Er wusste nicht ob dieser freundschaftliche Tipp ernst zu nehmen war. Jedenfalls sollte sein unternehmen kein Produkt des Zufalls sein und schon gar nicht aus seinem Scheitern entspringen. Es sollte ihn widerspiegeln. Nur ihn keinen andern.

Makellos ihn.

So wählte er zunächst die Farbe. Grün? Ne, diese Haarfarbe hatte Basti doch schon und seine Frisur sollte doch ein Unikat werden. Also, was passte? Blau? Nein, ein Säufer war er ja nicht, sonst würde er diese Farbe wohl sehr angebracht finden. Was passte zu ihm?

Er war besessen nach Okkultismus. Das war seine Droge. Aber welcher Farbe konnte er sie zu ordnen? Wohl am ehesten violett.

Das war in Ordnung. Als Nächstes kam der Haarstil in Frage. Einzelne, spitz nach oben stechende, Spitzen in einer Reihe, war wohl das logischste. Das musste jeder Punker haben. Er dachte angestrengt nach. Er wollte doch nicht wie jeder sein, aber er musste was an der Frisur geben was sein innerstes widerspiegelte. Eine Art Entschuldigung dafür, dass er die gleiche Haarform wie die andern hatte. Die Haarspitzen sind in der Mitte. Alle gerade in einer Reihe. Keine Haarspitze will aus dem Mittelpunkt. Ja, das war wohl die richtige Interpretation. Denn so waren auch seine Kumpels, die andern Punker.

Alle wollten sie im Mittelpunkt stehen, Aufmerksamkeit erregen. Ruckzuck gebar die Idee die Tat und wenige Augenblicke später perfektionierte er schon die Spitzen. Dabei dachte er an den Vorfall des gestrigen Tages. Dieser dämliche Skinhead hatte sich mit ihm angelegt, wurde aber von seinem spitzen Messer abgewehrt. Über sein Gesicht flog ein Lächeln. Der Skinhead hatte auch spitz geschrien.

Er war fertig. Stolz beguckte er sich im Spiegel. Das war also er. Flüchtig huschte sein Blick über ein altes Foto von ihm. Sein Gesicht spiegelte sich im Plexiglas. Es waren keine 2 Jahre vergangen seit er so aussah wie auf dem Foto. Aber was hatte er alles einbüßen müssen? Seine Freiheit, sein Glück. Und jetzt drängte sich sein Innerstes nach außen. Seine Haare waren voller Chemie. Bei diesem Gedanken kamen ihn die Tränen. Er hatte sein Äußerstes seinem Innerstem abgepasst doch war er es wirklich? Es waren nicht seine natürlichen Haare also auch nicht sein natürliches Ich. Schluchzend griff er zum Rasierapparat.

Hier auf seinem Kopf sollte nun sein neues Ich wachsen.

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Eingereicht am
06. November 2007

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Ein haariges Lesevergnügen


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