Haarige Geschichten
Kurzgeschichte - Haar, Haare, Frisur, Friseur, Haarfarben, blond, Blondine, Rothaarige, Glatze, Haarausfall, Bart, Rasur, Zöpfe, Locken, Dauerwellen ...

Unser Buchtipp

Abenteuer im Frisiersalon

Abenteuer im Frisiersalon
Hrsg. Ronald Henss
Dr. Ronald Henss Verlag
ISBN 978-3-9809336-0-5

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Dieser Text ist urheberrechtlich geschützt. Nachdruck und Vervielfältigungen, auch auszugsweise, bedürfen der schriftlichen Zustimmung des Autors.

Geisterbesen Grauhaar

© Grete Schicke

Auf einem Wochenmarkt wollte eine alte Frau einen Stubenbesen kaufen. Der Händler hatte eine beachtliche Auswahl. Deshalb fiel es ihr schwer, den richtigen zu finden. Sie entschloss sich rasch für einen, den sie zuerst in der Hand hielt und zog ihn aus dem zusammen geschnürten Bündel hervor.

Er sah wirklich sehr gut aus und lag beim Fegen leicht in der Hand. Das Besondere an ihm war sein gelber Stiel und, von Schweif eines Pferdes, graue Haare. Aber auch braune von der Mähne, die sich weicher anfühlten und in die Mitte mit eingearbeitet waren. Aus den Pferdehaaren hatte ein Besenbinder den wunderschönen Besen gefertigt. Durch das Zusammenfügen einer Menge grauer Haare und nur ein paar brauner, bekam der Besen ein hübsches und lebendiges Aussehen.

Am oberen Ende des Stieles wünschte die Frau eine Durchbohrung, damit eine Schnur hindurch gezogen werden konnte. Schließlich musste er, wie ihre anderen Haushaltsgeräte, angehängt werden.

Allerdings schien es, als ob sich der Besen dagegen wehren würde. Der Stiel fiel dem Händler beim Bohren oftmals aus der Hand, was unbegreiflich für ihn war. Jahrelang bohrte er mit diesem Bohrer Löcher. Doch warum wollte es bei diesem Besen nicht auf Anhieb gelingen?

Ihm war sogar, als hörte er eine Stimme, die fortlaufend rief: "Laß das! Du tust mir weh! Ich will kein Loch. Was würdest Du sagen, wenn ich Dir ein Loch durch die Nase bohren würde? Wer mich kauft wird seine helle Freude mit mir haben. Ich freue mich schon auf den Spaß, den ich ihm nachts bringen werde, wenn meine grau-braunen Haare durch die Wohnung tanzen."

Der Händler hielt inne. Er fand das Geschwätz nicht nur eigenartig, sondern glaubte, in der Nähe wieherte sogar ein Pferd. Drehte sich ruckartig um, doch weder ein weiterer Kunde, noch ein Pferd waren zu sehen. Nur die Frau, die den Besen kaufen wollte und vor ihm stand.

Konnte es sein, dass nicht der Besenstiel, sondern die Pferdehaare mit ihm sprachen? War in den Haaren vom Schweif und Mähne beim Knüpfen ein Geist mit eingearbeitet worden?

Der Händler war bemüht, durch außerordentliche Lobreden, den Besen ganz schnell der Frau zu verkaufen, indem er sagte: "Sie haben einen wunderschönen Besen ausgesucht. Der gelbe Stiel und die besonders schönen grau-braunen Haare passen wunderbar zusammen. Er sieht wirklich hervorragend aus und weil heute ein sonniger Tag ist, nehme ich von ihnen nur die Hälfte des normalen Preises." Diesen sonderbaren Besen wollte er ganz schnell loswerden. Die Frau hoch erfreut, bedankte sich zweimal beim Weggehen. Der Händler sah erstaunt und überaus erschrocken, dass die Frau unwahrscheinliche Kräfte einsetzen musste, um den Besen überhaupt festhalten zu können. Mit beiden Händen umfaßte sie den Stiel, damit er ihr nicht entglitt. Durch endlose Bewegung versuchte dieser, dass seine Haare die Straßen berührten, damit er tanzen und fegen konnte.

Völlig entkräftet, erreichte sie ihr Zuhause und sagte: "War der Besen schwer. Mir tun die Arme weh vom Tragen." Holte eine dicke Schnur aus einer Schublade, zog sie sofort durch das gebohrte Loch und hängte den wunderschönen neuen Besen in die Speisekammer.

Täglich benutzte sie ihn und staunte immer wieder darüber, wie sorgfältig er jedes Staubkörnchen erfaßte und zusammenfegte. Jedoch es passierten eigenartige Dinge, seitdem er in der Speisekammer hing. Dafür fand die Frau keine Erklärung.

Da der Besen nur wenige Minuten für seine tägliche Arbeit brauchte, um alles fein zu säubern, war er stundenlang in der dunklen Abstellkammer und hing gelangweilt am Haken.

