Haarige Geschichten
Kurzgeschichte - Haar, Haare, Frisur, Friseur, Haarfarben, blond, Blondine, Rothaarige, Glatze, Haarausfall, Bart, Rasur, Zöpfe, Locken, Dauerwellen ...

Unser Buchtipp

Abenteuer im Frisiersalon

Abenteuer im Frisiersalon
Hrsg. Ronald Henss
Dr. Ronald Henss Verlag
ISBN 978-3-9809336-0-5

beim Verlag bestellen
bei amazon bestellen

Dieser Text ist urheberrechtlich geschützt. Nachdruck und Vervielfältigungen, auch auszugsweise, bedürfen der schriftlichen Zustimmung des Autors.

Die Haarverschwörung

© Bianca Waldrich

Heute hatte in Sabines Straße ein neuer Friseursalon eröffnet. Da sie neugierig war und auch schon seit längerem wieder einen Friseurbesuch nötig hatte, ging sie kurzerhand dorthin, um sich das Ganze einmal anzuschauen.

Als sie die Preisliste vor dem Laden sah, war sie angenehm überrascht. Schnitt und Haarwäsche kosteten, egal welche Haarlänge, gerade mal 10 Euro. So etwas Günstiges hatte sie noch nie gesehen und sie vermutete, dass es sich hierbei um billige Eröffnungspreise handeln und es nächste Woche sicherlich schon wieder sehr viel teurer sein würde. Als sie einen Blick in den Laden warf, war sie nicht überrascht zu sehen, dass es von Kunden und Kundinnen nur so wimmelte. Der Laden war randvoll mit Leuten, die sich bereits gegenseitig auf die Füße traten. Sabine entschloss sich daher, in ein paar Tagen noch einmal wiederzukommen, in der Hoffnung, dass es dann wesentlich leerer sein würde.

Gerade als sie sich auf dem Absatz umdrehen wollte, hielt sie jemand am Arm fest. Erschrocken fuhr sie herum und sah einen jungen gut aussehenden Mann. Er war etwas älter als sie selbst, um die 25 Jahre alt und lächelte sie freundlich an. "Lassen Sie sich nicht von den vielen Leuten abschrecken. Es dauert nur ein paar Minuten, dann wird es wesentlich leerer sein. Sie haben wirklich sehr schönes Haar und vor allem so langes", sagte er und fuhr einmal kurz durch ihr schönes Haar.

Sabine hatte wirklich tolle Haare, vor allem, waren sie sehr dick und gut gepflegt. Sie reichten ihr fast bis zur Taille und waren naturblond. "Vielen Dank. Ich hatte eigentlich vor, erst in ein paar Tagen wiederzukommen. Es ist hier ja einiges los und ich möchte ungern so lange warten.", sagte sie etwas unangenehm berührt, da er ihre Haare immer noch fixierte.

"Aber nein, lange werden Sie nicht warten müssen. Allerdings werden die Preise morgen schon um einiges anders aussehen. Es ist nur auf Grund der Neueröffnung so günstig. Heute wäre also die beste Zeit", sagte er freundlich.

Sabine fühlte sich ein wenig unwohl, da er immer noch nicht seinen Blick von ihren Haaren ließ, folgte ihm aber dann mit etwas Unbehagen in den Laden. Auf den Salonstühlen saßen gerade zwei Frauen und zwei Männer mit kurzen Haaren. Eine Frau die braune dicke Haare bis zu den Schulterblättern hatte, wurde in diesem Moment durch eine Hintertür bugsiert und sah verwirrt zurück. Sie schien nicht so recht zu wissen, warum sie in einen anderen Raum musste. Der junge Mann sah ihren Blick und legte ihr beruhigend die Hand auf die Schulter. "Keine Sorge, da wir hier alle Hände voll zu tun haben, haben wir hinten noch einen extra Raum. Dort kümmern wir uns dann um die Leute, bei denen es etwas länger dauert", sagte er grinsend. Die Antwort beruhigte Sabine nicht gänzlich, aber sie sagte nichts weiter und nahm sich ein Magazin um darin zu blättern. Komischerweise gab es in den Magazinen nur Kurzhaarfrisuren und Sabine fand keine einzige Langhaarfrisur. "Haben Sie keine Zeitschriften, in denen auch Langhaarfrisuren sind?", wollte sie erfahren.

