Gestern noch ein Frosch
© Marc-Steffen Riener
Die Welt ist gespannt, sie wartet nur darauf zu platzen. Es kommt mir so vor, als würden alle sich zu einem Berg türmen. Ich will der erste sein. Ich will der beste sein. Die wenigsten schaffen es.
Hetzend laufen sie, noch schneller als davor. Natürlich steht eine Weltmeisterschaft vor der Tür, doch ist es eher das bewusste Gespanntsein. Und ob jetzt Deutschland hin oder her. Gut ist die WM allemal. Doch was passiert, wenn der Frosch auf dem Spielfeld nicht erkannt wird und einfach platt ist.
Er ist sogar einer, der laut sein kann. Trotzdem wird er überhört von den Jubelnden. Alle schreien und immer wieder kommt es zu neuen Höhepunkten. Die doch alle immer wieder gleich sind. Man braucht sie. Jeder braucht sein eigenes Spiel.
Von Anfang an verschwimmt der Frosch in der Farbe seiner Umgebung.
Alle sind glücklich.
Doch die 22 Spieler auf dem Felde rennen um des Jubels willen. Welch eine Ironie.
Nachdem der Ball ins Tor gegangen ist, und sich die eine Hälfte freut, ist die andere in Trauer weinend am Boden zerstört ist. Doch kümmert sich der Frosch um nichts anderes, als um sich selber. Er schaut zwar, dass er keinem im Weg steht, aber hofft doch, erlöst zu werden, da er den Ausgang zum Teich nicht findet. In dem er liegend, fliegen kann.
Ein Fuß zertritt ihn.
Er wird zum Vogel und schwebt davon, obwohl er nun doch lieber ein Frosch geblieben wäre und den Teich gefunden hätte.
Doch ist das Leben unausweichlich. Man verändert sich. Man hat andere Ziele.
Die erste Halbzeit endet.
Eingereicht am 31. Mai 2006.
Herzlichen Dank an die Autorin / den Autor.
Dieser Text ist urheberrechtlich geschützt.
Nachdruck und Vervielfältigungen, auch auszugsweise,
bedürfen der schriftlichen Zustimmung der Autorin / des Autors.
Wenn Sie einen Kommentar abgeben möchten,
benutzen Sie bitte unser
Diskussionsforum.
Unser Autor ist sicherlich
genau so gespannt auf Ihre Meinung wie wir und all die anderen Leser.
Home Page
|
Fußballgeschichten
|
Kurzgeschichten Überblick
|
Seitenanfang