Natürlich befanden sich darin auch eine Kehrschaufel, ein Handfeger, Wischeimer, Aufnehmer, Schrubber und Bürsten. Weitere Sachen standen in Regalen, die als Vorrat dienten, wie: Dosen, Weckgläser und vieles mehr. Diese standen fein säuberlich nebeneinander gereiht. Doch dafür interessierte der Besen sich kaum. Die Putzutensilien wurden weniger gebraucht als er, der Schöne aus grau-braunen Pferdehaaren. Oh ja, er fühlte sich als eine Besonderheit. Er musste zeigen was er kann und beschloss deshalb, in der kommenden herrlichen Vollmondnacht, gleich um zwölf Uhr, seine magischen Kräfte voll zu aktivieren. Bisher wurde die Magie nur geprobt.

Um Mitternacht hampelte und strampelte er dermaßen, schob dabei unentwegt seine Haare an der Wand hin und her, dass sich sogar ein paar Steinchen lockerten und der Haken zu Boden fiel. Kaum lag der Besen auf dem Boden, wuchsen ihm Arme, Hände, Beine und Füße. Er klatsche vergnügt in die Hände und schon bekam er Augen, Nase und Mund. Danach konnte er reden und schallend laut lachen. Kicherte übermütig und sagte: " Jetzt stell ich das Haus auf den Kopf. Jetzt wird Rabatz gemacht und getanzt. Laut gesungen und gesprungen. Es muss rasseln, poltern, lärmen und dröhnen. Meine hübschen Haarborsten werden überall zum Einsatz kommen!" Voller Ausgelassenheit sang er:

Hihi, haha, hoho,
ich bin glücklich und so froh,
hier ist es laut, nicht still,
kann machen was ich will,
tanze vergnügt und singe,
mache Krach und springe,
meine Haare werden fegen,
werde alle Spinnen erregen,
kann geistern in diesem Haus -
mich schmeißt keiner hinaus!

Er schaute durchs Schlüsselloch. Horchte neugierig ein Weilchen, ob die alte Dame wirklich schlief. Hüpfte dann wie ein Känguru auf seinen weichen Borstenteil durch das Loch, welches er zuvor durch kurzes Pusten erweitert hatte. Er, ein Geisterbesen, brauchte keine Hände, um Türen zu öffnen.

Schwenkte die Arme in die Höhe und hing sogleich an der Lampe, die er hin und her schaukelte, wobei er mit dem Haarteil die Decke unaufhörlich kitzelte. Dabei splitterte weiße Farbe mit Putz ab. Er sprang laut schreiend herunter, lief polternd zum Wohnzimmerschrank, holte Gläser heraus, natürlich von jeder Sorte eins und stieß sie vergnügt gegeneinander. Sie klirrten überlaut, als würden sie jeden Moment zerspringen. Er rief dabei: "Oh! Es scheppert wundervoll! Einige könnte ich doch zerdeppern, indem ich sie gegen die Wand werfe. Die Scherben würden sicherlich einen gewaltigen Lärm bringen. In diesem Haus macht es mir wirklich Spaß und ich kann soviel Krach machen wie ich will."

Schlitterte in der Küche auf den glatten Fliesen wie auf Eis entlang, als sei es eine Rutschbahn. Seine Haare presste er dabei fest auf den Boden, um besser gleiten zu können. Knipste das Licht unentwegt an und wieder aus, an und wieder aus.

Machte sich daraus einen Jux. Lachte dabei lautstark vor Freude und trieb minutenlang sein Unwesen. Sang dabei sein Lied:" Hihi, haha, hoho …"

Seine magische Kraft besaß er jedoch nur eine Stunde, dann musste er zurück in die Kammer.

Drei Nächte verbrachte er schon mit dem Unfug.

Die Frau schüttelte mehrmals den Kopf und glaubte, der Haken sei zu klein, weil der Besen morgens auf dem Boden lag. Oft musste sie einige Dinge suchen und sagte zu sich selber: " Ja, ja, - du wirst alt Leni und weißt am Morgen nicht mehr, wie und wo du die Sachen abends hingelegt hast."

Am vierten Tag war es besonders schlimm. Mit Fassungslosigkeit glaubte die Frau, Diebe seien im Hause gewesen. Sie schüttelte unentwegt den Kopf und fragte, zu sich selber sprechend: " Wer macht so etwas? Wer will mich ärgern und ist böse auf mich? Ich bin doch eine alte Frau."

Der Zucker und das Salz waren auf den Fußböden verstreut, als ob es geschneit hätte. Um alles einigermaßen zu ordnen, holte sie den Besen und der musste längere Zeit fegen, fegen, fegen. Der ausgelaufene Honig von dem zerschlagenen Glas, klebte auf dem Boden und vermischte sich mehr und mehr mit dem heraus geklecksten und verteilten Schmalz, welches sich wie Schmierseife mit der süßen Marmelade verband. Beim Fegen übersah sie, dass am Besen die klebrige Masse haftete. Drückte die Besenhaare fester auf den Boden, damit der Schmutz entfernt wurde. Dadurch lösten sich einige Haare aus der Verbindung, die dann fest und unschön am Boden hängen blieben.