Wieder grinste der junge Mann. Es war ein unheimliches Grinsen und sie fühlte sich von Sekunde zu Sekunde unwohler. "Die Langhaarfrisuren werden im hinteren Teil des Salons gemacht, daher sind auch nur dort die Magazine dafür", beteuerte er.

Sabine sah sich um und bemerkte, dass einige der Frauen, die ebenfalls lange Haare hatten, genauso verwirrt wie sie schauten. In diesem Moment wurde die nächste Frau mit langen Haaren in den Hinterraum geführt. Sie hatte rote Haare, die ihr fast bis zur Hüfte fielen. Sabine konnte Panik in ihren Augen lesen. "Wo ist denn die andere Frau geblieben?", fragte Sabine mit belegter Stimme. Sie hatte inzwischen einen ganz trockenen Mund und wäre am liebsten sofort aus dem Laden gerannt.

"Ach, die ist bereits gegangen. Wir haben im Hinterhof noch einen Ausgang und es ist so voll hier drin, da ist der Weg hinten rum wesentlich einfacher", sagte er und sein Lächeln wurde eine Spur kälter.

Sabine entschloss sich, einfach zu gehen. Sie hatte ein schlechtes Gefühl bei der Sache und dieses Gefühl teilten die anderen jungen Damen offensichtlich ebenfalls. Also konnte es so falsch nicht sein. Sie sah auf ihre Uhr und tat so als ob sie fürchterlich erschrocken sei. "Mein Gott schon so spät. Hören Sie, ich komme in ein paar Tagen wieder. Ich habe noch einen Termin und die Sache eilt ja nicht", sagte sie und wollte sich gerade durch die Menschenmassen kämpfen, als sie wieder einen Griff um ihren Arm spürte. "Nein, Sie sind ja gleich dran. Es dauert höchstens noch fünf Minuten. Und vergessen Sie nicht, morgen ist es schon wesentlich teurer als heute", sagte er eindringlich. Die Kälte in seinen Augen lies es ihr eiskalt über den Rücken laufen. Sie war starr vor Angst und blieb wie angewurzelt auf ihrem derzeitigen Platz stehen. Irgendetwas hatte er mit ihr gemacht. Sie hatte den Drang aus dem Laden zu rennen, aber sie konnte es nicht, irgendetwas hinderte sie daran. Jetzt waren nur noch zwei Frauen mit langen Haaren vor ihr. Drei Minuten später nur noch eine. Sabine wusste, dass da irgendetwas nicht stimmte. Wie konnten die Frauen innerhalb von drei Minuten eine komplette Frisur erhalten? Und wieso waren diese Frauen wie vom Erdboden verschluckt?

Dann spürte sie wieder den Griff des jungen Mannes, der sie mit sich zog in Richtung Hintertür. Sie versuchte sich zu wehren und sah sich hilfesuchend um, aber keiner nahm Notiz von ihr. Sie formte die Worte "lass mich los" mit ihren Lippen, aber brachte keinen Ton heraus. Dann öffnete er die Türe und schob sie hinein. Sabine hätte aufgeschrien wenn sie es gekonnt hätte. Der Raum war kein Sonderraum eines Friseursalons. Sie fand sich in einem Operationsraum wieder. Zumindest sah es so aus als wäre es ein OP. Der Raum war vollkommen steril und in der Mitte befand sich ein Operationstisch. Ein älterer Mann und eine blutjunge Frau standen neben dem Tisch und sahen ihr lächelnd entgegen. Sie hatten das gleiche Lächeln, das der junge Mann unentwegt gehabt hatte.

Plötzlich fand sie ihre Sprache wieder. "Was ist das hier? Lassen Sie mich gehen. Ich will hier weg. Lassen Sie mich sofort gehen oder ich rufe die Polizei", schrie sie.

Der junge Mann lachte schallend und der alte Mann sah sie ausdruckslos an. "Gehen? Nein, nein, nein. Sie können nicht mehr gehen. Bereits als Sie den Laden betreten haben, war Ihr weiteres Schicksal besiegelt. Es war Ihre Entscheidung und Sie haben sich dafür entschieden", sagte er immer noch Freundlichkeit heuchelnd.

