Haarige Geschichten
Kurzgeschichte - Haar, Haare, Frisur, Friseur, Haarfarben, blond, Blondine, Rothaarige, Glatze, Haarausfall, Bart, Rasur, Zöpfe, Locken, Dauerwellen ...

Unser Buchtipp

Abenteuer im Frisiersalon

Abenteuer im Frisiersalon
Hrsg. Ronald Henss
Dr. Ronald Henss Verlag
ISBN 978-3-9809336-0-5

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Dieser Text ist urheberrechtlich geschützt. Nachdruck und Vervielfältigungen, auch auszugsweise, bedürfen der schriftlichen Zustimmung des Autors.

Als meine Schwester Friseurin lernte!?!

© Frauke Liebke

Wer hat das eigentlich nicht gemacht? (also zumindest die weiblichen Personen)! Zu Weihnachten oder zum Geburtstag, hat man die heiß ersehnte Barbie oder den zutiefst gewünschten Frisurenkopf bekommen. Aber nach ca. 3 Wochen, denkt man sich: "Eine Veränderung muss her! Vielleicht sieht ja Barbie mit kurzen Haaren viel besser aus und die langen Haare des Frisurenkopfes passen irgendwie auch nicht zu dem Gesicht!" Also Mutters Schere raus und schnipp-schnapp sind Barbie´s Haare ab!

Nach einigen Versuchen an toten Gegenständen (8 Barbies und 2 Frisurenköpfe) dachte ich, es wäre mal an der Zeit meine Frisurkünste an einem lebenden Objekt auszuprobieren!!! Mein Bruder war damals 6 und konnte sich noch nicht wehren, also wurde er vor Mutters Frisierkommode platziert, ordentlich gekämmt und dann wurde die Schere angesetzt! Er hatte danach einen sehr stylischen Pony und ich bekam einen riesen Arschvoll seitens meiner Mutter (das war übrigens der Einzige, aber mein Bruder sah wirklich nicht chic aus!!) Daraufhin beschloss ich meine Friseurkarriere an den Nagel zu hängen, nicht so meine Schwester.

Auch sie hatte ihre Barbies, Puppen etc. verschandelt (nur nicht meinen Bruder!!), aber sie wollte einfach nicht aufgeben!!! Also beschloss sie schon ziemlich früh, die Friseurkarriere einzuschlagen.

Als sie mit der Schule fertig war, konnte es losgehen. Es dauerte auch gar nicht lange da bekam sie den heiß ersehnten Ausbildungsplatz und ich bekam Angst!!!

"Ich brauch dann auch mal ein Modell, zum üben!" sprachs und schaute mich an!!

Auf keinen Fall! Sollte sie doch weiter ihre Puppen verschandeln, aber an meine Haare kam ihre Schere nicht!! "Meinst du nicht, dass dir mal eine Dauerwelle stehen würde?" Im Leben nicht und schon keine, die von ihr gewickelt wurde!!!

Ich fragte meine Mutter, ob sie was dagegen hätte wenn ich schon mal ausziehen würde, am besten in ein anderes Land, um der Schere und den Wicklern meiner Schwester zu entgehen! Sie hatte was dagegen, denn ich war erst 15!

Irgendwie hatte ich es geschafft meiner Schwester zumindest die Dauerwelle aus zureden, aber um den Haarschnitt kam ich nicht rum. Meine Mutter sagte: "Nun haben wir schon eine Friseurin im Haus, dann kann sie uns auch die Haare schneiden und wir sparen das Geld für den Friseurbesuch!" Die hatte gut reden, sie ließ sich ja ihre Haare von ihrer Freundin schneiden und nicht von ihrer Tochter, die im 1. Lehrjahr war!

Es half kein Jammern und kein Zetern (Versaust du mir die Haare, erschlage ich dich mit deiner eigenen Ondulierbürste) der Tag des Schnitts war gekommen!

Ausgerechnet an dem Wochenende, wo ich mich mit der örtlichen Dorfjugend traf (zu der übrigens auch mein damaliges Objekt der Begierde gehörte - wie gesagt ich war 15 und das erste Mal schwer verliebt) wollte sie ihre Frisurkunst unter Beweis stellen!!!!

Nun die Älteren werden sich noch erinnern, welche Frisuren in den 80ern HIPP waren!! Entweder die Popperfönwelle, der Punkigelschnitt oder aber das allseits beliebte Vokuhila!! Ich tendierte zu der Popperfönwelle (die fand ich damals chic), aber: "Das kann man mit deinen Haaren nicht machen, ich lass mir was einfallen!" Uuuppss!! Was einfallen??? Nun kennt ihr die ausgeprägte Phantasie meiner Schwester nicht, aber ich. Mir brach der kalte Angstschweiß aus!!

Ich schloss die Augen und betete zum Frisurengott, er möge mich beschützen!

Schnippschnappschnipp, dann ein kurzes HUCH, wieder schnippeldieschnapp, dann wieder ein kurzes Uuups und Hoppala und dann sprach sie: "Fertig!!!"

Ich öffnete die Augen und stand langsam von meinem Stuhl auf, um in den Spiegel zu schauen!

Was war das und vor allen Dingen wer war das? Die Person die mir da aus dem Spiegel entgegenblickte, konnte unmöglich ich sein! Sie hatte mir Vokuhila geschnitten! Viel Voku und wenig Hila! Meine Haare hörten ca. 2 cm über den Ohren auf und mein Pony sah aus wie der von Mireille Matthieu!!!

Das "Aua du blöde Kuh, jetzt muss ich mir eine neue Ondulierbürste kaufen!!" konnte man noch 3 km weiter hören!!

Ich ging an diesem Tag nicht mehr weg, genauso wie die nächsten 6 Wochen nicht. Ich weigerte mich zur Schule zu gehen, aber damit kam ich nicht durch! "Was soll ich denn in die Entschuldigung schreiben? Ich bitte die Frisur meiner Tochter zu entschuldigen?", sagte meine Mutter und lachte!! Sie hatte gut lachen, sie musste ja auch nicht mit einer Tüte überm Kopf rumlaufen!!

Das mein damaliges Objekt der Begierde an dem Tag, eine andere geküsst hat, habe ich ihr bis heute nicht verziehen und sie mir nicht die Platzwunde in Form einer Ondulierbürste, aber ansonsten verstehen wir uns prächtig!!

Dieser Text ist urheberrechtlich geschützt. Nachdruck und Vervielfältigungen, auch auszugsweise, bedürfen der schriftlichen Zustimmung des Autors.

Eingereicht am
23. Oktober 2007

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Ein haariges Lesevergnügen


Noch mehr haarige Geschichten finden Sie in dem Buch, das aus unserem Wettbewerb "Abenteuer im Frisiersalon" hervorgegangen ist.

Abenteuer im Frisiersalon Abenteuer im Frisiersalon
Hrsg. Ronald Henss
Dr. Ronald Henss Verlag
ISBN 978-3-9809336-0-5

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