"Oh nein! Nein! Wer hat mir das angetan!" jammerte sie ein paar Mal.

Stundenlang dauerte das Saubermachen, bis alles wieder sauber und strahlend blank aussah.

Später machte sie für ein Wannenbad eine schöne starke Seifenlauge. Wollte den Besen richtig baden, damit sich das Klebrige aus den Haarborsten löst. Durch die herausgezogenen Haare, die er durch den Schmierkram verlor, sah er nicht mehr buschig und besonders fein aus, sondern recht hässlich und alt. Er sträubte sich beim Baden. Flutsche dauernd aus der Wanne heraus, denn Nässe und Wasser liebte er gar nicht.

Zum Trocknen wurde der Besen draußen an die Hausmauer gestellt, nachdem er zuvor tüchtig eingeseift und gewaschen wurde. Während der Trockenzeit schüttelte er sich unentwegt und grübelte ständig darüber nach, was er die kommende Nacht anstellen könnte.

Seine neu ausgedachten Streiche, die ihm vor lauter Wut einfielen, musste er unbedingt ausprobieren.

Plötzlich fing es an zu regnen und aus den schwarzen Regenwolken goss es wie aus Kannen. Der Grauhaarbesen wurde von oben bis unten triefend nass, was er in seiner Daseinszeit noch nie erlebt hatte. Der Stiel wurde schleimig. Der Anhänger zum Auswringen nass. Seine verbliebenen Haare strähnig und er sah nicht nur strubbelig, sondern wirklich scheußlich aus.

Ihm war kalt und fror schrecklich. Dabei bekam er noch mehr Wut und Zorn, weil die Frau vergaß, ihn ins trockene und warme Haus zu holen.

Er schimpfte und schrie die Hauswand an: "Igittigitt! Wie sehe ich aus? Was hat man aus mir gemacht? Wo ist meine Schönheit geblieben?"

Nach dem Regen kam ein starker Wind angebraust, der die wenigen Haare trocknete. Erst nach Stunden holte die Frau den Besen. Prüfend streichelte sie die Einzelhaare mit ihren Händen, um zu fühlen, ob wirklich das Klebrige heraus gewaschen wurde. Dann erst brachte sie ihn wieder in die Abstellkammer.

Wartend auf die Mitternachtsstunde, die mit jeder Minute näher rückte, fielen ihm erneut schlechte und böse Streiche ein, die er vor lauter Verdruss ausüben wollte.

Kurz vor zwölf Uhr, begann er mit seiner Bewegung, damit schnellstens alle Gliedmaßen wachsen sollten. Sein überaus großer Hass hatte sich wie ein riesiger Berg zusammen geballt, den er unbedingt loswerden wollte.

Doch was war das? Bei der Bewegung seiner Haare, die er an der Wand auf und ab rollte, durchzuckte es ihn wie ein heißer Blitz. Seine magischen Kräfte versagten. Das durfte nicht wahr sein. Er wollte in dieser Nacht im Haus, mehr als sonst, alles durcheinander schleudern. Versuchte ununterbrochen seine magischen Kräfte wieder zu erlangen. Leider, leider! Es geschah nichts, was darauf hindeuten würde.

Er ahnte nicht, dass durch die ungewöhnlichen Wassermassen seine Magie entwichen war. Sein endloses Strampeln, Hampeln und Drehen in allen Richtungen brachte nicht den erhofften Erfolg. Obwohl er versuchte sein Inneres zu mobilisieren. Dabei zerbrach mit einem lärmenden Knall der Stiel in mehrere Teile.

Die Frau wurde durch die ungewöhnlichen Laute aus dem Schlaf gerissen, die wie Donnerschläge dröhnten. Lief eilig zur Kammer, denn darin vermutete sie den heftigen Aufprall. Wollte schnell nachsehen was geschehen war und entdeckte unerwartet den zerbrochenen Besenstiel und daneben liegend das zerkleinerte Unterteil mit ausgefransten Haaren. Sie hielt beide Hände vor ihr Gesicht und sagte: " Das ist unmöglich, was ich sehe. Wie kann ein Besen in mehrere Teile zerbrechen? Es kann doch kein Zauberbesen gewesen sein." Sie war bestürzt und fassungslos. Sammelte die Holzstücke von ihrem schönen Besen zusammen und tat diese zum Abfall.

Durch zu viel Übermut, Frechheit und Ungezogenheit endete frühzeitig das Leben vom Geisterbesen Grauhaar.

Dieser Text ist urheberrechtlich geschützt. Nachdruck und Vervielfältigungen, auch auszugsweise, bedürfen der schriftlichen Zustimmung des Autors.

Eingereicht am
14. Oktober 2007

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Ein haariges Lesevergnügen


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