Sabine sah sich panisch um. Es gab nur zwei Türen, die Tür; aus der sie gekommen war, und eine Türe gegenüberliegend, hinter dem Operationstisch. Sie nahm ihren ganzen Mut zusammen und rannte so schnell sie konnte los. Als sie die Türe erreicht hatte, hörte sie wieder das schallende Lachen. Die Tür war verschlossen, das hätte sie sich auch gleich denken können. Mit vor Angst aufgerissenen Augen drehte sie sich wieder um. "Was wollt ihr von mir? Ich habe doch nichts getan. Bitte lasst mich gehen", flehte sie.

Dann drehte sich der ältere Mann zu ihr um. "Es geht nicht darum, dass Sie etwas getan oder nicht getan haben. Alles was wir wollen sind Ihre Haare. Es gibt nur wenig Menschen, die so prachtvolles langes Haar haben wie Sie. Wir brauchen dieses Haar", sagte er mit seiner alten brüchigen Stimme.

Sabine hatte keine Ahnung wovon dieser Mann sprach. "Sie können es haben. Ich gebe es Ihnen, wenn Sie mich dann wieder gehen lassen", forderte sie. Ihre Augen füllten sich mit Tränen und sie sah den alten Mann bettelnd an.

"Schnallt sie auf den Tisch", sagte dieser und ein paar Sekunden später befand sie sich rücklings liegend auf dem Operationstisch. Sie wurde so festgeschnallt, dass sie sich kaum noch rühren konnte. Der alte Mann begann ihre Haare, kurz nach dem Ansatz, abzuschneiden und ihre langen blonden Haare fielen auf den Boden. Dann nahm er ein Rasiergerät und rasierte auch noch die letzten Haare ab, bis Sabine eine vollkommene Glatze hatte.

Sie begann bitterlich zu weinen. "Jetzt haben Sie alles was Sie wollen. Lassen Sie mich bitte gehen", schluchzte sie.

Der alte Mann sah sie fragend an. "Wie kommen Sie darauf, dass Sie gehen dürfen?"

Sabine sah ihn schockiert an. "Aber Sie sagten doch, Sie brauchen nur meine Haare. Sie haben sie doch, was wollen Sie noch von mir? Ich dachte ich dürfte gehen, wenn Sie die Haare haben", sagte sie hysterisch. "Wer hat denn gesagt, dass Sie gehen dürften?", sagte die junge Frau, die bisher noch nichts gesagt hatte und dem alten Mann assistiert hatte. "Sie wurden ausgewählt. Und wenn man erst einmal ausgewählt ist, dann kann man nicht mehr gehen. Es gibt nur wenig Menschen mit so schönen Haaren und genau das ist das Problem. Wir wollen den Menschen helfen, die nicht das Glück, dieser schönen Haare haben. Sie glauben gar nicht, wie sehr Menschen darunter leiden, dünnes kurzes Haar zu haben oder im Alter eine Glatze zu bekommen. Genau das wollen wir ändern. Sie werden hier bleiben und uns helfen herauszubekommen, warum Sie etwas haben, was andere nicht haben.", sagte sie.

Sabine sah sich schockiert um. Sollte sie etwa als Versuchskaninchen missbraucht werden? Sie wollte es einfach nicht glauben. Der junge Mann kam wieder auf sie zu und diesmal sah sie, dass er eine Spritze in der Hand hielt und sie ihr injizierte. Sabine wurde abgeschnallt und durch die Tür hinter dem Operationssaal gebracht. Dort waren um die zwanzig Frauen, alle kahlgeschoren und verängstigt. Sie hörte nur noch "Bringt die Nächste rein" und dann schloss sich die Türe und sie waren in vollkommener Dunkelheit gefangen.

Dieser Text ist urheberrechtlich geschützt. Nachdruck und Vervielfältigungen, auch auszugsweise, bedürfen der schriftlichen Zustimmung des Autors.

Eingereicht am
25. September 2007

Wenn Sie einen Kommentar abgeben möchten, benutzen Sie bitte unser Diskussionsforum. Unser Autor ist sicherlich genau so gespannt auf Ihre Meinung wie wir und all die anderen Leser.

Ein haariges Lesevergnügen


Noch mehr haarige Geschichten finden Sie in dem Buch, das aus unserem Wettbewerb "Abenteuer im Frisiersalon" hervorgegangen ist.

Abenteuer im Frisiersalon Abenteuer im Frisiersalon
Hrsg. Ronald Henss
Dr. Ronald Henss Verlag
ISBN 978-3-9809336-0-5

beim Verlag bestellen
bei amazon bestellen

© Dr. Ronald Henss Verlag     Home Page